Schlechtes Benehmen im Büro "Chefs haben Privilegien"

sueddeutsche.de: Wollen Sie die Leser erziehen?

Nina Puri hat ein ganzes Buch über schlechtes Benehmen geschrieben. Im Job bringt einen Korrektheit oft nicht weiter, glaubt sie.

(Foto: privat)

Puri: In erster Linie sollen die Leser lachen - auch über sich selbst. Man benimmt sich ja oft auch aus Unsicherheit daneben und ist sich dessen gar nicht bewusst.

sueddeutsche.de: Zum Beispiel im Aufzug, da weiß man nie, wie man sich verhalten soll.

Puri: Besonders peinlich ist es, wenn man unfreiwillig an intimen Gesprächen der anderen teilhat. Plötzlich steht ein Kollege mit Handy neben einem und flüstert so was wie "Ja, ich küss dich" ... "Ja, da auch". Und man selbst steht da und starrt verzweifelt an die Decke.

sueddeutsche.de: In vielen Büros duzen sich Kollegen inzwischen aus Prinzip. Ist das schlechtes Benehmen?

Puri: Ach, wir duzen unseren Obsthändler und unseren Steuerberater, da ist es doch selbstverständlich, dass wir auch unsere Kollegen und unseren Chef duzen. Das gibt dem Ganzen so etwas Kumpelhaftes: "Du Ulf, ich hab da deine Kompetenzen etwas überschätzt" oder "Sorry, dass du das Wochenende durcharbeiten musstest, Susi" - klingt doch gleich viel netter.

sueddeutsche.de: Auch immer gut für Fettnäpfchen: die Garderobe.

Puri: Richtig. Unter angemessener Berufskleidung verstehen manche Frauen zum Beispiel transparente Spaghettiträger-Tops. Die bekommen dann durchaus auch positives Feedback - und zwar in Richtung: "Scharfes Teil, Frau Müller". Männer wiederum kombinieren gerne Business Chic mit einer Prise Neandertaler. Da thront dann ein stoppeliger Dreitagebart über dem ungebügelten Hemdkragen wie ein aufgegangenes Mohnbrötchen. Und unter der Dreiviertel-Hose blitzt ein fellbewachsenes Männerbein hervor. In vielen Büros hat der sogenannte Casual Friday sich inzwischen auf die ganze Woche ausgedehnt. Das hat auch Vorteile: Wer schon am Donnerstag so aussieht, als wäre er eigentlich schon im Wochenende, dem gibt keiner mehr Zusatzarbeit für die freien Tage.

sueddeutsche.de: Benehmen Chefs sich besser als ihre Untergebenen?

Puri: In der Chefetage wird inzwischen genauso geduzt und gekumpelt wie überall sonst. Chefs haben noch zusätzliche Privilegien, was ihr Benehmen angeht. Sie können Witze ohne jede Pointe erzählen und trotzdem mit dem Gelächter der ganzen Belegschaft belohnt werden. Oder sie können ihre Mitarbeiter ermutigen, auch mal Fehler zu machen - und sie dann beim erstbesten Fehler zu feuern.

Welche Benimm-Patzer leisten sich Ihre Kollegen im Büro? Berichten Sie uns von Ihren Erlebnissen.