Ratgeber Arbeitslosigkeit Kündigung - was nun?

Wann beantragt man Arbeitslosengeld?

Eigentlich erst mit dem Tag, an dem tatsächlich die Arbeitslosigkeit eintritt. Aber man kann den Antrag auch schon bis zu drei Monate vorher einreichen - in der Regel erhält der Erwerbslose bei der Arbeitssuchend-Meldung ein Paket mit allen Formularen. Das spart Zeit.

Wie hoch ist das Arbeitslosengeld? Und wie lange wird es gezahlt?

Sind bestimmte Voraussetzungen erfüllt, erhalten unter 55-Jährige das Arbeitslosengeld längstens zwölf Monate; wer 55 Jahre oder älter ist, kriegt es bis zu 18 Monate. Bei den Voraussetzungen kommt es unter anderem darauf an, wie lange zuvor in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt wurde. Die Höhe der Zahlung richtet sich unter anderem danach, ob der Arbeitslose Kinder hat: Ohne Nachwuchs liegt das Arbeitslosengeld I bei 60 Prozent des Nettolohns, mit Kind bei 67 Prozent. Allerdings sind das nur Richtwerte. Die Berechnung erfolgt aufgrund verschiedener Pauschalbeträge. So werden steuerliche Freibeträge wegen einer Behinderung, die das Nettogehalt eines behinderten Erwerbstätigen erhöhen, bei der Berechnung seines Arbeitslosengeldes I nicht berücksichtigt. Wurde eine Abfindung gezahlt, ist entscheidend, ob die Kündigungsfrist eingehalten wurde.

Muss ein Arbeitssuchender eigentlich selbst aktiv werden?

Ja. Er kann sich nicht allein darauf verlassen, dass die Agentur ihm eine neue Stelle besorgt. Im Antragsformular für das Arbeitslosengeld muss er deshalb explizit erklären, dass er bereit ist, "alle Möglichkeiten zu nutzen, um die Beschäftigungslosigkeit zu beenden". Zweifel an dieser Bereitschaft können aufkommen, wenn er etwa Bitten, in der Agentur zu erscheinen, ignoriert (sogenannte Meldeversäumnisse). "Dann kann ihn die Agentur auffordern, Eigenbemühungen nachzuweisen", so de Santana - also zum Beispiel Bewerbungsschreiben vorzulegen oder Absagen von Unternehmen einzureichen. Wer die Agentur nicht von seinen Bemühungen überzeugen kann, erhält eine Sperrzeit oder verliert unter Umständen ganz den Unterstützungsanspruch.

Muss man jede Arbeit annehmen?

Im Grunde ja. Laut Sozialgesetzbuch müssen Erwerbslose auch Jobs annehmen, die unterhalb ihrer Qualifikation sind. Sogar Einkommenseinbußen von 20 oder 30 Prozent müssen akzeptiert werden. Ein früherer Filialleiter einer Bank kann also in de Augen der Arbeitsagentur wieder als einfacher Kundenbetreuer arbeiten. Lehnt er ab, droht eine dreiwöchige Sperrzeit, bei mehrmaliger Ablehnung sogar die Streichung der Unterstützung. Daher sollten Arbeitslose behutsam auf solche Vorschläge reagieren, rät der DGB: "Kalkulieren Sie die Möglichkeit ein, dass es sich um einen Irrtum handelt." Vielleicht lässt sich der Sachbearbeiter auch überzeugen, dass die Stelle zu anderen Bewerbern besser passt. Und: Im Vorstellungsgespräch kann der Filialleiter den Bank-Personaler darauf aufmerksam machen, dass er die Stelle zwar annimmt, weil die Agentur darauf besteht, er aber weiter nach einer Filialleiter-Stelle sucht. Verzichtet die Bank dann auf eine Einstellung, darf die Agentur ihn laut DGB nicht bestrafen.

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