Das ist kein Pranger und keine Ehrenstrafe, sondern wirkt nur dem Kollateralschaden entgegen, den die Veröffentlichung des Plagiates bewirkt: In all den Bibliotheken stehen Hunderte Plagiate als scheinbar wissenschaftliche Werke, sie werden rezipiert und verdrängen die Originale. Allerdings brauchen die Universitäten hierfür eine Ermächtigungsgrundlage - die in den Hochschulgesetzen erst zu schaffen wäre. In der Sache ist das nichts anderes als ein Produktrückruf wegen erheblicher Mängel.
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Professoren beschwichtigen
So sehr es zu begrüßen ist, dass der eine Fall und im Tatsächlichen atypische, an eine Köpenickiade erinnernde Fall zu Guttenberg nun zu einer gewissen Diskussion über die Rahmenbedingungen wissenschaftlicher Redlichkeit und Qualität führt, so deutlich sind Beschwichtigungsversuche zu erkennen, soweit es um den professoralen Plagiarismus geht. Der DHV-Präsident Kempen betont zu Recht, dass man die Großen nicht laufenlassen dürfe. Doch er sieht die Universität gut gerüstet: Bei "groben" Verstößen sei das Disziplinarrecht der meist beamteten Professoren einschlägig. Auch gebe es "glücklicherweise überall Ombudsleute und Kontrollkommissionen, die sich um Verstöße kümmern". Und weil es so viele Kümmerer gibt, passiert doch gerade: nichts. Persönlichkeitsschutz der Professoren sorgt für Anonymität.
Unter deren Schutz lassen sich zuerst eine ganze Reihe von Verstößen ignorieren; das Ausstellen von Persilscheinen ist eine hierzulande beherrschte Kulturtechnik. Erst wenn das Professorenplagiat an die Öffentlichkeit drängt und Kritik laut wird, dann reagiert die Wissenschaft. So war es bei einem namhaften Berliner Rechtswissenschaftler und einem seiner Kollegen aus Darmstadt: Sie erfuhren keine ernsthafte Sanktion, mehr als eine Rüge der Universität brauchten sie nicht zu fürchten. Und auch aus dem DHV wurden sie erst Jahre später herausgebeten.
Enttarnte Kopisten arbeiten weiter wie bisher
Enttarnte Kopisten arbeiten an deutschen Universitäten und es geschieht: nichts. Auch jene, die Dissertationsplagiate schrecklich finden, ertragen es willig, mit jenen zusammenzuarbeiten. Doch solange Abschriftsteller und solche, die Assistentenwerk für eigenes ausgeben, an den Unis beschützte Werkstätten genießen, wirkt der Eifer gegen Doktoranden doch etwas scheinheilig. Wer aus der Diskussion zu einer reformatio finden will, der darf beim Fegen die oberen Stufen nicht auslassen!
Der Autor lehrt Bürgerliches Recht an der Universität München und beschäftigt sich seit langem mit Plagiaten.
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(SZ vom 31.03.2011/holz)
Wie wäre es mit externen Gutachtern (Reading Committee) und Prüfern? Die den Doktoranden betreuenden Profs dürfen dann in der Prüfung beisitzen (ohne Stimmrecht) und dürfen nur bei aus ihrer Sicht groben Fehleinschätzungen ein offizielles Gutachten schreiben. Online-Veröffentlichungspflicht wäre auch gut, auch generell moralisch vertretbar, da ja in den meisten Fällen öffentliche Gelder als Finanzierung dienen. Zusätzlich sollten einfach auch Doktoranden eine digitale Version bei den Gutachtern einreichen müssen. Damit lösen sich folgende Probleme:
1. Gekoppelte hierarchische und notentechnische Abhängigkeit der Doktoranden, die zur Ausbeutung der Doktoranden (z.B. zu viel Lehre) führt, der man sich aber fügen muss, will man seine Chance auf gute Noten nicht vertun.
