Für viele künstlerisch Interessierte ist Bühnenbildner der Traumjob. Entsprechend groß ist der Andrang an den Akademien und Kunsthochschulen. Die Mehrzahl der Bühnenbildner hat aber Probleme, genügend Aufträge zu bekommen.

Für wenige hat der alte Theaterspruch von den Brettern, die die Welt bedeuten, so buchstäbliche Bedeutung wie für den Bühnenbildner. Er muss zusammen mit dem Regisseur dafür sorgen, dass die Vorstellungskraft des Autors Gestalt annimmt. Dabei fertigt er nicht nur Skizzen an - beim Bauen von Modellen und der Überwachung der Arbeiten hat er auch handwerkliches Verständnis zu beweisen.

buehnenbild_wien_ap

Bühnenbild für die Oper "La Juive" (Die Jüdin) von Fromental Halevy in der Staatsoper in Wien. (© )

Anzeige

"Der Beruf verlangt breite, geradezu universelle Kenntnisse", sagt Marina Hellmann, die als freischaffende Bühnenbildnerin unter anderem am Thalia Theater in Hamburg tätig ist. Wenn in dem aufzuführenden Stück etwa das Meer eine Rolle spielt, ist beim Entwurf der Szenerie unter Umständen auch Vertrautheit mit dem Schiffsbau oder mit den Eigenschaften des Wassers gefragt. "Allerdings reicht meist ein oberflächliches Wissen aus", so Marina Hellmann.

Der Alltag

Wichtigster Partner des Bühnenbildners ist der Regisseur: Zusammen entwickeln beide Vorstellungen, welches Gesicht die Aufführung bekommen soll. Da hier nicht selten Persönlichkeiten mit ausgeprägtem Selbstbewusstsein aufeinander prallen, handelt es sich um ein spannungsreiches Arbeitsverhältnis, in dem der Regisseur das letzte Wort hat.

Von dessen Offenheit für wechselseitige Inspiration hängt der Freiraum des Bühnenbildners ab. "Es macht wenig Spaß mit Leuten zusammenzuarbeiten, die alles besser wissen", sagt Marina Hellmann.

"Viele gehen dann aus Ärger auch den Weg, selbst Regisseur zu werden", ergänzt Reinhard Wust, fest angestellter Bühnenbildner am Hessischen Staatstheater in Wiesbaden.

Der Wunsch etwas von dem Ruhm abzubekommen spielt sicherlich eine Rolle. Denn in Zeiten des Regietheaters wird dieser meist dem Regisseur zu Teil. Ein Übermaß an Egozentrik tut freilich auch dem Bühnenbildner nicht gut, schließlich ist er im Verhältnis zu den Werkstätten oder zum Kostümbildner seinerseits auf vertrauensvolle Zuarbeit angewiesen.

Berufschancen

Noch schwerer ist der Schritt ins eigenverantwortliche Dasein als Bühnenbildner: "Viele sind dann Mitte 30. Das ist eigentlich viel zu spät", kritisiert Reinhard Wust. Der Wiesbadener ist als fest angestellter Bühnenbildner eine Rarität seines Berufsstandes.

Die Theater gehen zunehmend dazu über, Bühnenbildner nur noch projektbezogen im Doppelpack mit dem Regisseur zu verpflichten. "Als ich 1975 angefangen habe, gab es an unserem Theater fünf feste Bühnenbildner. Heute bin ich der einzige", so Wust.

Trotz des harten Konkurrenzkampfes spricht man dem Beruf des Bühnenbildners an der Technischen Universität (TU) Berlin gute Berufschancen zu - jedenfalls bessere als bei Architekten. "Schließlich gibt es rund 7.250 Theaterpremieren im Jahr", sagt Andrea Kleber, Professorin am Fachbereich Architektur.

Im Rahmen eines zunächst zweisemestrigen Aufbaustudiengangs werden an der TU Architekten zu Bühnenbildnern weitergebildet. Für die 25 Studienplätze des ersten Jahrgangs gab es laut Andrea Kleber rund 100 Interessenten.

Gehalt

Die Weiterbildung soll aber nicht zur weiteren Überqualifikation des Arbeitslosenheeres beitragen. Nach Überzeugung Andrea Klebers, die selbst als freie Bühnenbildnerin arbeitet, sind Architekten die besseren Bühnenbildner, da sie die Absolventen der Kunstakademien beim technischen Zeichnen und Modellbauen in die Tasche stecken: "Sie können auch besser räumlich denken. Schließlich sind ja auch Städte nichts anderes als große Bühnen."

Für den Entwurf eines Bühnenbilds werden nach Angaben von Marina Hellmann an einem mittleren Landestheater etwa 15.000 Mark brutto gezahlt - nicht übermäßig viel, wenn man bedenkt, dass von den ersten Vorarbeiten bis zur Premiere vier Monate verstreichen können.

Flinke und fleißige Vertreter ihres Fachs schaffen bis zu zehn Bühnenbilder im Jahr. Die Mehrzahl aber hat Probleme überhaupt an Aufträge zu kommen.

"Bühnenbildner ziehen meist als eingespieltes Team mit einem häufig älteren Regisseur durch die Republik", sagt Reinhard Wust. "Den Älteren sterben dann irgendwann ihre Regisseure weg."

Quelle: sueddeutsche.de/ dpaVom 23. Januar 2001

Leser empfehlen