"Pro Reli" gescheitert Bleibende Werte

Der Volksentscheid zur Aufwertung des Religionsunterrichts in Berlin ist gescheitert. Dennoch hat er den Blick dafür geschärft, dass Wertevermittlung in Schulen ein Zukunftsthema ist.

Ein Kommentar von Constanze von Bullion

Berlin will den gemeinsamen Ethikunterricht für Oberschüler aller Glaubensrichtungen beibehalten. Nach Konfessionen getrennte Religionsstunden dagegen bleiben ein Zusatzangebot. Dieses Ergebnis des Volksentscheids vom Sonntag ist ein ermutigendes Signal, für die Anhänger von "Pro Reli" allerdings ist es bitter.

Sie haben mit viel Herzblut und Geld dafür gekämpft, Religion in Schulen aufzuwerten. Doch am Ende erlitten sie eine deutliche Niederlage. Ihre Kampagne war vielen im Ton zu missionierend, in der Sache allerdings war sie wichtig. Denn sie hat auch jenseits der Stadtgrenzen den Blick dafür geschärft, dass Wertevermittlung in Schulen ein Zukunftsthema ist.

Im wiedervereinigten Einwanderungsland Deutschland müssen viele noch zur Kenntnis nehmen, dass Religionsunterricht nach dem Muster der alten Bundesrepublik nicht mehr viel mit der Lebenswirklichkeit zu tun hat. In Großstädten wächst eine muslimische Unterschicht, die dringend weltanschauliche Orientierung braucht, und es wäre fatal, gerade diese Jugendlichen von andersdenkenden Altersgenossen zu trennen, wenn es um interkulturelle Konflikte geht.

Auch den vielen Atheisten im Osten ist staatlicher Religionsunterricht fremd, und es kann ihren Kindern nur nützen, wenn sie mit Christen oder Muslimen über Werte diskutieren müssen. Jungen Leuten aus religiösen Elternhäusern dagegen ist es durchaus zuzumuten, etwas von ihrer Freizeit zu opfern und den Religionsunterricht als Zusatzfach zu wählen, wenn er ihnen wichtig ist.

Ihr Wunsch nach anspruchsvoller religiöser Unterweisung ist legitim. Aber er darf nicht auf Kosten der gesellschaftlichen Mehrheit gehen.