"Stell' dir vor, es gibt Studiengebühren, aber keiner zahlt sie!": Studenten weigern sich zu zahlen, Politiker drohen ihnen mit der Exmatrikulation.
Dass ausgerechnet Karlsruhe, die Stadt des Rechts, das Zentrum einer Studentenrevolte sein soll, diesen Gedanken findet selbst Boris Bartenstein etwas seltsam. Es sei schon eine ziemlich brave Stadt, sagt der 24-jährige Maschinenbau-Student. Doch an diesem Freitag soll es anders sein: Da will Bartenstein, Studentenvertreter an der Uni Karlsruhe, mit Tausenden Kommilitonen durch die Stadt ziehen und gegen Studiengebühren protestieren.
Karlsruhe im Januar 2007: Gebührengegner organisieren eine bundesweite Demo. (© Foto: dpa)
Anzeige
Es ist ein symbolischer Ort: Vor zwei Jahren kippten die Karlsruher Verfassungsrichter das Gebührenverbot, das die frühere Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) in ein Gesetz geschrieben hatte.
Mit dem Protestmarsch wollen die Studenten für einen Gebührenboykott werben. Sieben Bundesländer haben mittlerweile Studiengebühren eingeführt, die Proteste im vorigen Sommer, als Studenten Bahngleise und Autobahnen blockierten, haben wenig gebracht. Aber der kleine Kern der Aktivisten ist hartnäckig. Dort heißt die Parole: Stell' dir vor, es gibt Gebühren, aber keiner zahlt sie!
In Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen mussten Studienanfänger bereits im Wintersemester 500 Euro zahlen. In diesen Wochen trifft es auch ihre älteren Kommilitonen. Bei der Rückmeldung zum Sommersemester verlangen Unis in Bayern, Baden-Württemberg, Hamburg, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen Geld von allen. Hessen und das Saarland folgen im Herbst.
Brutal geregelt
Studentenvertreter appellieren, die Zahlung zu verweigern und das Geld auf Treuhandkonten zu überweisen. Wenn ein Viertel das Geld zurückhalte, so das Kalkül, müssten die Politiker einlenken. An vielen Unis laufen die Kampagnen noch, Bartenstein gibt aber zu, der Zeitgeist laufe ,,nicht zu unseren Gunsten''. Die Gebührengegner an der Pädagogischen Hochschule in Heidelberg und der Fachhochschule in Hildesheim mussten bereits aufgeben, weil sich zu wenige Kommilitonen am Boykott beteiligt hatten.
Baden-Württembergs Wissenschaftsminister Peter Frankenberg (CDU) betont, die Gebühr sei ,,eine per Gesetz beschlossene Pflicht''. Wer nicht zahlt, werde exmatrikuliert. Damit droht auch Niedersachsen. Dort sei der Rauswurf aus der Hochschule ,,brutal geregelt'', sagt Anwalt Wilhelm Achelpöhler. Wer auf eine Mahnung nicht reagiere, werde automatisch exmatrikuliert. Achelpöhler führt Musterklagen gegen die Gebühren. In Hessen wollen SPD, Grüne und Studenten sogar den Staatsgerichtshof anrufen; schließlich heißt es in der Landesverfassung, der Unterricht in den Hochschulen sei ,,unentgeltlich''.
Froh stimmt die Gebührengegner das Beispiel der Uni Münster. In Nordrhein-Westfalen muss jede Hochschule selbst die Gebühren beschließen - und Münster hat dies bisher nicht getan. Vergangene Woche stürmten Studenten eine Sitzung des Uni-Senats. Am Wochenende tagte er erneut, unter Polizeischutz am Stadtrand, und beauftragte eine Kommission, die Gebührenpläne noch einmal zu prüfen.
Am meisten profitieren von diesem Zögern die Langzeitstudenten. Bisher mussten sie 650 Euro pro Semester zahlen. Das entsprechende Gesetz läuft jetzt aus - und neue Gebühren gibt es in Münster vorerst nicht.
