Deutsche Angestellte sitzen lieber im Büro- als im Liegestuhl: Längst nicht alle nutzen die ihnen zustehenden freie Tage aus, sondern lassen Urlaub verfallen.
Deutsche Angestellte gehen sparsam mit ihrem Urlaub um und schöpfen die ihnen zustehenden freien Tage nicht voll aus. Das zeigt die aktuelle Studie "Workplace Survey" des internationalen Personaldienstleisters Robert Half, der sich auf die Bereiche Finanz- und Rechnungswesen spezialisiert hat. Für die Untersuchung wurden mehr als 6000 Personal- und Finanzmanager in 17 Ländern zu ihrem Urlaub befragt. Knapp zwei Drittel der Studienteilnehmer gaben an, dass sie Ferientage in das nächste Jahr mitnehmen oder verfallen lassen.
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Sonne tanken im Liegestuhl: Deutsche Angestellte bevorzugen ihren Schreibtisch. (© Foto: ddp)
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Deutsche Arbeitnehmer tauschen seltener als ihre ausländischen Kollegen den Bürostuhl mit dem Liegestuhl. Während im internationalen Durchschnitt gut die Hälfte aller Befragten angab, den Jahresurlaub nur teilweise zu nutzen, nehmen in Deutschland fast zwei Drittel der Personal- und Finanzmanager nicht alle Urlaubstage in Anspruch.
Kein Vertrauen ins Team
Die Gründe für den Verzicht sind dabei weltweit identisch: In den meisten Fällen (51 Prozent in Deutschland) hält zu viel Arbeit das Personal davon ab, seinen Urlaub aufzubrauchen. Aber auch der Gedanke, zu lange am Arbeitsplatz zu fehlen, widerstrebt vielen (28 Prozent). 16 Prozent hatten das Gefühl, ihr Team würde sich zu stark auf ihre Anwesenheit verlassen und gaben dies als Grund an, warum sie dem Schreibtisch nicht allzu oft den Rücken kehrten.
Arbeitnehmer, die ihren kompletten Urlaub im selben Jahr aufbrauchen, tun dies in erster Linie aus Überzeugung. So gab fast die Hälfte der Befragten an, dass es ihnen wichtig sei, die ihnen zustehenden Tage auch wirklich zu nutzen. Unternehmensregeln, die vorschreiben, den Urlaub noch im selben Jahr zu nehmen, finden sich in der Liste der Begründungen erst hinter der Ansicht, dass Urlaub prinzipiell nicht geschoben werden sollte.
Keine ausgewogene Work-Life-Balance
Laut Studie achten allerdings viele Unternehmen auch bewusst darauf, dass die freie Zeit in Anspruch genommen wird. So dürfen 31 Prozent der Personal- und Finanzmanager keinen Urlaubstag und weitere 16 Prozent höchstens fünf Tage in das nächste Jahr übertragen.
"Regelmäßige längere Entspannungspausen sind für Motivation, Leistungsvermögen und Gesundheit unverzichtbar", sagt Sven Hennige, Managing Director Central Europe bei Robert Half. "Arbeitnehmer sollten ihren Urlaubsanspruch also voll ausschöpfen, denn eine ausgewogene Work-Life-Balance ist die beste Voraussetzung für Erfolg." Und das gilt nicht nur für die derzeit ohnehin gebeutelten Finanzmanager.
(SZ vom 27.12.2008/bön)
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