Warum man nie nach dem Weg zur Toilette fragen sollte und wie man seine Hände in die neutrale Parkposition bringt: Erfahrungen aus einem Benimmseminar.
Der Körpersprache nach zu urteilen hat es im Leben von Jörg entspanntere Momente gegeben als diesen. ",Wie schön, Sie heute hier bei uns zu sehen", quetscht er heraus, sortiert die Arme neu und schiebt ein gequältes Lächeln hinterher. "Sehr gut", lobt die Seminarleiterin, "und denken Sie bitte daran: Der Kunde hat bei Ihnen einen Föhn gekauft, der nicht funktioniert, jetzt ist er ärgerlich und braucht seine WDAs." Jörg, von Beruf Facility Manager, grübelt und kommt zu einem Ergebnis: "Das tut mir leid für Sie, sowas Dummes ist mir auch schon mal passiert." "Wunderbar, weiter", sagt die Seminarleiterin, "ein WDA fehlt noch!" Jörg grübelt.
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Wie jeder hier im Raum mittlerweile weiß, sind WDAs "Worte der Anerkennung". Der tägliche Bedarf des Menschen liegt bei sieben bis neun Stück, und ein verärgerter Kunde braucht drei auf einmal. Jörg grübelt jetzt so intensiv, dass man die Leere in seinem Kopf hören kann. Möglicherweise hat sein Scheitern in diesem kritischen Moment damit zu tun, dass Jörg in der Reklamationsabteilung eines Warenhauses in seinem ganzen Leben noch kein WDA bekommen hat, dass Jörg vielleicht sogar daran gewöhnt ist, Reklamationsabteilungen für Orte der Finsternis zu halten, an denen ein WDA nichts zu suchen hat. Am Ende springt die Seminarleiterin ein. Das dritte Wort der Anerkennung lautet: "Wie schön, dass Sie gekommen sind und uns Gelegenheit geben, den Fehler wiedergutzumachen."
Ein Heidelberger Vier-Sterne-Hotel, darin der Raum "Amsterdam", und frei nach Dante: Ihr, die ihr hier eintretet, lasset alle Hoffnung auf relaxtes Miteinander fahren! Die Trainerin leitet ein Seminar der Haufe-Akademie, das "Business-Knigge" heißt, und sie trägt einen Namen, der sie dafür gleich dreifach qualifiziert: Donata Gräfin Fugger, 42 Jahre alt.
Vor ihr im Halbkreis sitzen sieben Männer und vier Frauen mittleren Alters, meist leitende Angestellte in mittelständischen Betrieben, die den Kanon von Stil und Etikette in der Geschäftswelt kennenlernen sollen. Alle haben das vage Gefühl, von Stil und Etikette eher wenig zu verstehen. Um es mit dem Ohrringträger Carsten zu sagen, Juniorchef einer badischen Werkzeugfirma: "Wie vermeid ich's, ins Fettnäpfle zu dappe, und was mach ich, wenn ich dann doch neidapp?"
In den folgenden zwei Tagen wird Carsten kapieren, dass in seiner Nähe mehr Fettnäpfchen rumlungern, als er für möglich gehalten hätte, und dass die Ohrringe noch der kleinste Lapsus sind. "Sie werden nach dem Seminar nicht mehr derselbe Mensch sein wie vorher", hat die Gräfin gesagt. Sie behält recht.
Donata Gräfin Fugger (korrekte Anrede: "Gräfin Fugger", niemals: "Frau Gräfin") ist eine eher ungräfinnenhafte Person, falls man tatsächlich mit steifem Gehabe und nasaler Weltanschauung gerechnet haben sollte. Sie trägt ein durchaus entschieden konservatives Kostüm, das sie durch eine feine Unentschiedenheit im Auftreten aber locker wieder wettmacht. Ihr natürlicher Blickwinkel ist die Augenhöhe, ihre Konversation von stets gleichbleibender Freundlichkeit, der Humor kommt ein bisschen durch die Blume, ist jedoch spürbar vorhanden, der Tonfall herzlich bis liebevoll. Mehr noch: Es umgibt die Gräfin eine Aura tief empfundenen Verständnisses für die Fettnapf-Dapper dieser Welt. "Sie überlegen sich hinterher natürlich selbst, was hiervon Sie übernehmen wollen und was nicht - absolut Ihre Entscheidung", sagt sie und lächelt.