(SZ vom 26.1.2007)
Moderne Verwaltung
Mal ganz ehrlich, es geht hier nicht nur um Studiengebühren! In ganz D wird der gesamte Bildungsbereich umgekrempelt. Es geht nicht um die paar Hundert Euro die unsereins dann zu zahlen hat, sondern vielmehr um die langfristigen Folgen für die gesamte Gesellschaft!! Ich finde das Argument, dass viele der jetzigen Studierenden (die nicht von Papas Geldbeutel gesponsort werden), sich ein Studium bei derzeitiger Lage noch mal genauer überlegen werden, genauso die Abiturienten, absolut wichtig. die Lage auf dem AUsbildungsmarkt ist jetzt schon schwierig und gerade für Leute ohne finanziellen Rückhalt (woher auch immer) wird es immer aussichtsloser sich nach oben durchzuboxen.
Wie sieht das in ein paar Jahren aus? Und lohnt sich denn jetzt überhaupt noch ein STudium anzufangen, dass ausserhalb BWL,VWL oder Jura liegt?
bei studiengebühren versammeln sich menschen mit verschiedenen intentionen. Kostprobe gefällig: langzeitstudenten, die jetzt endlich mal gefragt werden, wie es damals war, im ersten semester anno 1989; junge studierende, die die politische korrektheit mit der spassgesellschaft verquicken: fun, spass, "suuuper viel los ... auf den strassen" hört man da und by the way: der/die geübte studentIn geht auch nie ohne alkohol und diversen freizeitpharamzeutika zur demo. hier in bochum verbrüderte sich ver.di im letzten tarifstreit und -streik mit den langzeitstudenten und die bergleuten (, die um ihre subventionen kämpfen,) standen Pate als das rektorat an der ruhr-uni besetzt wurde.
aber das gros der studenten verstehen die parolen nicht. bei uns wurde die mensa besetzt und die studenten, die das tag für tag beobachten, sprachen immer öfter von dialog und nicht von kampf und boykott. wie ich finde, ein sinnvoller gedanke.
bildung ist die einzige ressource, die d'land hat und sie kostet - ich bin bereit für meine ausbildung zu zahlen. und ich finde, dass eben nicht alles über die steuer finanziert werden sollte.
Man kann zu Studiengebühren stehen wie man will, aber die momentane Lage in Deutschland grenzt manchmal an Betrug an den Studenten.
Durch das zukünftige Modell der Studiengebühren verändert sich das Verhältnis Student/Universität sehr stark. EIn Student empfängt Dienstleistungen in der Form einer Ausbildung an Universitäten. Dafür bezahlt er Gebühren. Soweit sogut.
Aber....
Ich habe selbst erlebt, dass Professoren zu den Hiwies sagten: "Macht die Klausur richtig schwer(bzw. unfair), es dürfen maximal 40 Personen die Klausur bestehen. Wir haben in dem nächsten Praktikum nicht genug Praktikumsplätze".
Das hat zur Folge, dass nicht ein bestimmtes Wissen als Zugangsberechtigung gewertet wird, sondern dass die Universitäten willkürlich eine Grenze ziehen (müssen).
Ein Student bezahlt einen gewissen Betrag und möchte eine Dienstleistung dafür erhalten. Aber diese Dienstleistung wird Ihm willkürlich und nicht aufgrund einer mangelhaften Qualifikation vorenthalten - obwohl er dafür gezahlt hat.
Nach meinem Rechtsempfinden ist das Betrug!!
In England, wo man schon lange zum Teil erhebliche Gebühren für sein Studium zahlt, entstanden noch weitere Auswüchse:
Da kommen schon mal die Dozenten zu den Assistenten und sagen: Korrigier die Klausuren nicht so streng, die Studenten zahlen dafür und müssen bei der Stange gehalten werden - das ist aber auch nicht im Sinne einer universitären Ausbildung....
Über die Qualität der Vorlesungen kann man oft sowieso nur noch lachen. Wenn immer mehr Studenten (z.B. BWL, VWL, Jura) auf teure Repititorien angewiesen sind, um überhaupt die Prüfungen zu bestehen, da der Wissenstransfer von Prof auf Student nicht funktioniert - man dafür auch noch Studiengebühren zahlt, da frage ich mich: Wo ist die Dienstleistung für die ich gezahlt habe! Zumeist ist man eher froh über motivierte Assistenten (realer Stundenlohn:6-7 ) in Übungsgruppen, ohne die gar nichts laufen würde...
