Gespielte Hinrichtungen, verfälschte Sex-Videos: Drastische Fälle von Lehrer-Mobbing im Internet alarmieren Politiker und Pädagogen.
Es ging um Rache. Der Lateinlehrer war angeblich schuld, dass ein Freund die Schule verlassen musste. Nun sollte er sterben, im Internet. Ein Schüler kopierte den Kopf des verhassten Pädagogen in einen kurzen Comic-Film. Das Opfer geht einen Weg entlang, plötzlich fällt ein Schuss, Blut spritzt, der Kopf kullert davon. Das Video wird auf die Internetseite youtube.com geladen, und jeder, der nach dem Namen des Lehrers sucht, findet es sofort. Erst nach Tagen meldet ein Vater den Vorfall dem Rektor - da ist der Film längst Schulgespräch.
Harmlos oder strafrechtlich relevant? Auf diesem Video spielt ein Schüler einen "cholerischen Lehrer". (© Foto: Youtube.com (screenshot))
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Etwa zur gleichen Zeit sammelt die Klasse einer Mädchen-Realschule in Bayern Geld, um einen älteren Lehrer im Internet in einer Singlebörse feilbieten zu können. Ein Foto des unverheirateten Pädagogen laden die Schülerinnen ins Netz, ausführlich beschreiben sie seine angeblichen Vorlieben: blonde Mädchen mit langen Zöpfen.
Dritter Fall, eine Gesamtschule im Westen der Republik: Auf dem Schulhof tauchen Pornobilder auf, Sexszenen im Klassenzimmer. Die Bilder wandern von Handy zu Handy, sie stammen aus dem Internet. Doch wo sich ursprünglich professionelle Darsteller räkelten, kopierten Jugendliche die Köpfe von Lehrern und Mitschülern ins Bild.
Hosen runter!
Von einem "Wildwest-Zustand" im Netz spricht Heinz-Peter Meidinger, der Vorsitzende des Deutschen Philologenverbands. Mobbing im Internet nehme beängstigend zu, Lehrer würden mittlerweile wie "digitalisiertes Freiwild" gejagt. "Seit zwei Jahren nehmen wir das Phänomen immer stärker wahr", sagt Meidinger. Eine wachsende Zahl von Lehrern wende sich mit Hilferufen und der Bitte um Rechtsschutz an den Verband. Mehrere Dutzend Fälle seien bundesweit bereits bekannt geworden.
In Großbritannien wird über das Problem des "Cyber-bullying" schon länger diskutiert. Eine Untersuchung des Lehrerverbandes ATL ergab, dass 17 Prozent der befragten Pädagogen schon einmal per Handy oder Internet belästigt wurden. Das Erziehungsministerium unterhält eine Internetseite zum Thema, Minister Alan Johnson beklagt, dass immer mehr Lehrer so stark unter Mobbing-Attacken litten, dass sie krank würden.
Auch die deutschen Lehrer verlangen nun Hilfe von der Politik. Die Kultusminister, die sich Ende voriger Woche in Berlin trafen, versprachen, Pädagogen nicht allein zu lassen. Da jeder Fall anders sei, gehe es aber vor allem um eine individuelle Unterstützung und um juristischen Beistand.
Vor allem älteren Lehrern sind die Techniken oft fremd, mit denen sie neuerdings bloßgestellt werden. Fast jeder Schüler trägt heute ein Handy mit Kamerafunktion bei sich. Im Internet sind zahlreiche Seiten gewachsen, auf denen jeder Videos oder Bilder kostenlos zur Schau stellen kann - weltweit abrufbar. Wer auf youtube.com oder ähnlichen Seiten die Stichworte "Lehrer" oder "Unterricht" eingibt, wird schnell fündig: Hunderte verwackelte Kurzfilme aus Klassenzimmern sind dort zu sehen. Manche offenbaren eine Strategie: Der Lehrer wird vor laufender Kamera so lange provoziert, bis er ausrastet. Titel wie "Lehrer ärgern" oder "Lehrer wird gehauen mit Besen" garantieren viele Zuschauer. Besonders beliebt: Ein Video, in dem ein schottischer Schüler seinem Lehrer vor der Tafel die Hose herunterzieht.
