Studienkredite türmen sich schnell zum Schuldenberg. Wer bei der staatlichen KfW-Förderbank den Höchstbetrag in Anspruch nimmt, startet mit 121.706 Euro Miesen ins Berufleben.
Als Bundesbildungsministerin Annette Schavan im Februar 2006 grünes Licht für die Studienkredite der KfW-Förderbank gab, lobte die CDU-Politikerin das neue Angebot als "wichtigen Schritt zur Erschließung eines funktionierenden Marktes der Bildungsfinanzierung und zu einer tragfähigen und im Blick auf die Rückzahlungsbelastung in jedem Einzelfall tragbaren Finanzierungsmöglichkeit". Ob der neue Markt funktioniert und ob die Belastung tatsächlich tragbar ist - dazu präsentiert nun, fast genau ein Jahr später, das Ministerium in einer Antwort auf eine Anfrage der Grünen lange Rechnungen.
Endlich das Diplom in der Tasche - und dann? Schulden abzahlen. (© Foto: istockphoto)
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Von den mehr als 1,9 Millionen Studenten an den deutschen Hochschulen haben demnach nach dem Start des Programms bis Ende November 2006 gut 19 000 einen Studienkredit beantragt. Rund 17 000 KfW-Kredite wurden bewilligt, 1900 Anträge wurden abgelehnt, unter anderem, weil die Antragssteller insolvent waren. Im Durchschnitt nehmen die Studenten pro Monat 490 Euro in Anspruch, bei jedem Dritten liegt der Kredit jedoch in der höchsten Spanne zwischen 601 und 650 Euro monatlich.
Welche Belastungen sich aus den Krediten ergeben, rechnet das Schavan-Ministerium anhand zweier Szenarien vor: Wer den Durchschnittskredit von monatlich 490 Euro über 14 Semester hinweg erhält und anschließend 25 Jahre lang zurückzahlt, muss pro Monat 265,43 Euro zahlen - insgesamt sind das 91 855,56 Euro. Und wer den Höchstbetrag von 650 Euro pro Monat in Anspruch nimmt, muss 25 Jahre lang pro Monat 351,61 Euro abzahlen, macht alles in allem 121 706,94 Euro. Dabei wird stets vorausgesetzt, dass der derzeit geltende Zinssatz von 5,95 Prozent konstant bleibt und nicht steigt. Die Daten zeigten, dass die Kredite immense Schulden nach sich zögen, Studienkredite dürften daher nie zum Ersatz für das Bafög werden, kommtieren die Grünen das Ergebnis.
So detailliert die Auskünfte auch sind, auf erstaunlich viele der 25 Fragen bleibt das Ministerium eine Antwort schuldig. Wie viele Bafög-Empfänger zusätzlich Studienkredite beantragt haben, weiß es nicht zu berichten, und auch nicht, wie sich die Kreditnehmer auf verschiedene Studienfächer und Hochschulen verteilen.
(SZ vom 29.1.2007)
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Ich weiß nicht ob wir in so unterschiedlichen Ländern leben, aber ich kenne viele Studenten, die locker 14 Semester benötigen. Das hat vor allem die Gründe: viel Arbeiten (bei mir waren es im Durchschnitt 20-25 Stunden), Auslandssemester, das Aneignen von Grundwissen (was einem in den Seminaren nicht begebracht werden konnte) und dann auch noch die Unmöglichkeit in vorgeschriebene Seminare zu kommen, weil diese über mehrere Semester im vorraus ausgebucht waren... Da kommt man auch mal locker auf 16 Semster! Immerhin hat mir das Arbeiten direkt nach dem Studium einen 2- Jahrevertrag verschafft... wie es danach weiter geht steht in den Sternen, denn als Geisteswissenschaftler wird an eher wegrationalisiert, als mit Kusshand eingestellt. Ich bin froh, dass ich trotz aller Widrigkeiten mein Studium erfolgreich absolviert habe. Aber ich hätte unter den heutigen Voraussetzungen nicht begonnen und würde es nicht empfehlen!
Es sollte mehr solcher kurzen, entlarvenden Artikel geben, und die Rubrik sollte nicht mehr "Beruf und Karriere", sondern "Bildung und Gesellschaft" heißen. Wann verabschiedet man sich endlich mal von dem Paradigma von Ausbildung als private Investition in das eigene Fortkommen und nennt das ganze dann auch noch (Eigen)"VErantwortung".
M.E. fängt VErantwortung gerade erst da an, wo man nicht mehr nur an sich denkt, wo man anfängt sein eigenes Wirken im gesellschaftlichen Kontext zu betrachten, wo man anfängt, sich zu bilden.
