Von Christoph Hickmann

Nach einem Monat haben Studierende das besetzte Rektorat der Uni Bielefeld geräumt. Ihr Protest gegen Gebühren geht weiter.

Auf welchem Weg sie das Büro dann am Ende verlassen haben, war auch am Tag danach nicht endgültig geklärt. Immerhin residiert der Rektor der Universität Bielefeld im dritten Stock, und den herkömmlichen Weg können die Besetzer kaum genommen haben, war doch die Tür zum Rektorenbüro auch nach ihrem Abgang noch mit allerlei Mobiliar von innen verbarrikadiert. Blieb als potenzieller Ausgang das Fenster, was Hans-Martin Kruckis fast ein wenig Bewunderung abnötigte: "Die müssen sich ja abgeseilt haben."

So sah sie aus, die Rektoratsbesetzung. Jetzt können in den Räumen wieder die Uni-Mitarbeiter arbeiten. (© Foto: dpa)

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Viel mehr Gedanken allerdings machte sich der stellvertretende Pressesprecher der Universität Bielefeld darüber am Sonntag nicht, stattdessen hatte er ja weit Wichtigeres zu verkünden: "Das Rektorat ist leer." Einen Monat und zwei Tage lang hatten Studenten es besetzt gehalten.

Gegen Studiengebühren hatten sie dort protestiert, und noch am Freitag war man in der Verwaltung darauf eingestellt gewesen, das könne auf unbestimmte Zeit so bleiben. Die Besetzer allerdings schienen ihren Rückzug da bereits geplant, wenn nicht gar vollzogen zu haben; für die Presse jedenfalls waren sie nicht mehr zu sprechen. Was nicht eben zur Erhellung der Angelegenheit beitrug, ebenso wenig wie der am Samstag per Internet verbreitete Vorwurf, das Rektorat sei gewaltsam geräumt worden.

"Vollkommen falsch", versicherte Pressesprecher Kruckis. Sicherheitsleute der Universität hätten am Samstag lediglich einen Blick in den Verwaltungsflur werfen wollen und diesen leer vorgefunden. Mit einiger Kraftanstrengung sei es dann gelungen, in die verbarrikadierten Räume der Universitätsleitung zu gelangen. "Und da war ebenfalls niemand mehr."

Begonnen hatte alles mit einer Senatssitzung am 1. Februar. Das Rektorat hatte sich im Plenum vom Senat beauftragen lassen, eine Gebührensatzung zu entwickeln. 500 Euro pro Semester, so der Entwurf, sollten Bielefelder Studenten von Ende des Jahres an pro Semester zahlen. Beschlossen waren die Gebühren damit zwar nicht, für die Entscheidung wurde eine weitere Sitzung angesetzt, doch nach der Sitzung folgten einige Studenten den Mitgliedern des Rektorats in deren Büros. Und blieben dort.

"Die Einführung von Studiengebühren in Höhe von 500 Euro betrachten wir als Dammbruch", heißt es in ihrer kurz darauf veröffentlichten Resolution. Außerdem fordern sie darin mehr Mitbestimmung im Senat für Studenten und wissenschaftliche sowie sonstige Mitarbeiter.

Zumindest auf die Ablehnung der Gebühren hatte das Rektorat bereits reagiert: Es schlug vor, die Beiträge zu staffeln. Bereits eingeschriebene Studenten sollten nur einen Teil der Gebühren zahlen, außerdem seien Sonderregelungen für Härtefälle und Ausländer vorstellbar. Die Besetzer blieben beim Nein. Unterstützt wurden sie dabei vom Bielefelder AStA, der sich allerdings nie aktiv in die Besetzung einschaltete. Die ist nun zwar beendet, ihr Anlass allerdings wird wohl bestehen bleiben: An der grundsätzlichen Haltung des Rektorats jedenfalls, so Hans-Martin Kruckis am Sonntag, habe sich nichts geändert.

Auch die Besetzer haben nur ihren geographischen Standort verlegt. "Der Widerstand geht weiter", kündigen sie im Internetforum zur Gebührendebatte an. Nun allerdings vom Erdgeschoss des Universitätsgebäudes aus, dort haben sie inzwischen aufgebaut, was sie selbst ein "Besetzercamp" nennen. "Wir behalten uns auch weitere Besetzungen als zukünftige Aktionsform ausdrücklich vor", heißt es weiter, "sofern das Rektorat sich weiterhin nicht zu fairen Gesprächen bereit zeigt." Dazu Sprecher Kruckis: "Das Rektorat steht weiterhin für Gespräche zur Verfügung."

Kontakt zu den Protestierenden habe es allerdings seit der überraschenden Räumung nicht gegeben. Doch wie schrieb der Bielefelder Soziologe Niklas Luhmann: "Der Mensch kann nicht kommunizieren." Er hat das zwar ein bisschen anders gemeint. In den nächsten Tagen und Wochen aber dürfte sich zeigen, ob es auf seine einstige Wirkungsstätte nicht auch im ganz trivialen Sinn passt.

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(SZ vom 6.3.2006)