Privathochschulen locken mit einem schnellen Einstieg in den Beruf und manchmal sogar mit Job-Garantien.
An welcher Hochschule gibt es denn so etwas? Jacke, Schal und Mütze hängt man in der leeren Eingangshalle an den Garderobenständer und geht dann in Ruhe in den angrenzenden Seminartrakt studieren. An der Hamburger Bucerius Law School vertrauen die Studenten drauf, dass sie ihre Sachen am Abend dort wiederfinden, wo sie sie zurückgelassen haben. Und sie vertrauen darauf, dass sie am Ende eines teuren Studiums an der fast familiären Privathochschule eine Anstellung finden. Schließlich müssen sie dann die Studiengebühren in Heller und Pfennig zurückzahlen.
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Es gibt sie also: Studenten, die bereit sind, für eine Hochschulausbildung zu zahlen. Das beweist die Existenz der 51 staatlich anerkannten privaten Universitäten und Fachhochschulen in Deutschland. Allerdings werden sie in der aktuellen Debatte um Elite-Unis und Studiengebühren kaum erwähnt. Dabei existieren einige von ihnen seit Jahrzehnten. Die Universität Witten-Herdecke wurde vor mehr als 20 Jahren gegründet, die Bucerius Law School ist vier Jahre alt und damit eine der jüngsten unter den privaten Hochschulen. Sie alle zeichnen sich durch kurze Ausbildungszeiten, wenige Studenten und gute Betreuung aus.
Schulden im Gepäck
An der Bucerius Law School zahlt jeder der 400 Studenten rund 3000 Euro Gebühren pro Trimester. Bis zum ersten Staatsexamen werden also 33.000 Euro fällig, das ist kein Pappenstiel. "Es hört sich erst einmal teuer an", wiegelt Kristoff Rittewski ab. Der 25-Jährige wird als Student der ersten Generation in diesem Jahr sein Examen machen. "Mit den Finanzierungsmodellen spielt sich das Geld wieder ein."
Die Hochschule bietet günstige Kredite und Rückzahlungsmöglichkeiten an. Und sie verweist darauf, dass ihre Studenten schon nach vier statt nach fünf oder mehr Jahren die Ausbildung abschließen. Damit kommen sie mindestens ein Jahr früher auf den Arbeitsmarkt als ihre Kommilitonen von den staatlichen Hochschulen, denen - langfristig betrachtet - ein Juristen-Jahresgehalt entgeht. Kristoff Rittewski machen die Schulden keine Sorgen. Er ist sicher, dass ihn die Universität im Gegenzug optimal auf den Beruf vorbereitet hat und wartet mit einer Binsenweisheit auf: "Was nix kostet, ist auch nix."
Gebühren und Gehälter
"Wir bekommen die Besten der Republik", sagt Udo Steffens, Präsident der Hochschule für Bankwirtschaft in Frankfurt, "im Gegenzug müssen wir gute Leistung erbringen." An der privaten Fachhochschule schließen die Studenten nach dreieinhalb Jahren mit dem "Bachelor of Business Administration" oder dem "Bachelor of Computer Science" ab. Das kostet sie rund 3200 Euro pro Semester. Wer anschließend den "Master of Arts in Banking und Finance" machen möchte, zahlt rund 5600 Euro pro Semester.
An der Banker-Schmiede verlässt man sich auf die Formel: Gute Ausbildung gleich gutes Gehalt. Die Studenten werden wie selbstverständlich als "return on investment" gehandelt. Als eine der wenigen deutschen Hochschulen betreiben die Frankfurter Verbleibsforschung. Das heißt, die Hochschule erfasst penibel, wohin es die Absolventen nach dem Studium verschlägt. Jährlich fragt sie unter den Ehemaligen die Gehaltsentwicklung und die beruflichen Veränderungen ab. "Unsere Absolventen wechseln zunehmend auch in Unternehmensberatungen", sagt Hochschulsprecherin Angelika Werner. Nach der großen Kündigungswelle in den Banken kommen einige Absolventen in der Personalentwicklung multinationaler Konzerne unter, andere wechseln die Seite und beraten die Banken beispielsweise in IT-Fragen.
Im Reifeprozess
Damit die Studenten nicht nur fachlich, sondern auch moralisch den Anforderungen einer Führungsposition gewachsen sind, bietet die Bucerius Law School ein umfangreiches Studium Generale und Ethik-Vorlesungen an. "Diese Veranstaltungen sind freiwillig, doch sie werden von den Studenten gut besucht", sagt Markus Baumanns, Geschäftsführer der Hochschule. Fachkenntnisse allein machten noch keinen high potential aus, die persönliche Reife spiele eine entscheidende Rolle.
Die Arbeitsmarkttauglichkeit ihrer Absolventen ist den Privathochschulen seit jeher wichtig. Daher arbeiten sie oft eng mit Wirtschaftsunternehmen zusammen und locken auch schon mal mit einer Job-Garantie wie beispielsweise die private Fachhochschule Göttingen. Am Institut der deutschen Wirtschaft in Köln verfolgt man die Entwicklung der privaten Institutionen genau. Christiane Konegen-Grenier, Leiterin des Hochschulreferats, sagt: "Mit Studenten ist es wie mit Sportlern: Wer der Beste ist, muss sich im Wettbewerb herausstellen", sagt sie. Das arbeitgebernahe Institut setzt sich für die Interessen der privaten Hochschulen gegenüber den Ministerien ein. Im Wettbewerb um öffentliche Gelder sehen sich die Privatunis im Hintertreffen, vor allem beim Hochschulbau. Präsident Udo Steffens hat jüngst mit Amtskollegen aus der Arbeitsgemeinschaft der privaten Hochschulen ein Positionspapier verfasst. Darin fordern sie einen fairen Wettbewerb mit den staatlichen Hochschulen, eine neutrale Beurteilung und Verbraucherschutz für Studenten.
Fächer mit Karriere-Faktor
Geschäftsführer Baumanns ist stolz auf die vielen Förderer und Sponsoren, deren Namen die Hörsaaltüren der Hamburger Law School zieren. Und auf technische Errungenschaften wie das Wireless-LAN-System, mit dem sich seine Schützlinge - die er auf den Fluren mit Namen begrüßt - jederzeit ins Internet einloggen können. "Wir studieren unter elitären Bedingungen", sagt Student Kristoff Rittewski. Doch wie viele seiner Kommilitonen will auch er nicht auf einer Insel leben. Die Studenten suchen den Kontakt nach außen und stoßen dabei auf viele Vorurteile. "Wir werden oft komisch beäugt", sagt der 23-jährige Law-School-Student Sven Kürvers.
Dazu trägt natürlich bei, dass an privaten Hochschulen fast ausschließlich Fächer wie Betriebswirtschaft und Jura angeboten werden. Studiengänge mit unsicherem Karriere-Faktor sind in Deutschland nach wie vor meist an den staatlichen Hochschulen angesiedelt. Denn wer möchte schon für ein Romanistik- oder Geographie-Studium horrende Gebühren zahlen, wenn der Arbeitsmarkt den Abschluss anschließend mit Nichtachtung straft?
(SZ vom 21.2.2004)
65. Filmfestspiele Cannes