Von Christine Burtscheidt

Künftige Abiturienten müssen mehr wissen: Das Kurssystem soll abgeschafft werden. Mathematik, Deutsch und eine Fremdsprache werden Pflicht.

Nach mehr als einem Jahrzehnt der Diskussion hat das Kabinett gestern einen Entwurf zur Oberstufenreform beschlossen. Danach soll das Kurssystem mit seiner Wahlfreiheit abgeschafft werden. Das Abitur muss künftig in fünf Fächern abgelegt werden. Zwei Seminare sollen zudem auf Studium und Beruf vorbereiten. Korrekturen nahm Kultusminister Siegfried Schneider auch an der Stundentafel für die Mittelstufe vor. Zufrieden ist die Elternvereinigung, Kritik gab es von den Philologen.

Schülerin, Bücherberg

Seit Jahren wird über die Oberstufenreform diskutiert. Nun heißt es bald: mehr lernen. (© Foto: sueddeutsche.de)

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Bayerns Abiturienten müssen wieder mehr wissen. Ziel der Reform sei es, die Kernkompetenzen zu stärken, sagte Schneider nach der Kabinettssitzung. Etliche Fächer sollen wieder Pflicht werden: Mathematik, Deutsch, eine Fremdsprache, Geschichte, Sozialkunde, Sport und Religion.

Wählen dürfen Schüler nur noch ein Profilfach sowie zwischen Kunst oder Musik, Geografie oder Wirtschaft/Recht, den Fremdsprachen und den Naturwissenschaften.

Das Abitur wird in fünf statt vier Fächern geschrieben, obligatorisch sind Mathematik, Deutsch und eine Fremdsprache. Weitere zwei Fächer stehen zur Wahl. Eine "bayerische Besonderheit" nannte Schneider die zwei neuen Seminare, die auf das Studium und den Beruf vorbereiten sollten. Insgesamt dürfen sich die Schüler auf ein umfangreicheres Pensum einstellen. Statt durchschnittlich 28 Wochenstunden werden es nun bis zu 34.

Nicht zuletzt wegen der Klagen vieler Eltern feilte das Ministerium auch nochmals an der Stundentafel in der Mittel-und Unterstufe. Die Kürzungen betreffen vor allem das Herzstück der G 8-Reform, die Intensivierungsstunden. Sie werden nicht nur in der fünften und sechsten Klasse reduziert. In der neunten und zehnten sind sie fortan gänzlich freiwillig.

Das bayerische Gymnasium kommt somit jetzt auf 268 Stunden als Arbeitspensum für alle Jahrgangsstufen. Schneider befürchtet dadurch keinen Qualitätsverlust. Generell räumte der Minister ein, dass der Reform eine Vielzahl an Gesprächen vorausgegangen sei und nicht alle Wünsche hätten erfüllt werden können.

Der Streit um das Fach Geschichte mündete denn nun in dem Kompromiss, es in Zukunft im Verbund mit Sozialkunde zu lehren. In der elften und zwölften Klasse werde es "eine Note" geben, kündigte Schneider an. Auch wird Geschichte in der Oberstufe nur zweistündig unterrichtet. Dafür steht es überraschend wieder auf dem Lehrplan der zehnten Jahrgangsstufe.

Mit der Reform, die noch vom Landtag gebilligt werden muss, liegt nun nicht nur ein vollständiges Konzept für das achtjährige Gymnasium vor. Zu Ende ist auch ein langer Disput über die Oberstufe. Seit 1990 wird daran gebastelt. Schon damals beklagten Wissenschaft und Wirtschaft das mangelnde Basiswissen von Abiturienten. Statt Spezialisten forderten sie mehr Generalisten. In der Kritik stand vor allem das Kurssystem mit seiner Möglichkeit, Kernfächer abzuwählen.

1998 beschloss dann das Kabinett eine Reform. Doch im Oktober 2001 kippte Ministerin Monika Hohlmeier den Beschluss und setzte eine Kommission ein. Der Abschlussbericht lag noch nicht vor, da war er bereits Makulatur: Nach der Landtagswahl entschied Ministerpräsident Edmund Stoiber, das neunjährige Gymnasium auf acht Jahre zu verkürzen.

Den jetzigen Beschluss sieht denn der Philologenverband mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Einerseits, sagte der Vorsitzende Max Schmidt, werde umgesetzt, was der Verband bereits vor 13 Jahren erfordert habe, etwa ein Fünf-Fächer-Abitur sowie die Einführung von zwei Seminaren. Andererseits hätte man sich dafür ein neunjähriges Gymnasium gewünscht ohne Kürzungen bei der Stundentafel. Schmidt bedauerte insbesondere Einschnitte in den Naturwissenschaften von "drei Schuljahren".

Der Vorsitzende der Landeselternvereinigung bayerischer Gymnasien, Thomas Lillig, begrüßte hingegen die Reform und forderte zu einem Ende der Debatte um das G 8 auf. Mit dem heutigen Tag habe man nun endlich Planungssicherheit. Positiv bewertete Lillig die "Vermittlung vertiefter Allgemeinbildung."

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(SZ vom 26.4.2006)