Schluss mit falschen Vorstellungen: Ein Psychologe klärt Bewerber-Mythen auf. Worauf es im Vorstellungsgespräch wirklich ankommt.

Der Psychologe Matthias Rosenberger arbeitet am Lehrstuhl für Organisation und Arbeitswissenschaft der Technischen Universität Chemnitz. Er forscht über die sozialen Beziehungen in Unternehmen und berät bei der Auswahl und bei dem Einsatz von Mitarbeitern. Im Interview erklärt er, worauf Bewerber im Vorstellungsgespräch achten können.

Richtig bewerben: "Sei wie du bist. So bist du gut!"

Wer eine Rolle spielt, bekommt höchstens den falschen Job, meint der Psychologe Matthias Rosenberger. (© Foto: istockphoto)

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sueddeutsche.de: Welche Rolle spielt die Psychologie bei der Bewerber-Auswahl?

Matthias Rosenberger: Im Vorstellungsgespräch spielt die Psychologie eine bedeutende Rolle. Ob ein Bewerber für eine Position die nötigen Qualifikationen mitbringt, entscheidet sich schon anhand der Unterlagen. Im Gespräch geht es dann tatsächlich nur darum zu ermitteln, ob man zusammenpasst.

Und da ist das Unbewusste entscheidend: Im Gespräch prasseln so viele Informationen auf uns ein. Das können wir alles gar nicht bewusst verarbeiten.

Wenn man Personal-Entscheider nach einem Vorstellungsgespräch fragt, wie es gelaufen ist, ist die erste Antwort: "Es war ein angenehmes oder eben: ein unangenehmes Gespräch." Warum, können sie gar nicht genau sagen.

sueddeutsche.de: Aber sie können sicher erklären, warum...

Rosenberger: Die Chemie muss stimmen. Zum Beispiel mögen wir Menschen lieber, die uns ähnlich sind und die sich ähnlich verhalten. In einer harmonischen Gesprächssituation haben die Partner sogar eine ähnliche Körperhaltung. Wenn einer mit verschränkten Armen dasitzt, und der andere vorne auf der Stuhlkante sitzt, läuft etwas schief.

Wenn keine Sympathie da ist, kann ein Bewerber noch so qualifiziert sein - er wird die Stelle kaum bekommen.

sueddeutsche.de: Wenn der Sympathie-Faktor so wichtig ist, sind ja all die guten Ratschläge, wie man sich auf ein Gespräch vorbereiten soll, unnötig!

Rosenberger: Das ist alles hinfällig! Angesichts mancher Bewerbungstrainings stehen mir die Haare zu Berge: Da wird den Teilnehmern eingebläut, eine Rolle zu spielen.

Das Gegenteil ist richtig. Der Rat muss lauten: "Sei wie du bist. So bist du gut!"

Wer sich verstellt, wirkt schnell verkrampft und das kommt unsympathisch rüber

Außerdem: Wenn ich als Bewerber eine Rolle spiele, muss ich das ja auch später im Job durchziehen. Nur wenn ich so genommen werde, wie ich bin, kann ich davon ausgehen, dass ich auch im Arbeitsleben nachhaltig zufrieden sein werde.

sueddeutsche.de: Haben Sie sonst noch einen Tipp für Bewerber?

Rosenberger: Sympathien lassen sich bewusst herstellen. Wenn man ein Familienfoto auf dem Schreibtisch sieht, kann man ruhig sagen: "Ach, was für ein schönes Foto. Ich habe auch ein Kind...". Das stellt auf emotionaler Ebene Verbindungen her.

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