Ein Ausfall bringt gleich das ganze Team ins Stolpern

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Für die dritte Gruppe ist Anne Walther typisch. "Wir nennen das prekäre Arbeitsverhältnisse", sagt Eberhard Pech von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin. "Zu wenig Lohn, keine soziale Absicherung, keine Arbeitnehmerrechte." In Deutschland müssen etwa 15 Prozent aller Beschäftigten unter solch schlechten Bedingungen arbeiten.

Weil Anne Walther keinen festen Vertrag hat, hatte sie Schwierigkeiten, bei ihrer Bank ein Girokonto zu bekommen. Ihr Antrag für eine Kreditkarte wurde abgelehnt, da sie kein Einkommen garantieren könne. Auch bei der Wohnungssuche hatte sie deshalb Probleme. "Diese Unsicherheit im Beruf ist der Grund für so viele Hindernisse. Ich bin permanent damit beschäftigt, mir über irgend etwas Sorgen zu machen."

"Normale" Arbeitsverträge haben auch ihre festangestellten Kollegen nicht: Eine Wochenarbeitszeit ist bei niemandem festgelegt, alle Angestellten arbeiten den "unternehmerischen Erfordernissen gemäß", wie es in den Kontrakten heißt. In der Praxis bedeutet das: jeden Tag Überstunden. Zahlreiche Aufgaben werden nur noch projektgebunden vergeben, so dass der Ausfall eines Kollegen gleich das ganze Team ins Stolpern bringt.

So gerät Anne Walther in einen dauernden Kreislauf aus Krankheit und Angst: Ihre Rückenschmerzen stressen sie aus Furcht vor den Folgen so sehr, dass sie unter Schlafstörungen leidet, tagsüber unkonzentriert ist und sie sich schließlich noch mehr Sorgen um ihre Arbeit macht, weil sie nicht voll leistungsfähig ist. Dazu kommt das unangenehme Gefühl, die Firma und ihre Kollegen im Stich zu lassen. "Ich weiß doch, dass die anderen es ausbaden müssen, wenn ich nicht komme oder unaufmerksam bin."

Ein Neuanfang in einem anderen Unternehmen kommt für sie auch nicht in Frage. "Werde ich in der Probezeit krank, würde ich mich wieder nicht trauen, daheimzubleiben."

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  1. "Krank sein darf ich nicht"
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(sueddeutsche.de/mri)