Von Marion Schmidt

Modularisierung ist eine schöne Idee, nur müssen die Studenten auch mitmachen.

(SZ vom 26.2.2002) Vielleicht liegt es am Wort. Modularisierung - das klingt wie Kapazitätsverordnung oder Wartezeitverbesserung. Bürokratisch, kompliziert und langweilig. Alle reden von den internationalen Abschlüssen Bachelor und Master, viele kennen mittlerweile das Leistungspunktesystem ECTS, doch kaum einer spricht von Modularisierung. Dabei sind alle drei miteinander verknüpft und wesentliche Bestandteile der europäischen Studien-Strukturreform.

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Längst nicht alle Professoren und auch nur wenige Studierende können etwas mit der Modularisierung anfangen, obwohl gerade sie davon profitieren würden. Denn in einem modularisierten Studium können sich die Lernenden aus einer Vielzahl von verschiedenen Einheiten, Module genannt, einen individuellen und interdisziplinären Studienplan zusammenstellen und so nahezu ihr eigenes Studium kreieren.

Auch ein Wechsel zwischen Fächern, Hochschulen und Ländern wäre kein Problem mehr, weil Module wechselseitig anerkannt werden sollen. Jedes Modul schließt zudem mit einer eigenen Prüfung ab, sodass es studienbegleitende Leistungskontrollen gibt, und alle Prüfungen fürs Examen zählen.

Anerkennung fehlt

Auch für die Hochschulen bietet das neue System Vorteile: Sie können durch Module Schwerpunkte setzen, ein bestimmtes Profil herausbilden und so im Wettbewerb bestehen. Außerdem können sie schneller auf veränderte Anforderungen des Arbeitsmarkts reagieren, indem sie einfach neue Module ins Studium integrieren statt neue Studiengänge einzurichten.

Interessante Sache, dachte sich wohl auch die Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung (BLK) und finanzierte in den letzten drei Jahren mit knapp sechs Millionen Euro Modellversuche an 27 deutschen Hochschulen. Die Mehrzahl der geförderten Studiengänge ist bereits in Modulen strukturiert, wie die nun vorliegenden Ergebnisse zeigen.

"Ohne das Projekt hätten wir in Neubrandenburg keine Modularisierung", sagt Axel Poehls, Professor für Agrarwissenschaften an der dortigen Fachhochschule. In einem Verbund mit drei weiteren agrarwissenschaftlichen Instituten konnten gemeinsame Standards für Module entwickelt und umgesetzt werden - nur gegenseitig anerkannt werden sie noch nicht.

Mikro-, Makro- und Mesomodule

Die Uni Greifswald nutzte den Anstoß durch die BLK und modularisierte fast ihre ganze Philosophische Fakultät. Bis zum Jahr 2010 sollen es uniweit sogar alle Studienfächer sein, hofft Stefanie Hofmann, Referentin für Hochschulentwicklung. Für sie ist die Modularisierung ganz klar ein Teil eines großen Reformprozesses, verknüpft mit der Einführung von internationalen Abschlüssen und Leistungspunkten - ein Prozess, der an der Uni Greifswald schon vergleichsweise weit fortgeschritten ist.

Die Studierenden, sagt Hofmann, hätten keine Probleme mit den ganzen Mikro-, Makro- und Mesomodulen. Im Gegenteil: Sie würden die Wahlfreiheit sehr schätzen. Durch die ständigen Prüfungen würden sich die meisten zudem gründlicher vorbereiten und seien viel motivierter. Sie schieben kein alles entscheidendes Examen vor sich her, sondern schließen meist schneller ab als ihre Kommilitonen in den klassischen Magister-Studiengängen. Das bestätigt auch Axel Poehls. Bei einer Evaluation im Fach Agrarwissenschaften an den Unis Göttingen und Hohenheim habe sich gezeigt, dass die Absolventen modularisierter Studiengänge zügiger studiert und mit großer Mehrheit in der Regelstudienzeit abgeschlossen hätten.

Solche erfreulichen Ergebnisse dürfen nach Meinung des BLK- Koordinators Herbert Hoßmann von der Hamburger Wissenschaftsbehörde nicht darüber hinweg täuschen, dass mit Abschluss des Projekts auch Schwachstellen deutlich wurden. Modularisierung erfordert von den Studenten mehr Eigenverantwortung, mehr Beweglichkeit und mehr Engagement. Denn: "Wir servieren kein Studium à la carte", sagt Stefanie Hofmann.

Unzureichend vorbereitet

Ein Gerüst in Form eines Kerncurriculums wird aber immer vorgegeben, allein schon, um die fachliche Kompetenz zu sichern. Diese Basis- oder Pflichtmodule können und sollen jedoch durch Aufbau- oder Wahlmodule anderer Disziplinen oder auch aus den "General Studies", wie etwa Sprachen oder Rhetorik, ergänzt werden, um den Studierenden ein individuelles Studienprofil zu garantieren. An der Uni Regensburg können sogar Praktika und Auslandsaufenthalte als Module angerechnet werden.

So viel Flexibilität erfordert eine intensive Studienberatung, und darauf sind die meisten Hochschulen nur unzureichend vorbereitet. "Das größte Problem aber ist die gegenseitige Anerkennung von Studienleistungen", sagt Herbert Hoßmann. Sie setzt voraus, dass sich alle Hochschulen auf ein einheitliches, möglichst zertifiziertes System einigen, und zwar Fächer übergreifend und auch Länder übergreifend.

Eine Bedingung, die vielfach schon an einzelnen Hochschulen scheitert. Agrarwissenschaftler Poehls musste "viel Überzeugungsarbeit" leisten, bis seine Module abgesegnet wurden. Manchem Hochschullehrer fehle offenbar die Einsicht, wie wichtig Mobilität für Studierende sei. Außerdem gebe es immer noch zu viele Vorbehalte gegenüber anderswo erbrachter Studienleistungen.

Allerdings ist Poehls auch "tief erschüttert", wie wenig die Studenten das Angebot nutzen, mal ein Semester an einer anderen deutschen Hochschule zu verbringen: "Die gehen lieber nach Kalifornien als nach Kiel."

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