Die Initative "Pro Reli" hat in Berlin 200.000 Unterschriften gesammelt. Nun dürfen die Bürger entscheiden, ob Religion und Ethik künftig gleichberechtigt unterrichtet werden.
Es geht um ein kleines Schulfach in Berlin: Religion. Eine Initiative hat fast 200.000 Unterschriften gesammelt, damit setzt sie nun gegen den rot-roten Senat eine Abstimmung durch, in der die Bürger entscheiden sollen, ob Religion gleichberechtigt mit Ethik unterrichtet werden soll. Der Erfolg kommt überraschend: Noch vor wenigen Wochen sah es so aus, als würde "Pro Reli" scheitern. Dass es nun anders kommt, macht das Schulfach zum bundesweiten Politikum.
Überraschender Erfolg: Mit fast 200.000 gesammelten Stimmen setzte die Initiative Pro Reli das Volksbegehren durch. (© Foto: dpa)
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Es geht um das Staat-Kirche-Verhältnis: Selten in der deutschen Nachkriegsgeschichte standen Staat und Kirche in derartiger Gegnerschaft wie jetzt in Berlin. Der Senat hat mit einiger Anmaßung sein Modell der säkularen Lebens- und Religionskunde vorangetrieben, als müsse der Staat als Sinnstifter auftreten. Die Kirchen haben sich mit einer Kampagne gewehrt, die auch vielen Christen in ihrer Vereinfachung unangenehm wurde. Aber sie war erfolgreich, vorerst jedenfalls.
Die Kirche wird mutiger
Der große Streit ums kleine Fach wird die Kirchen ermutigen, ihre Anliegen offensiver, auch aggressiver zu vertreten; das wird jene reizen, die eine stärkere Trennung von Staat und Kirche wünschen. Es wird schwieriger zwischen Partnern, die gewohnt waren, Streitigkeiten geräuscharm zu klären.
Und dann zeigt der Streit um Reli, wie viel Religion selbst dort noch lebt, wo Christen eine Minderheit sind. In Berlin sind sie das, und doch wünschen überraschend viele Menschen einen konfessionellen Religionsunterricht. Sie können vielleicht nicht mehr sagen, ob es sieben oder zehn Gebote gibt. Aber sie wollen, dass ihre Kinder etwas über den Glauben erfahren. Davon gibt es mehr, als der Berliner Senat denkt. Wenn auch anders, als die Kirchen sich erhoffen.
(SZ vom 17.01.2009/tess)
Umweltstiftung WWF in der Kritik
Wenn der Kirche die Gläubigen davonlaufen, wird sie immer aggressiv. Wenn ich heute in alle Medien schaue und höre, schlägt mir eine unbändige Flut von Schleichwerbung für einen religiösen Verein entgegen.
Von einer Trennung von Staat und Kirche ist heute keine Rede mehr und keiner erkennt die fürchterlichen Auswirkungen in der Vergangenheit auf die Menschen durch eine Theokratie. Zu mindestens die katholische Kirche will das Rad der Geschichte durch Konservativismus zurück drehen. Viele Menschen scheinen sich, aus Unfähigkeit als Einzelwesen einen Platz im Weltbild zu finden und zu behaupten, in unserer gleitenden Zeit an Religionen und andere Ideologien zu klammern, ohne zu begreifen, dass sie die unter großen Opfern und Leiden blutig erkämpfte Freiheit an der vermeintlichen "Pforte zum Himmelreich" abgeben.
Auch so ist das Leben... Wenn unsere mohamedanischen Brüder auf die gleiche Idee kommen wie die Kathiliken und da wird es wohl nicht lange dauern, dann Freunde gnade uns und unseren Kindern allen Gott...
Der letzte Krieg um Religion wurde mit Arkebusen und Lanzen ausgefochten.
Keine Ahnung, mit welchen Waffen der nächste ausgefochten wird.
Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass der übernächste mit Stöcken und Faustkeilen ausgefochten wird.
Passend für eine Ideologie, die so überholt ist wie Steinzeitwaffen.
Und in Bayern zahlt der Staat, sprich der Steuerzahler, der katholischen Kirche jedes jahr 60 Mio. Euro basierend auf einer Vereinbarung aus dem Jahre 1923, also aus einer Zeit, in der noch Vieles anders war.