Eine Glosse von Bernd Graff

Das Licht kommt aus dem Osten: Warum die Zukunft der Republik in den neuen Ländern liegt - während der Süden vernebelt.

"Blühende Landschaften" hatte Helmut Kohl einst den neuen Ländern versprochen und siehe: sie blühen. Nun gut, ein wenig später als angekündigt, und auch nicht direkt in voller Blüte sichtbar.

blühende Landschaften, dpa

Blühende Landschaften im Osten: Das Dresdner Schloss im Sonnenlicht - wie gut es Sachsen geht, beweisen auch Überlegungen der Landes-SPD. (© Foto: dpa)

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Aber - nehmen wir jetzt mal Sachsen - es blühen die Köpfe. Es schäumt die Intelligenz, es regt sich der gesunde Menschenverstand. Denn dort plant man etwa für die Bildung erfolgreich. Und erntet jetzt die Früchte.

So weiß man, dass sich die Zahl der Schüler im Freistaat Sachsen seit der Wiedervereinigung halbiert hat. Weil so viele in den mutmaßlich goldenen Westen rübbergemocht haben. Doch golden wurde es im Freistaat. Denn dort sparte man 30 Prozent der Lehrer ein. Das heißt: Die Bevölkerung schrumpft, auch werden im Osten weniger Kinder geboren.

"Geld schafft kluge Kinder"

Doch der Etat für Lehrpersonal, sprich: für Bildung schrumpft, nicht so wie die Zahl der Knirpse. Und das heißt: kleinere Klassen, intensivere Betreuung und im Ergebnis bessere Ergebnisse in Pisa-Studien. Sagt man in der Bundesliga "Geld schießt Tore", dann beweist Sachsens Bildung "Geld schafft kluge Kinder".

Spaß im Virtuellen

So sinkt die Zahl der Schüler ohne Abschluss in Sachsen stärker als in anderen Bundesländern. Man spricht von "demographischer Rendite" und meint damit: Geht es den Bürgern eines Landes gut, geht es dem Land gut.

Wie gut es dem Land bereits geht, belegen die Überlegungen der sächsischen SPD, dem Plan eine Absage zu erteilen, das Bundeskriminalamt mit erweiterten Befugnissen zu versehen. Sachsen will dem entsprechenden Gesetz im Bundesrat am 28. November nicht zustimmen, weil man Online-Durchsuchungen von Computern ohne richterliche Genehmigung vielleicht für einen Spaß im Virtuellen halten mag, nicht aber für einen Segen in einer Demokratie.

Diese und ähnliche Geistesblitze aus dem Osten leuchten inzwischen so hell, dass sie sogar schon Bundesländer des Westens bestrahlen. Ein erster Fall von ansteckender Schwarmintelligenz: Auch schleswig-holsteinische Genossen zeigen sich plötzlich inspiriert und wollen gegen das Gesetz votieren, beziehungsweise dafür sorgen, dass ihre Landesregierungen sich bei der Abstimmung enthalten.

Spice-Boy in der Schulbank

Vom Osten lernen, heißt also klug zu werden. Schade, dass die sächsische Intelligenz noch nicht in unser schönes Dorf im Freistaat Bayern geschwappt ist. Hier hat die Münchner Abendzeitung heute tatsächlich einen Aufmacher aus dem Drogenrausch fabriziert, dem sich ein Mitarbeiter wohl freiwillig unterzogen hatte.

Sein Bericht nach dem Genuss einer Gewürzmischung namens "Spice", die hier offenbar zweckentfremdet geraucht wurde: "Meine Perspektive ist total verzerrt, ich bin völlig unkonzentriert, kann mich nicht erinnern, was gerade vor zehn Minuten noch jemand gesagt hat. Es ist ganz schön hart, eine beunruhigende Erfahrung", gibt der Spice-Boy zu Protokoll und wir fragen uns - war er wirklich auf Droge oder hatte er nur einen ganz normalen Vormittag an einer bayerischen Schule?

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(sueddeutsche.de/bön)