Bayern ist nicht mehr deutscher Musterschüler - Sachsen hat das Bundesland im Ländervergleich vom Thron gestoßen. Trotzdem kommt aus dem Kultusministerium nur ein "weiter so".

Der bayerische Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) ist trotz des Abrutschens Bayerns auf Platz zwei im Pisa- Ländervergleich vom dreigliedrigen Schulsystem überzeugt. "Das differenzierte Schulwesen Bayerns befähigt die Schüler mit ihren unterschiedlichen Begabungen zu sehr guten Leistungen", sagte er in München zur Vorstellung des Pisa-Ländervergleichs.

Spaenle, dpa

Bayerns Kultusminister Ludwig Spaenle: Bayern rutschte im Pisa-Ländervergleich auf Rang zwei ab. (© Foto: dpa)

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Die Hauptschule solle weiter gestärkt werden. Die Staatsregierung wolle außerdem mehr Lehrer einstellen und Ganztagsangebote schaffen. Erstmals war Bayern im Pisa-Vergleich auf Platz zwei hinter Sachsen abgerutscht, wo es ein zweigliedriges Schulsystem gibt.

Parteien im bayerischen Landtag kritisierten das bayerische Bildungssystem dagegen als ungerecht. Nach Ansicht der SPD wird vielen guten Schülern das Abitur vorenthalten. Die soziale Herkunft entscheide im Freistaat stärker über den Bildungserfolg als in anderen Bundesländern, sagte der bildungspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Hans-Ulrich Pfaffmann.

Wenig Gymnasiasten aus Arbeiterfamilien

Das "hoch selektive bayerische Schulsystem" sortiere die Kinder bereits im 10. Schuljahr aus. Dass Bayern die Spitzenposition im Pisa-Ländervergleich an Sachsen verloren hat, führte er vor allem auf die "chronische Unterfinanzierung" bayerischer Schulen zurück.

Nach Angaben der bildungspolitischen Sprecherin der Grünen- Fraktion, Simone Tolle, kommen 47 Prozent der Jugendlichen, die ein bayerisches Gymnasium besuchen, aus Familien der oberen Einkommensschichten. Nur acht Prozent der fünfzehnjährigen Gymnasiasten entstammten Arbeiterfamilien.

Besonders Kinder mit Migrationshintergrund hätten darum schlechte Chancen auf gute Bildung. "Im Hinblick auf die Kompetenzen erreichen Jugendliche mit Migrationshintergrund in allen Ländern ein deutlich geringeres Niveau als Jugendliche ohne Migrationshintergrund. Besonders groß sind die Disparitäten in Bayern", zitierte Tolle den Pisa-Bericht.

Weitere Reformen

Die FDP sah in dem Ergebnis der Pisa-Studie ebenfalls Anlass zu Schulreformen. Die Ergebnisse seien eine "Aufforderung zu weiteren Reformen für Bayern", sagte die bildungspolitische Sprecherin der FDP-Landtagsfraktion, Renate Will. Es müsse deutlich mehr Geld in die Bildung investiert werden.

Der Präsident des Bayerischen Lehrerinnen- und Lehrerverbandes (BLLV), Klaus Wenzel, führte die guten Pisa-Ergebnisse Sachsens und anderer ostdeutscher Bundesländer auf ein moderneres Schulsystem und mehr individuelle Förderung der Schüler zurück.

Für Selbstzufriedenheit in Bayern gebe es keinen Anlass, sagte Wenzel, der sich für tiefgreifende Reformen mit einer deutlich längeren gemeinsamen Schulzeit aussprach. Das relativ gute Abschneiden Bayerns beim Ländervergleich sei nicht auf eine erfolgreiche Schul- und Bildungspolitik zurückzuführen, sondern auf das hohe Engagement der bayerischen Schüler und Lehrer.

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(dpa/bön/gba)