Wer ein erfolgreicher Student werden will, muss die Angst vor seinem Professor überwinden und etwas ganz Unerhörtes tun: Er muss in die Sprechstunde gehen.
Ich hatte mein Studium keineswegs mit dem festen Vorsatz begonnen, nie in direkten Kontakt mit einem Professor treten zu müssen. Im Gegenteil! Im Zimmer meiner neu bezogenen Studenten-WG hatte ich mir freudig ausgemalt, wie ich wöchentlich auf dem Sofa meines Lieblings-Literaturprofessors Platz nehmen würde und bei einer Tasse grünem Tee über meine Fortschritte in der Erforschung der Romantik parlieren würde, um später bei einem Glas Portwein zu den großen Themen überzugehen und dabei vom unerschöpflichen Wissen meines Lehrers zu profitieren.
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Universitätsprofessoren sind in der Kategorie Respektspersonen ganz weit oben angesiedelt, irgendwo zwischen der Polizei und Gott. (© Foto: iStock)
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Ich hatte das genauestens studiert in all den amerikanischen und britischen College-Filmen, die ich mir zur Vorbereitung auf mein Studium ausgeliehen hatte, und freute mich auf eine enge und fruchtbare Zusammenarbeit mit all den Genies, die nun meine Lehrer sein sollten.
Leider begann ich mein Studium nicht in Oxford oder Yale, sondern an einer sehr exzellenten, aber aufgrund ihrer Größe zur Anonymität neigenden Hochschule in Deutschland. Dort konnte ich mein ausuferndes Wissen des englischsprachigen Hochschulbetriebs nicht so recht in die Realität umsetzen.
Statt dessen gewann ich schnell den Eindruck, dass die meisten Professoren mehr Spaß daran fanden, sich einer mehrstündigen Wurzelbehandlung zu unterziehen, als sich mit den immer gleichen Fragen und Anliegen ihrer Studenten auseinandersetzen zu müssen. Und so lernte ich bereits im ersten Semester eine wichtige Regel kennen, an die ich mich fortan halten wollte: Nerve den Lehrkörper so wenig wie möglich, dann revanchiert er sich bei dir mit völliger Gleichgültigkeit, bis hin zum Ignorieren deiner Existenz.
Um ehrlich zu sein, kam mir diese Verhaltensregel sehr entgegen. Schon seit frühester Kindheit hatte ich panische Angst vor allem, was auch nur im Entferntesten nach einer Respektsperson aussah. Egal, ob ich von einem Bademeister gemaßregelt oder von einer Kassiererin zur Eile gerufen wurde: Immer war mir klar, dass die anderen im Recht und ich vermutlich demnächst mit einer Verhaftung zu rechnen hatte.
Zu Tränen gelangweilt
Universitäts-Professoren waren in der Kategorie Respektsperson ganz weit oben angesiedelt, irgendwo zwischen der Polizei und Gott. Die Vorstellung, eine so wichtige Person mit so nichtigen Dingen wie meinem Stundenplan zu behelligen, erschien mir absurd. Es war ja schon aufregend genug, wenn ich mich im Seminar einmal mit einem Wortbeitrag meldete oder ein Referat hielt, von dem ich ahnte, dass es meinen Professor zu Tränen langweilen musste.
Der einseitig geschlossene Vertrag zwischen den Professoren und mir funktionierte lange Zeit hervorragend. Ich studierte vor mich hin, war mitunter etwas langsamer als meine Kommilitonen und erreichte oft nur auf reichlich verschlungenen Umwegen mein Ziel. Dafür perfektionierte ich die Fähigkeit, unbemerkt in der Masse unterzugehen und hatte das beruhigende Gefühl, niemandem zur Last zu fallen.
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Nationalteam vor der EM
amüsant, und leider furchtbar zutreffend. Aber das wird so bleiben, wenn Dienstleistungen für die Lehre weiterhin bei Evaluierungen außen vor bleiben - und wenn die Professoren jedes Semester hunderte von Studenten durchwinken müssen.
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