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Moderne Verwaltung
"Im Deutschen lügt man, wenn man höflich ist"
Max Frisch
Wie schön wenn mal Eltern mit der Geduld hatte, das ewige Abspielen der gleichen Platten auszuhalten: "Sitz gerade, die Gabel zum Mund und nicht umgekehrt und und und". Trotzdem kann man mit guter oder schlechter Kinderstube nicht alles entschuldigen. Wer mit über 30 noch mit offenem Mund kaut oder mit vollem Mund spricht muss halt einen Kurs besuchen oder ein "Bauer" bleiben.
Das ganze Benimm nützt nix, wenn man die innere Einstellung für Höflichkeit, Hilfsbereitschaft ,Zuvorkommen und Rücksichtnahme nicht hat. Dann wirkt alles nur gekünstelt und heuchlerisch. Damit hat man bestenfalls unter seines Gleichen Erfolg, weckt aber keine Sympathie, weder geschäftlich noch ausserhalb davon. Das im Text Beschriebene erweckt aber mehr den Anschein, dass es darum geht, eine Fassade zu schaffen anstatt eine echte Lebenseinstellung.
Und daher nix mit perfekter Businessmensch:
- Kunde bei der Reklamation:
Und wenn man ihm noch so höflich behandelt und ihm dabei aber durch sein Handeln zeigt, dass man kein Interesse hat, ihm weiterzuhelfen, sei es aufgrund der Firmenpolitik oder des persönlichen Characters, der Kunde wird nicht zufrieden sein und wahrscheinlich auch nicht mehr wiederkommen.
- Meetings/Geschäftsessen/Messen/Cocktails:
Mit Benimm allein gewinnt man noch gar nichts. Es ist bestenfalls Grundvoraussetzung, sich anständig zu benehmen. Eine reine Benimm-Fassade ist aber recht farblos. Geschäftliche Kontakte gehen oft über persönliche Beziehungen und wer total glattgebügelt und ohne Character und Meinung daherkommt, hinterlässt keinen besonderen Eindruck und gibt keinen Grund, sich ihm/ihr auf persönlciher Ebene zu öffnen/Sympathie entstehen zu lassen.
Saludos.
Gutes Benehmen gehört um Leben. Man muß es nicht übertreiben und muß sich nicht an Banalitäten stören,z. B. die Frage nach der Toilette, das ist erlaubt.
Doch ein Minimum an Anstand und Benehmen ist unverzichtbar. Es ist grausig zu sehen, wie sich manche Leute benehmen. Das gehört einfach zum angenehmen Umgang mit Menschen dazu. Das gehört auch dazu, bei den verschiedenen Anlässen, Gesellschaftlichen Ereignissen und sonstigen Umgang mit Menschen . Es erleichtert das Leben und macht es angenehmer. Klare Verhaltensweisen, klare Benimm-Regeln gehören zur Allgemeinbildung.
Die Ansicht: " ich bin so wie ich bin, ich tu was ich will ist ok. , wenn er sich dann unter Seinesgleichen bewegt. Wenn ich Leute einlade, erwarte ich, dass sie sich zu benehmen wissen. auf "Rüppel "kann ich gerne verzichten. Die sind nur peinlich.
Verstehe die Idee einen Kommetar nur einmal zu bewerten durchaus, trotzdem versthe ich auch die Bedenken von petz64, auch wenn es ein wenig paranoid wirkt - ist es bei der momentanen "Sicherheitslage persönlicher Daten" durchaus einen Gedanken wert.
MfG, Medscot
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