Was Unternehmensberater an einer Schule suchen.

Am 16. Dezember bekommt die Städtische Carl-Spitzweg-Realschule ungewohnten Besuch. Ein Team der Unternehmensberatung Kienbaum nimmt am Projekttag für die neunten Klassen teil, um die Schüler bei ihrer Berufsfindung zu beraten. Die SZ fragte den Berater Oliver Barth von Kienbaum München, wie er sich darauf vorbereitet.

Bringt Schüler nach vorn: Unternehmensberater Oliver Barth. (© Foto: oh)

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SZ: Was wollen Sie den Schülern beibringen?

Oliver Barth: Wir werden erklären, wie ein Bewerbungsprozess abläuft. Ein Schüler hat gar nicht so viele Variationsmöglichkeiten: Der Lebenslauf kann nunmal nicht so spannend sein wie bei jemandem, der schon 15 Jahre Berufspraxis hat. Aber mit dem Anschreiben kann sich jeder Bewerber sehr gut positionieren. Das muss immer individuell auf das Unternehmen hin geschrieben werden. In diesem Zusammenhang wollen wir auch mit den Deutsch-Lehrern der neunten Klassen zusammenarbeiten.

SZ: Steht noch etwas auf dem Programm?

Oliver Barth: Wer sich für einen Berufsweg entscheidet, muss sich selber kennen. Er muss wissen, was er gut kann und was nicht. Daher werden wir den Schülern die Möglichkeit zur Selbstreflexion geben. Sie sollen auch Feedback von ihren Mitschülern erhalten. Und wir wollen ein Vorstellungsgespräch nachspielen. Das ist eine ganz neue Gesprächssituation für die Schüler, auf die sie sich aber vorbereiten können.

SZ: Wie kommt es dazu, dass Sie Schüler beraten?

Oliver Barth: Mit Hochschulen arbeiten wir öfter zusammen. Dieses Jahr haben wir zum Beispiel einen Bewerbungs-Workshop mit den Kulturwirten in Passau gemacht. Das machen wir unentgeltlich. Es ist für uns ein interessantes Geben und Nehmen, auch weil wir immer Praktikanten suchen. Die Schul-Aktion "Kienbaum coacht Kids" wird bundesweit aus Anlass unseres 60-jährigen Bestehens veranstaltet. Wir hoffen, dass sich Schulen und Unternehmensberatung gegenseitig befruchten. Es wäre sehr schön, wenn es uns gelingt, den Schülern etwas mitzugeben.

SZ: Normalerweise sieht Ihr Alltag wahrscheinlich ganz anders aus...

Oliver Barth: Unsere Arbeit ist nicht auf Schüler ausgerichtet. In München liegt unser Schwerpunkt im Bereich Personal. Unsere Instrumente wie Rollenspiele und psychologische Testverfahren können wir entsprechend anpassen. Aber natürlich haben wir so noch nicht gearbeitet.

SZ: Sind Sie denn aufgeregt vor Ihrem ersten Auftritt vor Schülern?

Oliver Barth: Nein, aufgeregt nicht. Aber es ist natürlich schon etwas Anderes: In meinen alltäglichen Projekten weiß ich, was der Kunde von mir erwartet, und ich habe die Erfahrung, um die Situation gut steuern zu können. Hier habe ich vor allem eine Sorge: Treffen wir wirklich den Nerv? Bereiten wir die Sachen so auf, dass die Schüler hinterher rausgehen und sich sagen: "Das hat mir etwas gebracht." Daher stimmen wir uns eng mit dem Lehrer ab.

SZ: In anderen Städten ist die Aktion schon gelaufen. Was haben die Kollegen denn erzählt?

Oliver Barth: Sie haben mich vorgewarnt, dass wir sicher überraschende Situation erleben werden. Aber da freuen wir uns darauf. Das hat für uns auch Trainingscharakter. Wir müssen uns doch darüber klar sein, auf wen wir da treffen. Ich kann mich noch gut erinnern, als ich in die Neunte gegangen bin. Da habe ich auch nicht den ganzen Tag darüber nachgedacht, wie ich mich auf mein Berufsleben vorbereite.

SZ: Wussten Sie mit 15 schon, dass Sie mal Unternehmensberater werden?

Oliver Barth: Damals wusste ich noch gar nicht, was das ist.

Interview: Nicola Holzapfel

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(SZ vom 12.12.2005)