Rund drei Millionen Deutsche erledigen ihre Erklärung mit elektronischer Hilfe selbst. Gängige Produkte kosten zwischen 15 und 40 Euro.
(SZ vom 21.5.2003) Bequemlichkeit ist schon so manchen teuer zu stehen gekommen. 500 Millionen Euro, so schätzt der Bund der Steuerzahler (BdSt), geht den Deutschen jedes Jahr verloren, weil sie keine Einkommensteuererklärung abgeben und damit auf ihnen zustehende Steuerrückzahlungen verzichten. Der Staat freut sich. Die Gründe dürften in der Kompliziertheit des deutschen Steuerrechts liegen und an fehlender Motivation, weil der Bürger nicht weiß, ob sich die mühsam angefertigte Steuererklärung für ihn überhaupt lohnt.
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Große Hilfe
Kein Wunder also, dass seit einigen Jahren der Ansturm auf Steuer- Software für den heimischen PC immer größer wird. Rund drei Millionen Deutsche erledigen so bereits ihre Steuererklärung. "PC-Steuerprogramme sind für Steuerzahler heute oft die einzige Möglichkeit, die Höhe der Steuererstattung oder -nachzahlung noch selbst zu errechnen", sagt Hans-Joachim Vanscheidt vom BdSt, der sich die aktuellen Programme angeschaut hat.
Die gängigen Programme, für die man zwischen 15 und 40 Euro investieren sollte und die als Steuerberatungskosten in voller Höhe abgesetzt werden können, "sind inzwischen so gut, dass sie bei der Anfertigung der Steuererklärung eine große Hilfe sein können", so der Steuerexperte. Wichtig sei jedoch, dass man sich auf der Homepage des Programmherstellers über aktuelle Updates informiert und sich diese online herunterlädt, was in der Regel kostenlos ist. Nur dann hat man die Sicherheit, dass aktuelle Rechtsänderungen berücksichtigt und Programmfehler beseitigt sind.
In schwierigen Fällen, so rät Vanscheidt, ist der Gang zum Steuerberater oder Lohnsteuerhilfeverein jedoch dringend angeraten.
Auch für Neulinge
Selbst ohne Vorkenntnisse im Steuerrecht dürfte es dann für den Normalbürger kein Problem sein, zusammen mit dem Programm seine Einkommensteuer fristgerecht bis zum 31. Mai 2003 beim Finanzamt abzugeben.
Professionelle und moderierte Videosequenzen, wie sie beispielsweise das "Wiso-Sparbuch" von Buhl-Data, "Taxman" oder "Quicksteuer" von Lexware bieten, sollen dabei die häufigsten Fragen besonders von Steuer-Neulingen und Berufseinsteigern anschaulich beantworten.
Eher für Fortgeschrittene, da mit einer größeren Optionsvielfalt für kniffligere Steuerfälle ausgestattet, eignen sich "Tax 2003" und die "Steuer-Spar-Erklärung" des Akademischen Arbeitskreises, wobei letzteres als bislang einziges Programm beim Vergleich der Stiftung Warentest die Gesamtnote "Sehr Gut" erringen konnte.
Assistent inklusive
Die Eingabe der persönlichen und fiskalisch wichtigen Daten erfassen nahezu alle Programme über einen Interviewmodus oder über Eingabemasken, die den Benutzer durch das komplette Formular führen. Fragen können schnell über einen jederzeit aufrufbaren Assistenten abgeklärt werden oder es hilft ein Blick in den gedruckten Steuerratgeber.
Der Ausdruck der Steuererklärung erfolgt dann wahlweise direkt in die amtlichen Formulare, was bei manchen Druckern allerdings immer noch Probleme macht. Alternativ akzeptiert das Finanzamt inzwischen auch die auf weißes Papier ausgedruckten Formulare. "Spätestens jetzt sollte die Erklärung noch einmal gegengelesen und mit dem Bescheid des letzten Jahres verglichen werden", empfiehlt Vanscheidt. Zwar werden die Eingaben vom Programm auf Plausibilität geprüft, allerdings beschränkt sich diese Kontrolle meist auf die Vollständigkeit der Daten, eine logische Komponente fehlt.
