Prüfungsstangst beflügelt die Studenten-Phantasie: Sie lassen die Uni evakuieren, essen Seife oder ziehen vor Gericht. Ein kurzer Überblick über echte Fälle.
Vier Tage vor seinem zweiten Staatsexamen steht Marco gehörig unter Druck. Der Jurastudent weiß, dass er nicht genügend gelernt hat, um zu bestehen. Der einzige Ausweg, glaubt er, ist ein Attest vom Amtsarzt. Deshalb holt er sich in einem Mediziner-Forum im Internet Rat: "Ich bin echt so verzweifelt, dass ich mir schon überlegt habe, irgendetwas an meiner Schreibhand zu manipulieren. Aber wie bricht man sich einen Finger oder fügt sich selbst eine schwere Schnittwunde zu, sodass man die nächsten Tage nicht schreiben kann? Oder wie wäre es mit kochendem Wasser? Kapselverletzung?"
Bombiger Versuch: Eine Heidelberger Studentin inszenierte vor lauter Prüfungsstress eine Bombendrohung. (© Foto: iStock)
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Auch einen alten "Knasttrick" stellt der Jurist zur Diskussion: "Einen Esslöffel echte Kernseife zu essen, erzeugt eine ziemlich hohe Körpertemperatur, schlechtes Aussehen sowieso. Das sieht dann fast aus wie eine Lebensmittelvergiftung. Aber man erholt sich doch recht schnell wieder."
Diagnose: Examenspsychose
Die Angst zu versagen beflügelt die Phantasie. Immer wieder gehen Studenten vor Prüfungen die Nerven durch. Schuldgefühle, zu wenig getan zu haben, plagen sie, oder generelle Prüfungsangst lässt sie zittern. Die Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks ergab, dass jeder siebte Studierende Beratungsbedarf zu Arbeits- und Konzentrationsschwierigkeiten hat. Immer mehr geben an, dass sie sich zu Prüfungsängsten beraten lassen wollen.
Andere versuchen, auf dem Rechtsweg zum Ziel zu kommen. So argumentierte eine Medizinstudentin aus Nordrhein-Westfalen vor Gericht, dass sie an einer "Examenspsychose" leide. Sie war deshalb über vier Jahre hinweg zu mehreren Terminen nicht angetreten. Vor den Prüfungen wurde sie jeweils von Erbrechen und Durchfall geplagt und ließ sich dies ärztlich bestätigen.
Das Oberverwaltungsgericht Münster entschied, dass ihr kein neuer Prüfungsversuch zusteht. Auch mit ärztlichem Attest sei Prüfungsangst keine ausreichende Entschuldigung, einem Examen fernzubleiben. Solange die Angst nicht auf einer psychischen Erkrankung beruhe, gehöre sie zum "allgemeinen Lebensrisiko".
Bombendrohung und Freiheitsstrafe
In ihrer Panik geht einigen Examenskandidaten aber offenbar das Gefühl für Verhältnismäßigkeit verloren: Ausgerechnet am 11. September 2007, dem Jahrestag der Anschläge auf das World Trade Center und das Pentagon, inszenierte eine Studentin der Zahnmedizin aus Heidelberg eine Bombendrohung. Statt zum Examen zu erscheinen, rief die 31-Jährige zweimal in der Universitätsklinik an. Ihr fremdländischer Akzent und die Ankündigung einer Explosion rief die Polizei auf den Plan, das Hochschulgebäude wurde evakuiert.
Ihr Ziel hat die verängstigte Studentin erreicht: Die Klausur wurde verschoben. Allerdings war der Erfolg eher kurzfristig. Denn die Fahnder kamen dem Bluff und seiner Urheberin schnell auf die Spur. Die Studentin wurde vor Gericht zu einer Freiheitsstrafe von 18 Monaten auf Bewährung verurteilt und musste für den Polizeieinsatz 10.000 Euro zahlen.