2. Vergabe von Doktorgraden aus Gefälligkeit (abgesehen von Netzwerken der old boys, aber das kann man ohnehin nicht verhindern, nur so wird es schwieriger).
3. Bei Veröffentlichungen aus der Dissertation heraus wissen nun
4. Aktuell faktisch kaum mögliche Prüfung einer Dissertation (außer via aufwändiger Fernleihe) wird möglich.
5. Dreisteste Plagiate werden evtl. per Software erkannt, allerdings aktuell leider nur mit p(Erkennen)=0.7 ...im besten Fall.
6. Es wären endlich die im Ausland gängigen Hausberufungen möglich, da sich ein Prüfling damit dann ja extern bewährt hat.
Meinungen?
Jetzt erschließt sich mir, warum der Doktorvater seinen "eigenen" Text in der weniger von von und zu Guttenberg verfassten nichtmehr-Doktorarbeit nicht wiedererkannt hat.
Warum werden solch wenig ehrenwerten Herrschaften weiterhin Gehälter und Pensionen bezahlt.
Wann geht unserer blinden Justiz endlich ein Licht auf?
ist es nicht so, das laut Handelsblatt es immer mehr Doktorarbeiten gibt die aus dem Internet heraus, abgeschrieben und kopiert sind.
Dies ist nicht nur in Deutschland so, sondern Europa weit. Herr Guttenberg ist kein Einzelfall.
Wenn man sich die Themen die in der Fachzeitschrift Capital veröffentlicht wurden anschaute, musste man sich an den Kopf langen, welche Themen hier zum Doktor führten.
Föderantrag hin oder her, hier ist ein System aus den Fugen geraten ohne Kontrolle.
Legt heute eine Person mir eine Vistenkarte hin mit einem Dr. XY ,dann glaub ich Ihm nicht mehr, dank des Freiherren und dem Bericht im Handelsblatt.
Schöne deutsche Wissenschaft, man kann Sie auch so kaputt machen und in Ihrer Glaubwürdigkeit erschüttern. Wo ist hier die Tugend die wir angeblich haben , hatten die Ehrlichkeit und den Respekt vor der Wissenschaft, wohl mit Füssen getreten.
Als Student habe ich an einem renommierten Universitätsinstitut gearbeitet. Alle Veröffentlichungen hatten als ersten Autor den Herren Professor zu benennen, obwohl dieser nicht einmal alle Aufsätze las. Wer dies nicht tat, bekam Schwierigkeiten.
Aus einer meiner Arbeiten wurden Teile herausgeschnitten, da sie diesen Herrn Professor und sein Wirken kritisch betrachteten.
An der Universität wird indirekt vermittelt, wie man Karriere macht, wie man sein Berufsleben "erfolgreich" gestaltet. Professoren sind halt auch so etwas wie Vorbilder.
Der Beitrag unterschätzt meines Erachtens einen wichtigen Grund für diese Doktroanden/Assistenten-Ausnutzung: die Art und Weise, wie wichtige Geldgeber (DFG vor allem, auch DFG, EU, ...) arbeiten. Dort wird letztlich Personenkult betrieben, und die Qualität einer Arbeitsgruppe an der Qualität des Professors festgemacht. Wenn ich einen Antrag an die DFG schicke, dann muss ich dort bisherige Vorarbeiten darlegen. Es nützt gar nichts, wenn das tolle Paper sind aus meiner Arbeitsgruppe, von meinem Doktoranden gemacht, aber mein Name nicht auf dem Paper steht. Obwohl allen klar ist, dass der Professor nicht die Arbeit macht, wird an dieser Person die Kontinuität fest gemacht.
sprich: ich werde de facto durch die Förderinstrumente gezwungen, meinen Namen auf Papers zu schreiben, an denen ich bestenfalls durch Diskussion mit Doktoranden beteiligt war oder Korrektur gelesen habe. Schön ist das nicht, aber so ist die Realität.
Schönen Gruß,
H. Karl
PS: den DHV nehme ich seit der Guttenberg-Affäre nicht mehr Ernst; ich bin da ausgetreten.
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