Plagiatsvorwürfe gegen Bildungsministerin Schavans Dissertation ist "ein Grenzfall"

Einen Persilschein bekommt Annette Schavan nicht für die Zitierweise in ihrer Dissertation. Doch so schwerwiegend wie bei anderen namhaften Politiker sind ihre Vergehen nicht, sagt eine Aktivistin von "Vroniplag", die die Doktorarbeit bereits vor Monaten unter die Lupe genommen hatte.

Von Tanjev Schultz

Aktivisten der Internetplattform "Vroniplag" halten die Doktorarbeit von Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) für keinen klaren Plagiatsfall. "Er ist sehr an der Grenze", sagte die Berliner Informatik-Professorin Debora Weber-Wulff der Süddeutschen Zeitung. Es gebe Erklärungsbedarf, aber es handle sich nicht um "Riesenplagiate".

Weber-Wulff hat über Plagiate geforscht und gehört zu den Aktivisten von Vroniplag. Das Forum hat in den vergangenen Monaten Plagiate aus gut 20 Doktorarbeiten ins Internet gestellt. Das Ausmaß unsauberen Zitierens in Schavans Dissertation reiche bei weitem nicht an den Fall Karl-Theodor zu Guttenberg oder den anderer Politiker heran, die ihren Doktortitel verloren haben, sagte Weber-Wulff.

Am Mittwoch war die Analyse eines anonymen Bloggers bekannt geworden, der im Internet Plagiatsvorwürfe gegen die 32 Jahre alte Doktorarbeit Schavans erhebt. Auf dem Internetforum Vroniplag ist die Dissertation bereits vor Wochen analysiert und diskutiert worden, jedoch ohne Schavans Namen öffentlich zu nennen. Die Aktivisten fanden zwar fragwürdige Passagen, aber die Mehrheit stimmte am Ende dagegen, die Vorwürfe zu veröffentlichen. Nun hat ein Einzelner oder eine Gruppe den Verdacht auf eigene Faust publik gemacht.

Einige Passagen in Schavans Dissertation seien aus Sicht von Vroniplag durchaus problematisch, sagte Weber-Wulff. "Ich kann ihr keinen Persilschein ausstellen", sagte die Plagiatsexpertin. Innerhalb der kritischen Stellen gehe es jedoch oft nur um ein, zwei Sätze, bei denen die Quellen von Schavan nicht ganz korrekt angegeben worden seien.

Auf Bitten der Ministerin will die Universität Düsseldorf, an der Schavan promoviert hat, die Dissertation prüfen. Schavan zeigte sich zuversichtlich, dass ihr keine schwerwiegenden Fehler nachgewiesen werden können. Sie bestreitet, in ihrer Doktorarbeit unzulässig abgeschrieben zu haben. Schavan hatte nach dem Studium der Erziehungswissenschaft, Philosophie und Katholischen Theologie 1980 den Doktortitel erworben. Ihre Dissertation trägt den Titel "Person und Gewissen - Studien zu Voraussetzungen, Notwendigkeit und Erfordernissen heutiger Gewissensbildung".