(SZ Uni & Job/bön)
Abholzungen im Amazonas-Gebiet
ich hab mein Bio-Studium im Juli abgeschlossen und kenne die 4 gewinnt-Haltung für die Klausuren des Grundstudiums. Schlechte Noten sollte man sich danach allerdings wirklich nicht erlauben, liegt die Durchschnittsnote der Biologie-Diplomabsolventen doch bei 1,7 (zumindest an meiner Uni). Alleine an dieser Zahl erkennt man allerdings auch leicht, dass die Anforderungen keinesfalls zu hoch sind, sondern gute Noten relativ leicht erzielt werden können. Das Problem besteht imho nicht darin eine gute Note zu bekommen, sondern sich von der Masse abzuheben, was ohne Glück nicht möglich ist.
Wenn du tatsächlich Bücher auswendig lernen sollst von denen du noch nie was gehört hast, hast du entweder beschissene Professoren oder im Hauptstudium was falsch gemacht. Ich habe für meine Diplomprüfungen aus mehreren Büchern gelernt (hab sie nicht abgewogen), wobei das Meiste was in diesen Büchern steht eigentlich im Kopf gespeichert sein und für eine Prüfung nur aufgefrischt werden sollte.
Da ich selber von diesem Problem betroffen bin, hab ich mich jetzt mal extra frei schalten lassen, um hier meinen Senf abzugeben, also bitte nicht gleich böse sein :-)
Meiner Meinung nach sind an der großen Prüfungsangst der Studenten die Prüfungen an der Uni schuld. Da ich noch auf Diplom studiere, war das Vordiplom eher unerheblich und der Leitsatz "4 gewinnt" hallte durch die Uniflure. Dementsprechend war man eben froh wenn man bestanden hat. Nach dem Vordiplom war erst mal 2 Jahre lang Scheine sammeln angesagt mit unwichtigen kleinen Prüfungen als Leistungsnachweis. Und jetzt - oh Gott - die Diplomprüfungen! Die bestimmen in 3 mal 45 Minuten 60% der gesamten Diplomsnote (Rest Diplomarbeit) und sollen dann 4 Jahre Studium wieder spiegeln!!?? Ich war eigentlich nie von Prüfungsangst geplagt aber jetzt - schon 3 Monate vor der 1. Prüfung krieg ich Abends Panikzustände, weil diese Prüfungen über mein gesamtes Leben entscheiden.
Wenn man durchfällt hat man quasi "umsonst" studiert. Außerdem wird einem auch von verschiedenen Stellen Angst gemacht, dass man sich mit schlechten Noten quasi gar nicht erst bewerben braucht (ich studiere Bio). Das mindert dann den Leistungsdruck auch nicht gerade. Jedenfalls war ich Ende des 8. Semesters scheinfrei (genau in Regelstudienzeit)- das war letztes Jahr im Sommer - und seitdem lerne ich auf diese Prüfungen. Das ist doch absurd! Von den Anforderungen gar nicht zu reden, dass die Profs einfach sagen, man soll ein Buch auswendig lernen (ca. 3 kg, kein Witz!), ohne die Hälfte davor in Vorlesungen oder Praktika gehört zu haben und so weiter .
Also wenn ich an nur eine Prüfung denke bekomme ich schon Schweißausbrüche!
Ich weiss, dass dieses Problem für die Bachelorstudenten nicht mehr von Belang ist, weil da ja gleich von Anfang an alle Prüfungen für die Note zählen (ob das nun besser ist sei dahin gestellt) aber diese Hammerprüfungen am Ende vom Studium jagen glaub ich jedem Prüfungsangst ein und inzwischen kann ich so krasse Aktionen (wie im Text erwähnt) zumindest teilweise nachvollziehen.
... schreiben das erste Staatsexamen, das zweite Examen schreiben Referendare...
Da wäre es gut, wenn endlich psychische Krankheiten zum einen besser anerkannt würden und zum anderen weniger als stigmatisierend in der Bevölkerung wahrgenommen würden. Leicht gilt man als Faulpelz oder Drückeberger, und nur wenige sehen die inneren Qualen, die Betroffene durchmachen, Qualen, die es mit so mancher körperlichen "entschuldigungswürdigen" Erkrankung locker aufnehmen können.