Der Volksentscheid zur Aufwertung des Religionsunterrichts in Berlin ist gescheitert. Dennoch hat er den Blick dafür geschärft, dass Wertevermittlung in Schulen ein Zukunftsthema ist.
Berlin will den gemeinsamen Ethikunterricht für Oberschüler aller Glaubensrichtungen beibehalten. Nach Konfessionen getrennte Religionsstunden dagegen bleiben ein Zusatzangebot. Dieses Ergebnis des Volksentscheids vom Sonntag ist ein ermutigendes Signal, für die Anhänger von "Pro Reli" allerdings ist es bitter.
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Schülerinnen der Eckner-Oberschule in Berlin beim Etikunterricht. (© Foto: ddp)
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Sie haben mit viel Herzblut und Geld dafür gekämpft, Religion in Schulen aufzuwerten. Doch am Ende erlitten sie eine deutliche Niederlage. Ihre Kampagne war vielen im Ton zu missionierend, in der Sache allerdings war sie wichtig. Denn sie hat auch jenseits der Stadtgrenzen den Blick dafür geschärft, dass Wertevermittlung in Schulen ein Zukunftsthema ist.
Im wiedervereinigten Einwanderungsland Deutschland müssen viele noch zur Kenntnis nehmen, dass Religionsunterricht nach dem Muster der alten Bundesrepublik nicht mehr viel mit der Lebenswirklichkeit zu tun hat. In Großstädten wächst eine muslimische Unterschicht, die dringend weltanschauliche Orientierung braucht, und es wäre fatal, gerade diese Jugendlichen von andersdenkenden Altersgenossen zu trennen, wenn es um interkulturelle Konflikte geht.
Auch den vielen Atheisten im Osten ist staatlicher Religionsunterricht fremd, und es kann ihren Kindern nur nützen, wenn sie mit Christen oder Muslimen über Werte diskutieren müssen. Jungen Leuten aus religiösen Elternhäusern dagegen ist es durchaus zuzumuten, etwas von ihrer Freizeit zu opfern und den Religionsunterricht als Zusatzfach zu wählen, wenn er ihnen wichtig ist.
Ihr Wunsch nach anspruchsvoller religiöser Unterweisung ist legitim. Aber er darf nicht auf Kosten der gesellschaftlichen Mehrheit gehen.
(SZ vom 27.04.2009/af)
@joe-malik. Also, ich bin mir da nicht ganz sicher, daß Sie ausgerechnet auf die Schweinegrippe bezug nehmen sollten.
Das eigentlich irre an dieser "Wahl":
Diejenigen, die es in erster Linie betreffen würde (nämlich die unter 18jährigen), wurden garnicht gefragt! Ich gehe allerdings jede Wette, dass da das Ergebnis noch viel vernichtender gewesen wäre.
Aber lasst ruhig die religiösen Eiferer hier ihre Wunden lecken :-D. Das Volk hat nunmal gesprochen und Ihrem Ansinnen eine Klatsche erteilt. Punkt.
Auf ihre Zustimmung kann ich voll und ganz verzichten, denn sie haben ein Zitat von mir kastriert, um es zur Rechtfertigung ihres Weltbildes zu benutzen, das nicht im entferntesten mit dem meinen übereinstimmt. Religion politisch zu instrumentalisieren bringt den moralischen Werteschwund in einem offensichtlich ethikbefreiten Wirtschafts-/Gesellschaftssystem jedenfalls nicht zum stoppen!
Also, nochmal zum Mitschreiben: Der Glaube - als DER wesentliche Bestandteil von Religion - kann auf intelektueller Ebene eben ÜBERHAUPT nicht beleuchtet werden! Wer niemals positive, befreiende Erfahrungen gemacht hat, die auf "Glauben" fussen, der hat überhaupt keine Chance, das Thema Religion in seiner Tiefe auszuloten!
Ergebnis: das Thema Religion wird weiter zerredet - und Menschen, die den Menschen als die höchste Schöpfung des Universums betrachten, könnten schon bald kleinlauter werden: der Mensch ist dabei, sich selbst vom Antlitz der Erde hinweg zu fegen - die Schweinegrippe ist nur ein Indiz dafür, wie sehr die Natur uns jetzt schon an den Eiern hat...
Ganz richtig: "Um Religion auf intellektueller Ebene zu beleuchten", wie Sie richtig sagen, braucht es möglicherweise etwas mehr Bildung als zumindest die Propagandisten erkennen ließen, die sich gegen ProReli öffentlich aussprachen. Insbesondere fiel mir ein eklatanter Mangel an Kenntnissen insbesondere von den Fachvertretern selbst auf. Was ich in öffentlichen Diskussionen von denen hörte, machte deutlich, dass sie überhaupt nicht in der Lage waren, irgendwem von Religionen vorurteilsfrei eine Vostellung zu vermitteln. Und warum nicht? Weil ihnen jene intellektuelle Fähigkeit fehlte, sich auf die jeweiligen religiösen Denkmodelle überhaupt einzulassen, weil sie die Prämisse, dass Gott existieren könnte, nicht mitbedenken wollten. Für mich handelt es sich bei diesen Pro-Ethik-Propagandisten meistenteils um Leute mit antireligiösem Ressentiment, insbesondere mit einer dezidiert christlichen Abneigung. Es liegt deshalb nahe, dass man die Alt-68-er, die DDR-Kommunisten und die sonstige Linke mit dieser Anti-ProReli-Kampagne in Verbindung verbringt.
Denen wird es freilich genauso wenig wie bisher gelingen, die im Artikel angesprochenen muslimischen Kinder erzieherisch zu beeinflussen. Islam-Unterricht an den Schulen nach staatlich festgelegten Standards hätte gerade für diese Kinder die bessere Perspektive geboten. Schade, dass sich Berlin diese Chance zu zeitgemäßer Bildung mit dem Nein zu Pro-Reli selbst genommen hat.
auf intelektueller Ebene zu beleuchten, mag bei der "Ich bin Atheist - Gott sei Dank!"-Fraktion noch nachvollziehbar sein. Aber die Tiefenwirkung von dem, was Glauben bewirken kann, werden sie niemals auch nur annähernd ausloten können. Mal abgesehen davon, dass sie über ein Thema (Glauben) reden, welches ihnen so fremd ist wie einem Neandertaler die Kernspaltung...
Wer Menschen (speziell jungen, noch nicht so dem absoluten Diktat des "rationalen Denkens" unterworfene) die Chance auf die Erkenntnis nimmt, dass Glaube Berge versetzen kann, erschafft eine Gesellschaft, in der die christlichen Werte der Nächstenliebe noch mehr mit Füssen getreten werden, als es jetzt schon zu beobachten ist!
Paging