Arbeitsminister Scholz will arbeitslosen Schulabbrechern einen Rechtsanspruch auf einen Hauptschulabschluss gewähren. Doch es wird nicht einfach sein, sie für Diktate zu gewinnen.
Wer kein Schulzeugnis vorlegen kann, hat auf dem Arbeitsmarkt denkbar schlechte Aussichten. Schulabbrecher sind besonders oft und lange arbeitslos, Arbeitsvermitter begegnen ihnen meist hilflos. Man darf eine halbe Million Menschen aber nicht einfach aufgeben. Ihnen zu helfen, Abschlüsse nachzuholen, ist ein guter Plan. Ihn vernünftig umzusetzen, wird Arbeitsminister Olaf Scholz allerdings noch viel Mühe bereiten.
Arbeitsamt: Schulabbrecher sind besonders oft und lange arbeitslos, Arbeitsvermitter begegnen ihnen meist hilflos. (© Foto: ap)
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Es wird nicht einfach sein, ältere Arbeitslose für Formeln und Diktate zu gewinnen und ihnen die notwendige Disziplin abzuverlangen. Viele müssen zunächst das Lernen lernen. Es ist ja nicht so, dass nun jedem ein Hauptschulabschluss hinterhergeworfen werden soll. Ohne entsprechende Leistungen kann es kein Zertifikat geben, in diesem Punkt ist Scholz' Vorstoß oft (bewusst) missverstanden worden.
Scholzsche Bildungsoffensive
Einen 40-Jährigen zu unterrichten, der unangenehme Erinnerungen an die Schulzeit hat, ist freilich eine Herausforderung, die ein Fachlehrer allein nicht meistern wird. Langzeitarbeitslose haben nicht nur Probleme, weil sie schlecht qualifiziert sind. Es kommen oft andere Sorgen hinzu, familiäre, gesundheitliche und finanzielle. Die Scholzsche Bildungsoffensive wird nur gelingen, wenn die Betreuung der Arbeitslosen insgesamt besser wird.
Für Schulen und ihre Abschlüsse sind eigentlich die Bundesländer zuständig. Alle Anstrengungen müssten dahin gehen, dass es in Zukunft weniger Abbrecher gibt. Man kann sich auch fragen, warum ausgerechnet Geld aus der Arbeitslosenversicherung fließen muss, um nachträglich Schulabschlüsse zu vergeben. Im deutschen Bildungsföderalismus geht es drunter und drüber. Darunter aber sollten die Arbeitslosen nicht leiden.
- Bildungspolitik Der Frust der Hauptschullehrer 24.10.2008
- Arbeitslose Jugendliche Zweite Chance für Schulabbrecher 04.09.2008
- Schule in Bayern Die Opfer der G8-Reform 21.03.2007
- Hauptschüler Verlierer von Geburt an 16.05.2008
(SZ vom 24.11.2008/bön)
Voreiliges Buch "Der Pott ist dahoam"
Bei der Erwachsenenbildung und -fortbildung ist es durchaus sinnvoll (auch) die Arbeitslosenversicherung in die Pflicht zu nehmen. Allein, weil sich nicht viel bewegen wird, wenn dieser Bereich in der Obhut von KMK und Ländern unterliegt. Die zögerlichen Entwicklungen im Schulsystem sind ein guter Hinweis auf die Leistungsfähigkeit der bisher Federführenden.
Dass die Betreuung von Arbeitslosen in einem schlechten Zustand ist und auch im Zuge der Agenda 2010 nicht verbessert wurde, ist eine vertane Chance. Immer noch wird eher nach dem Prinzip "Aus den Augen, aus dem Sinn" verwaltet, anstatt sich zu kümmern -- der Bürger als zu erledigender Fall und nicht als Individuum mit allen seinen Vor- und Nachteilen. Hier könnte Herr Scholz sich wirklich sinnvoll und erfolgreich einbringen, indem er vom realen "Fordern und Abarbeiten" in Richtung des ehemals angekündigten "Fordern und Fördern" umschwenkt. Ich wünsche ihm viel Erfolg dabei. Und das nicht um seines Erfolges willen, sondern, weil es schlichtweg dumm ist, die brachliegenden Fähigkeiten der arbeitslosen Menschen nicht zu nutzen.
Alles Gute
Kai Hamann
...lernt der Hans nimmermehr!
Die Folgen einer seit langem verschluderten Bildungspolitik können auch durch solchen Aktionismus nicht begradigt werden. Je älter ein Mensch, desto schwerer fällt ihm das Merken des Gelernten...