Hochschulen waren dazu einmal mehr schlecht als recht geeignet. Heute sind sie es nicht mehr.
Und Studienkredite verbauen mehr Wege zum Lebenslangen Lernen, als sie öffnen, denn wer sich solcherart verschuldet auch später noch auf dem "Bildungsmarkt" tummeln will, wird das wohl einfach mal nicht können. Wissen als MAcht derer, die es sich leisten können, ist eine Bankrotterklärung der Demokratie auf ganzer Linie. Nicht umsonst ist kostenlose Bildung ein Menschenrecht (http://www.auswaertiges-amt.de/diplo/de/Aussenpolitik/Menschenrechte/Download/IntSozialpakt.pdf) §13 (2) c).
Ich habe damals in Köln BWS studiert und damals waren 12 Semester Durchschnitt.
Ich habe mir mein gesamtes Studium selbst finanzieren mússen, d.h. in der Regen mit einem 20 Stundenjob neben dem Studium und das war oft ganz schön stressig. Mit 490 Euro wáre ich selbst damals nicht ausgekommen und wenn ich Studiengebühren hätte zahlen müssen, wáre es gar nicht gegangen. Allein, was man jedes Semester fúr Bücher berappen musste.( die 2 Exemplare in der Bibliothek waren natúrlich immer ausgeliehen). und tolle Praktika bei namenhaften Grossunternehmen mit Praktikantengehalt konnte ich mir buchstáblich nicht leisten (Ich musste in den Semesterferien Geld verdienen!), ebenso wenig wie das Auslandssemester was heut zu Tage schon Pflicht ist. Wer nicht von seinen Eltern gesponsert wird hat es schon verdammt schwer und danach darf man dann noch 25 Jahre lang einen ganz happigen Batzen vom Gehalt abzwacken, das dann wieder fúr Altersforsorge etc.fehlt. Ich kann nicht nachvollziehen warum ein angehender Akademiker, der in Bildung investiert schlechter gestellt wird als jemand, der úberhaupt nicht arbeitet und das auch gar nicht will und sich sein lebenlang von Sozialhilfe bzw. Hartz 4 durchfúttern lässt.
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5 %) fällig wie bei den neuen Studienkrediten, wodurch in Verbindung mit dem BAföG-Darlehen nach Abschluss seines Studiums (immerhin schon nach 8 Semestern) über 20.000 Euro Schulden (incl. Zinsen) angefallen sein werden. Ich halte diese Zinsen für unmoralisch hoch! Schließlich bietet die Kfw in ihren diversen CO2-, Gebäudesanierungs- und Solarenergieprogrammen Zinssätze von 1 - 2,5 % an! Hierdurch zeigt doch der Staat, dass er materielle Investitionen höher bewertet als eine Investition in Bildung (die m.E. in gleichem bzw. höherem Maße nachhaltig ist)! Mit Anspruchsdenken hat das nichts zu tun. Was bedeutet es denn, wenn bei drei studierenden Kindern in der Familie neben den obligatorischen ca. 240 Euro Immatrikulationsgebühren pro Semester (= 1.440 Euro/Jahr) und der monatlichen Grundversorgung jetzt noch die Studiengebühren von mind. 500 Euro dazu kommen (= 3.000 Euro/Jahr)? Da bleibt nichts anderes übrig als Kredite und Schulden. Fakt ist dabei, dass doch die für Kinder viel zu geringen Bedarfssätze langfristig zur Schuldenfalle nicht nur für die Kinder sondern für die ganze Familie wird. Welchen Anreiz stellen andererseits die für max. 14 Monate gezahlten 300 bis max. 1800 Euro Elterngeld dar? Ein Tropfen auf den heißen Stein. Kinder sind eben auch mit 25 und mehr Jahren noch Kinder - obwohl seit 2007 für den Staat ein Kind über 25 kein Kind mehr ist (bisher bis 27) mit der Folge: kein Kindergeld, höherer Steuersatz usw. Fazit: die Familienpolitik sieht ihren Schwerpunkt bei Kindern im Säuglings- Kindergarten- (freie Kindergartenplätze für alle!) und Grundschulalter, ist mit der Bildungspolitik wenig kompatibel, führt im Endeffekt wieder zum elitären System alter Prägung und manifestiert damit zunehmend die Gegensätze der Zweiklassengesellschaft. Daher: wenn schon freie Kindergartenplätze, dann auch konsequenterweise freie Studienplätze!
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