Prävention Wie kann ich einen Burn-out verhindern?

Ein Angestellter sitzt in einem Büro vor seinem Computer und rauft sich die Haare Ein Angestellter sitzt in einem Büro vor seinem Computer und rauft sich die Haare. a Employee sits in a Office before his Computer and rauft to the Hair

(Foto: imago/Thomas Eisenhuth)

Mehrere Faktoren müssen stimmen, damit ein Burn-out gar nicht erst entsteht. Vor allem das individuelle Selbstverständnis spielt eine wichtige Rolle.

Von Marina Engler

Nicht jeder, der Stress hat, wird davon krank. Aber warum brennen manche Leute aus und andere nicht? Und wie kann man vorsorgen, damit es gar nicht erst dazu kommt? Nur wer die Ursachen für eine Krankheit kennt, kann sich wirkungsvoll davor schützen. Ärzte, Therapeuten und Wissenschaftler gelangen immer häufiger zu der Erkenntnis: Zwar begünstigen äußere Umstände, wie Stress, Zeitdruck und Multitasking am Arbeitsplatz das Ausbrennen. Doch der entscheidende Faktor scheint die Beziehung des Burn-out-Betroffenen zu sich selbst und seiner Umwelt zu sein. Davon ausgehend braucht man vor allem eine klare Identität, Rückzugsmöglichkeiten und bestimmte Arbeitstechniken, um nicht auszubrennen.

Identität stärken und eigenes Lebensmotto finden

Der Ursprung für ihren Burn-out, so legen es die Erzählungen von Betroffenen nahe, liegt häufig in einem Gefühl der Hilflosigkeit oder Überforderung. "Dabei ist es nicht die Situation an sich, die zu Stress führt, sondern unsere subjektive Bewertung", erklärt die Ärztin und Beraterin Mirriam Prieß. "Wie ich jemanden oder eine Situation einschätze, ist darauf zurückzuführen, welche bewussten und unbewussten Erfahrungen ich in meinem Leben gemacht habe. Diese inneren Realitäten prägen den Blick auf unsere Umwelt." Entscheidend für die Prävention sei es daher, sich in Situationen der Hilflosigkeit zu fragen, warum dieses Gefühl entsteht, ob man es ertragen oder lösen kann.

Eine gute Selbsteinschätzung kann dabei helfen. "Das ist ein zentraler Aspekt für die Gesundheit. Nahezu alle Burn-out-Betroffenen, die zu mir in die Behandlung kamen, hatten die Beziehung zu sich selbst verloren oder nie besessen", macht Prieß deutlich. Viele versuchten stattdessen, einem Idealbild zu entsprechen, das ihnen in der Kindheit vorgelebt oder von ihnen erwartet wurde. Wer aus Furcht vor Liebes- oder Vertrauensentzug nie die Fähigkeit zur Selbstabgrenzung entwickelt hat, wird sich auch im Erwachsenenalter schwer damit tun. "Es ist wichtig zu erkennen, ob die Prägung, die ich in meinem Elternhaus erhalten habe, mit dem übereinstimmt, was meinem eigenen Wesen und meiner Identität entspricht", sagt Prieß. "Ist das nicht der Fall, arbeitet man permanent gegen sich an, unterdrückt die eigenen Bedürfnisse und verliert sich häufig in einem grenzenlosen Perfektionsanspruch."

Wer so lebt, braucht dafür viel Energie. Kommt ein Problem von außen in Form von Zeitdruck oder Überforderung hinzu, bringt man auf Dauer nicht genug Kraft und Aufmerksamkeit auf, um dieses Problem zu lösen. Daher ist laut Prieß und weiteren Ärzten sowie Forschern eine der wichtigsten Präventionsmöglichkeiten vor Burnout eine stabile Identität.

Probleme nicht kompensieren, Konflikte austragen

Ein zweiter wichtiger Punkt ist die Fähigkeit, mit Stress umzugehen. Prieß hat die Erfahrung gemacht, dass ein Gefühl der Hilflosigkeit bei Menschen mit einem späteren Burn-out oft nicht den Impuls einer Klärung, sondern den Impuls nach Kompensation auslöste. Statt sich also Unterstützung zu suchen oder den Auftrag abzulehnen, stürzten sich die Betroffenen in noch mehr Arbeit oder trieben exzessiv Sport, um die Überforderung zu verdrängen. "Häufig verbirgt sich dahinter eine tiefe Angst vor Konflikten und Ablehnung", erklärt Prieß. "Wer gesund bleiben will, muss aber Nein sagen und Konflikte austragen können." Dabei gilt: Je schneller man auf eine Störung reagiert, desto besser kann die Entstehung eines Konflikts verhindert werden.