Wer als FH-Absolvent promovieren will, muss an Universitäten oft hohe Hürden überwinden. Doch die Grenzen zwischen Fachhochschulen und Universitäten werden durchlässiger.
Manchmal können zwei Buchstaben die Welt bedeuten. Ein einfaches Dr. vor dem Namen zum Beispiel. Wie man den Titel bekommt, ist in der Regel ziemlich klar: ein Studium, ein guter Abschluss, die Promotion. So geradlinig dieser Weg für viele Studenten ist, so beschwerlich und manchmal voller Umwege ist er für andere. Nämlich für diejenige, die ihr Abschlusszeugnis nicht von einer Universität sondern von einer Fachhochschule erhalten haben. Wer sich einmal für eine FH-Ausbildung, und damit für ein praxisorientiertes Studium entschieden hat, dem wird der Wechsel in eine akademische Laufbahn nicht immer leichtgemacht.
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Noch immer haben FH-Absolventen auf dem Weg zur Promotion oft mehr Schwierigkeiten zu überwinden als ihre Kollegen von der Universität. (© Foto: iStock)
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Trotzdem weichen die Grenzen langsam auf. Während die Promotion vor einigen Jahren fast ausschließlich Universitätsstudenten vorbehalten war, steigt die Zahl der promovierenden FH-Absolventen stetig. In den Jahren 2006 bis 2008 schlossen 570 ehemalige FH-Studenten in Deutschland erfolgreich ihre Promotion ab, das sind 41 Prozent mehr, als in den drei Jahren zuvor, wie die jüngste Studie der Hochschulrektorenkonferenz belegt. Die große Mehrheit der zugelassenen Doktoranden promoviert in den Ingenieurwissenschaften.
Die Präsidentin der deutschen Hochschulrektorenkonferenz (HRK), Professorin Margret Wintermantel, begrüßt diese Entwicklung: "Wir brauchen gute junge Leute."
Wie sehr sich die Universitäten tatsächlich für FH-Absolventen öffnen, bleibt jedoch umstritten. Professor Andreas Geiger, Rektor der Hochschule Magdeburg/Stendal und Sprecher der HRK-Mitgliedergruppe der Fachhochschulen, beurteilt die Entwicklungen der vergangenen Jahre zurückhaltend: "Es promovieren zwar immer mehr FH-Absolventen, aber es ist nicht einfacher für sie geworden. Wir kämpfen immer noch dagegen, dass viele Universitäten die Hürden für FH-Absolventen hoch halten".
Die Bedingungen für FH-Absolventen in den Promotionsordnungen der Universitäten variieren von Uni zu Uni und von Fakultät zu Fakultät. Neben einem bestimmten Notendurchschnitt - in der Regel 2,5 - werden oftmals Zusatzprüfungen verlangt. Im sogenannten Eignungsfeststellungsverfahren soll ermittelt werden, ob ein FH-Absolvent tatsächlich zur Promotion geeignet ist. Von einem einfachen Vorstellungsgespräch beim Professor bin hin zur verpflichtenden Seminarteilnahme in mehreren Fächern, obliegt es der jeweiligen Fakultät, welche Auflagen sie dem Promotionsbewerber stellt.
Nur die besten zehn Prozent des Jahrgangs dürfen promovieren
Die TU München beispielsweise lässt FH-Absolventen nur dann zur Promotion zu, sofern sie zu den besten zehn Prozent ihres Jahrgangs gehören. Zudem verlangt sie ein Bewerbungsgespräch bei dem zuständigen Professor und eine Ergänzungsprüfung, die sich aus Pflichtprüfungen der universitären Vordiplom-, Diplom-, Bachelor- oder Masterprüfung zusammensetzt und innerhalb eines Jahres abgelegt werden muss. Über den genauen Umfang der Prüfungen entscheidet eine gesonderte Prüfungskommission.
Ähnlich handhabt es die TU Berlin. Zusätzlich zu einem sehr guten oder mindestens guten Abschluss muss der FH-Absolvent bis zu drei zusätzliche Prüfungen durchlaufen, bevor er zur Promotion zugelassen wird. In der Promotionsordnung heißt es: "In einer Feststellungsprüfung wird geprüft, ob die Kandidatin oder der Kandidat auf dem Gebiet der beabsichtigten Promotion die zu fordernden wissenschaftlichen Fähigkeiten besitzt."
Lesen Sie auf der nächsten Seite, wie die Zusammenarbeit zwischen Universitäten und Fachhochschulen in Zukunft aussehen könnte.
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Ich finde nicht, dass FHs ein Promotionsrecht brauchen... dazu fehlt die wissenschaftliche Ausrichtung - und falls sie diese weiterhin anstreben, hat der Kern der FH sowieso ausgedient. Deshalb versteh ich nicht, wieso die FHs sich ständig verbiegen wollen... Komplexe der FH-Profs?
Die praxisbezogene Ausbildung hat ihre Vorzüge, v.a. bei späteren Industrie-Tätigkeiten, und sollte nicht durch solche Spinnereien verloren gehen.
Irgendwie haben nur die FH's ein Problem mit diesem ganzen System. Wenn jetzt vermehrt die Doktoranden/ Doktoren belächelt werden oder deren Fähigkeiten angezweifelt werden, warum wollen denn eine nicht unerhebliche Anzahl von Absolventen den Titel und bemühen sich darum? Wenn das "Gesamtpaket" stimmt, würde ich mich bei einem Bewerber für den mit einem Dr. vor dem Namen entscheiden.
Die Ausbildung an der FH ist per Definition auf die Praxis ausgelegt, die an den Universitäten hat eher einen wissenschaftlichen Hintergrund. Da es sich bei der Promotion um eine rein wissenschaftliche Zusatzqualifikation handelt, muss sichergestellt werden, dass die Voraussetzungen vorhanden sind. Der Universitätsabsolvent hat dies durch Abschluss seines Studiums mit einer Note die zur Promotion berechtigt, bewiesen.
Auch wenn es in unserer Gesellschaft in Mode kommt, nicht zu eigenen Einscheidungen zu stehen und nachträglich alles ändern zu wollen, weiss jeder FH Student der sich auch nur etwas mit seiner Hochschule beschäftigt am Beginn seines Studiums, dass
1) die Ausbildung praxisorientiert ist,
2) sie meist schneller ist als eine universitäre Ausbildung,
3) FH Absolventen anfänglich meist weniger verdienen,
4) eine Promotion meist nicht möglich ist,
5) die Absolventen besondern in Ing. Fächern sehr gefragt sind.
Also, wo ist das Problem? Schon heute haben wir so viele Drs., dass der deutsche Doktortitel in manchen Fächern im Ausland schon gar nicht mehr anerkannt wird.
Wer leistet bzw. bringt mehr: ein "Dr. Zweiter Klasse" oder ein "Dritter C-Kunde" (Langzeitarbeitslosen)?
Promotionsstudenten sind billige Arbeitskräfte und erhalten den Universitätsbetrieb. Das gilt umso mehr, je weniger sie in die Forschung eingearbeitet werden müssen und je besser sie sich den Gegebenheiten anpassen. Prüfungen sollen diese Voraussetzungen abklären und wirken zusätzlich disziplinierend. Die Universitäten sind de facto froh um diese kostengünstige Variante und wenn die Absolventen clever genug sind, sich möglichst schnell wieder von diesem Durchlauferhitzer zu verabschieden ist es möglich, dass sie eine gute Stellung in der freien Wirtschaft als Belohnung für die jahrelange Fron erhalten.
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