Was kommt raus?
Neben des korrekten Ausfüllens der Formulare ist für den Steuerzahler natürlich die Berechnung der Steuererstattung oder -nachzahlung von Bedeutung. Hier erweisen sich besonders die Programme jener Verlage als zuverlässig, die bereits langjährige Erfahrung im Bereich Steuer gesammelt haben, denn selten sind falsche Ergebnisse auf Rechenfehler des Programms, sondern eher auf steuerrechtliche Defizite zurückzuführen.
So schneiden bei den alljährlichen Tests von Finanztest oder diverser Computerfachzeitschriften die Programme "Steuer-Spar-Erklärung", "Wiso-Sparbuch", "Tax", "Taxman" und auch "Quicksteuer" bei der Berücksichtigung der komplizierten Riester-Verträge zuverlässig ab.
Doch das braucht auch seine Zeit: Je nach Kniffligkeit des Steuerfalls zwischen einer halben und 1,5 Stunden sollte der Steuerzahler einkalkulieren, wenn er auch noch diverse Anträge wie zur Lohnsteuerermäßigung oder Eigenheimzulage ausdrucken will.
Nie mehr alleine
Auch bei den Zusatzfunktionen geben sich die meisten Programme großzügig. Zumindest die teuren Vertreter sind durch Einnahme/Überschuss-Rechnung, Reisekostenabrechnung und Umsatz- und Gewerbesteuererklärung auch für Freiberufler, Selbständige und Gewerbetreibende.
Auch lassen sich mit allen Programmen die Steuerdaten der Programmversion vom letzten Jahr wieder einlesen. Mit dem Import von Daten anderer Finanzprogramme sieht es hingegen düster aus. Allenfalls wenn es sich um Programme aus dem gleichen Verlag handelt.
Auch wenn der Steuerbescheid dann eingegangen ist, lassen die Programme den Steuerzahler nicht alleine. Vorlagen für Musterbriefe an das Finanzamt, um Einspruch zu erheben, und Rechtsverweise über noch anhängige Verfahren beim Bundesfinanzhof erleichtern die Argumentation gegenüber den Behörden.
Ohne Papier geht nichts
Integriert haben inzwischen auch alle Programme den Elster- (Elektronische Steuer Erklärung)-Standard, mit dem sich die Steuererklärung elektronisch über das Internet an das Finanzamt übermitteln lässt.
Nachteil: es muss trotzdem noch eine verkürzte Steuererklärung ausgedruckt, unterschrieben und zusammen mit der original Lohnsteuerkarte und eventuellen Belegen schriftlich an das Finanzamt geschickt werden. Bei einem Test der Zeitschrift Finanztest verkürzte Elster die Wartezeit auf den Steuerbescheid im Mittel um zwei Wochen und mehr, da der Sachbearbeiter die Daten direkt aus dem Rechenzentrum abfragen kann.
Die Norweger haben es gut
Schwer haben es hingegen Besitzer von Apple-PCs. Mit "Geld zurück - Steuer 2003" von Koch Media, "TaxUp 2003" von Hartwerk und dem "Steuerlotse 2002/2003" von Home Data, der bei Finanztest wegen geringen Bedienungsumfangs und kapitaler Rechenfehler gar nur mit der Note "ausreichend" abschnitt, hinken sie in Sachen Bedienung und Ausstattung um Jahre hinter den Windows-Versionen zurück. Da das Elster-Programmmodul zudem nur als Windows-Version bereit steht, fehlt diese Möglichkeit bei Apple-Programmen grundsätzlich.
Da haben es die Norweger leichter. Wer das ihm von der Steuerbehörde mit den persönlichen Steuerdaten zugeschickte Formular nicht mehr ändern muss, was immerhin bei einem Drittel der Norweger der Fall ist, braucht nur noch ein Code-Wort, Steuernummer und eine PIN per Handy-SMS an das Finanzamt zu senden. Einfacher geht's kaum.
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