Aber Politiker oder auch andere Menschen die noch nie in diesem System länger gearbeitet haben und es somit auch nicht verstehen, kennen die Auswüchse oder Zusammenhänge nicht bzw. ignorieren sie und treffen zumeist Entscheidungen, die weit weg von der Realität sind.
Bildung hat einen sehr niedrigen Stellenwert im Dichter- und Denkerland Deutschland....
Alle Bekenntnisse pro Bildung sind nur Lippenbekenntnisse und entbehren jeder Wahrheit
eine melange der kommentare von galena1 und h.e.müller bringts meines erachtens auf den punkt. selbstverständlich ist die finanzierung der unis ein problem. das sollte auch jenen (meiner) kommilitonen bewusst werden, die sich entweder bereits durch das x-te studium drücken ("ich will mal was mit kultur machen ... oder was soziales ... ich bin ja total der menschenfreund") oder ewig in einem studium rumhängen ("anwesenheit? scheine? zwischenprüfung? uni?"). deswegen aber gleich den druck auf die gesamte studierendenschaft zu erhöhen und sie so teils unheimlichen psychischen belastungen auszusetzen, ändert hingegen nur die einstellung der aspiranten mit kargem geldbeutel!
ich glaube ja, trotz allem erleben an meiner uni, noch immer an den willen des gros' der studierenden, ihre sache relativ zügig und erfolgreich zu beenden. und genau aus dem grund können die meisten studentischen aktionen gegen studiengebühren auch nur scheitern! denn dahingehende forderungen werden merkwürdigerweise immer mit darüberhinsausgehenden utopien verknüpft ("keine studiengebühren! überhaupt: garkeine gebühren! kostenloser öpnv! sofortige modernisierung des campus! aber zügig!") und von den nachwuchs-dutschkes oder -langhansens lauthals durch die megaphone gebrüllt. ist mir vollkommen klar, warum sich der großteil der studierenden hier nicht einspannen lässt. ich habe auch keine lust auf protest als selbstzweck. es wird zeit, dass sich die leute von solchen arroganten 68er-attitüden trennen!
Als erstes einmal: Hut ab vor den Gegnern die tatsächlich ihre Zukunft aufs Spielsetzen für die Gemeinschaft und die damit Zivilcourage zeigen. Das ist viel zu selten in unserer Gesellschaft.
Des weiteren: Studiegebühren sind so eine Sache. Natürlich ist Bildung teuer, gerade die Universitäre, auch wenn das manchen nicht glauben.
Ich bin in der Tendenz nicht unbeningt gegen Studiengühren, aber unter gewissen Umständen. 1. Das Geld muß nachvollziehbar bei der Uni ankommen. Ich hab keine Lust versteckte Steuern zu zahlen.
2. Die Universitäten sollen anfangen sich ihre Studenten auszusuchen. D.h. Auswahlgespräche, Aufnahmetest, was auch immer, die Tour in stark Nachgefragten Studienfächern die ZVS zu beschäfftigen geht garnicht. Ich hab mich über diese Thema schon öfter mit verschieden Professoren unterhalten und meistens das credo gehört: " Das kostet mich ca. 2 Wochen, die gehen entweder von meiner Forschungszeit oder von meinem Urlaub ab, und auf beides hab ich keine Lust" Kein Wunder das da die Unis überfüllt sind.
3. Wenn ich schon fast so viel zahle wie an einer der weit gestreuten Privatunis in Deutschland zahle, dann möchte ich auch einen Vertrag in dem festgelegt ist wer was wann und wieviel zu leisten hat, und zwar für beide seiten.
Wenn all diese Forderungen erfüllt wären, würde ich Studiengebühren zahlen. Das würde nämlich einen absoluten Gewinn für alle Seiten bedeuten. Aber zahlen und nix tut sich, geht gar nicht!
ALSO:Ein "!Macht weiter!" an die Gegner und an alle anderen, denkt mal ein bißchen nach und zahlt nicht einfach aus Bequemlichkeit.
Paging