Richtiger Umgang mit kranken Mitarbeitern Wie reagiert man als Chef auf Krankmeldungen?

Mann mit Schnupfen

Gute Besserung: Chefs sollten kranken Mitarbeitern das Gefühl geben, sich vollständig auskurieren zu können.

(Foto: iStock)

Wenn der Mitarbeiter mitleiderregend ins Telefon schnieft, stellen sich dem Chef Fragen: Soll er sich intensiv nach dem Befinden erkundigen? Oder lieber nur "Gute Besserung" wünschen? Und was ist, wenn sich die Ausfälle eines Arbeitnehmers häufen?

SZ-Leser Thomas R. fragt:

Jedes Jahr wieder, wenn die Erkältungswelle über unseren Betrieb hereinbricht, frage ich mich, wie ich am besten auf Krankmeldungen von Mitarbeitern reagiere. Erkundige ich mich allzu intensiv nach der Befindlichkeit, wird mir das leicht als Misstrauen ausgelegt. Manchmal hatte ich schon den Eindruck, dass die Mitarbeiter sich bemühten, ihren Schnupfen möglichst drastisch zu schildern und am Telefon mitleiderregend zu krächzen. Wenn ich hingegen einfach nur "gute Besserung" wünsche, wirkt das vielleicht etwas desinteressiert. Wie reagiert man als Vorgesetzter am besten auf Krankmeldungen von Angestellten?

Georg Kaiser antwortet:

Lieber Herr R., bleiben Sie im Umgang mit Krankmeldungen dem Führungsstil treu, mit dem Sie auch sonst Ihren Mitarbeitern begegnen. Wenn Sie sich öfter nach dem Wohlergehen der Angestellten erkundigen, empfiehlt es sich, das auch zu tun, wenn jemand aus Ihrem Team krank wird. Wenn Sie hauptsächlich fachlich kommunizieren, kann ein - sonst wenig spürbares - starkes persönliches Interesse bei Krankmeldungen von skeptischen Mitarbeitern als Kontrolle oder Erwartungshaltung ausgelegt werden, möglichst schnell wieder gesund zu werden.

Mitarbeiter machen sich ein Bild von der Persönlichkeit ihres Vorgesetzten. Wenn dessen Verhalten bei Krankmeldungen spürbar anders ist als sonst, erleben viele Angestellte das als wenig authentisch. Das kann Spekulationen meist negativen Inhalts nach sich ziehen.

Solange Krankmeldungen dem normalen Maß entsprechen, sollten Sie wenig Aufhebens darum machen. Sie geben Ihren Leuten dadurch das Gefühl, dass sie ihre Krankheit auskurieren können. Das kommt allen zugute. Niemand will von seinen zu früh zurückgekehrten, "Bazillen schleudernden" Kollegen angesteckt werden. Und verschleppte, nicht auskurierte Krankheiten dämpfen die Arbeitsfreude und das Leistungsvermögen erheblich.

Sollten Sie aufgrund der gehäuften Krankheitstage misstrauisch werden, dürfen Sie natürlich schon auch mal nachhaken - und gegebenenfalls einmal selbst zum Hörer greifen und anrufen. Doch auch hier gilt es, stets dezent zu bleiben und keinesfalls vorschnelle Schlüsse zu ziehen.

Wenn jemand unsicher ist, ob er wegen einer Grippe oder schweren Erkältung zu Hause bleiben darf, und deshalb mehr krächzt, als Not tut, sollten wenigstens Sie souverän reagieren, "gute Besserung" wünschen und ihm zu verstehen geben, dass Sie ihn gerne auf der Arbeit begrüßen werden, aber erst dann, wenn er wieder gesund ist.

Anders sieht die Lage aus, wenn ein Mitarbeiter sehr oft krankheitsbedingt dem Betrieb fernbleiben muss. Nehmen Sie sich in diesem Fall Zeit für ein ausführliches, selbstverständlich vertrauliches Gespräch, in dessen Verlauf Sie gemeinsam mit dem Betroffenen die Ursachen der häufigen krankheitsbedingten Ausfälle analysieren und zu einer realistischen Einschätzung seines Leistungsvermögens und seiner Belastbarkeit gelangen.

Führen Sie ein solches Gespräch mit sehr viel Fingerspitzengefühl. Betonen Sie ausdrücklich, dass Sie Ihren Mitarbeiter unterstützen wollen; dass es Ihnen nicht darum geht, ihn zu kontrollieren, sondern darum, wie es gelingen kann, trotz Krankheit die - etwa in Zielvereinbarungsgesprächen abgesprochene - Leistung zu erbringen oder auf mehrere Schultern zu verteilen. Klären Sie mit dem Angestellten, in welchen Bereichen Sie ihn entlasten oder sogar fördern können.

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