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Abholzungen im Amazonas-Gebiet
Behalten Sie ihren Hammer! ;-))
Ich hatte mich schon gefragt, was unsere Jugend anstellen wird, um sich von uns liberalen, aufgeklärten, verständnisvollen, jugendlichen, modernen ... Eltern abzusetzen.
Da haben wirs: das Pornografische kann's halt immer noch am besten. Und Pornos gehören heute zur Jugend wie früher Rockmusik oder Bademode. Die Kids gehen damit ganz selbstverständlich um, während abgebildeter Sex bei uns liberalen, aufgeklärten, verständnisvollen, jugendlichen, modernen ... Erwachsenen immer noch die alten Kopfsperren auslöst.
Da scheint es mir nur normal, dass damit in unsere Richtung geschossen wird. Denn dann sind wir plötzlich nicht mehr liberal, aufgeklärt, verständnisvoll, jugendlich, modern.
Trotzdem tun mir die Gemobbten Leid. Sie müssen stellvertretend aushalten, was früher großflächig verteilt wurde. Kopf hoch! Wir stehen an eurer Seite. Das geht auch wieder vorüber. Das hat uns die Zeit gelehrt.
Die im Artikel erwähnten Attacken basieren ausnahmslos auf der Verwendung des Mediums "Handy", besser gesagt dem Handy mit eingebauter Kamera.
Somit ist das Problem sofort lösbar:
Generelles Handy-Verbot an deutschen Schulen. Dann können sich die Schüler auch wieder besser darauf konzentrieren, warum sie *eigentlich* in die Schule gehen, nämlich sich vorzubereiten auf ihr späteres Leben, ihren Beruf.
Warum sollte eigentlich ein, sagen wir, 16jähriger Schüler Narrenfreiheit haben?
Ich stelle mir vor, wie ein gleichaltriger Azubi, sagen wir, seinen Chef beim Nasepopeln filmt und das ins Netz stellt.
Was würde passieren? "Dummer Streich" oder nicht doch Abmahnung/ Kündigung?
oder:
Es gab mal nen Fall, wo eine Schülerin ihren Lehrer vor Zeugen Drec**au, Ar***lo** und sonstwas genannt hat. Ergebnis: sie war lachend mit Bild in der BLöD-Zeitung als "Deutschlands frechste Schülerin".
Was muss sich ein Lehrer gefallen lassen, was nicht?
Nur mal so als Frage...
Die Leserdiskussion ist typisch für den populären Diskurs um Lehrer, Schüler und Schule: vor lauter Schuldverteilung (das schlechte "System" ist schuld) oder -zurückweisung (das Handy kann doch nichts dafür) bleibt alles, wie's ist - oder wird schlimmer.
Es geht darum, Lehrer zu schützen. Und die Verbannung des Handys aus der Schule wäre so eine Schutzmaßnahme - mit positiven weiteren Effekten für Unterricht und Schüler.
Doch ein wesentlicher Aspekt, der Lehrermobbing ermuntert, ist das Verhalten der Eltern. Wenn diese - in Anwesenheit ihrer Kinder - über Lehrer herziehen, ihnen die Schuld für schlechte Leistungen ihrer Kinder zuschieben und gegen pädagogische Maßnahmen den Rechtsanwalt ins Feld führen, wundert es nicht, dass die Kinder den Lehrern auf der Nase herumtanzen. Kinder wittern sehr genau, was ihre Eltern signalisieren und warten darauf, das zu benutzen, wenn sie es brauchen: habe ich Frust oder was versäumt: der Lehrer taugt nichts und ist der Depp. Und ich hab meine Ruhe oder bin der arme Kleine.
Viele Eltern sind gedankenlos bis verantwortungslos bei ihren Äußerungen über Schule und Lehrer. Das geht schon los, wenn ein Kind neu auf eine Schule kommt. Da werden dann erwartungsvoll die angekündigten Lehrer kommentiert - aufgrund von Urteilen anderer Schüler und Eltern und dann ist die Bahn schon vorgegeben. Dass dabei Schülern Chancen verbaut werden, weil schon von vorneherein klar ist, das bei dem und dem Lehrer vor allem Mist rauskommt, das kann man sich mal klar machen! Und anderen. Das System, das beginnt im Kopf! (Watzlawick lesen lohnt auch hier, z.B. "Die erfundene Wirklichkeit" - mal was anderes als YouTube, aber Vorsicht, da muss man denken!)
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