Hauptschulen in der Diskussion
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Pisa-Forscher Prenzel bemängelte, dass in Deutschland jedes Bundesland dazu neige, ein eigenes Schulsystem zu erfinden. Dabei habe der Osten gezeigt, dass sich mit einem relativ einfachen zweigliedrigen Modell gute Erfolge erzielen ließen. "In der Schweiz würde kein Kanton auf die Idee kommen, sein eigenes Schulsystem zu erfinden", sagte Prenzel.
SPD-Politiker, Grüne und Gewerkschafter forderten, die Hauptschulen abzuschaffen. "Wir müssen das Augenmerk auf die Risikoschüler legen und nicht auf deren Lernort", versuchte Sachsen-Anhalts Kultusminister Jan-Hendrik Olbertz (parteilos) die Diskussion über die Schulstruktur zu beruhigen. Doch solle man sich das sächsische Modell mit Gymnasium und Mittelschule ruhig genauer ansehen, empfahl Olbertz.
Die Pisa-Daten könnten auch eine Debatte über die Öffnung der Gymnasien auslösen. Denn die Forscher widerlegten ein verbreitete Sorge, wonach die Leistungen zwangsläufig sinken würden, wenn mehr Jugendliche eines Jahrgangs aufs Gymnasium wechseln. Dies ist im Vergleich der Länder aber nicht der Fall. In Berlin beispielsweise besuchen mehr als 36 Prozent der 15-Jährigen ein Gymnasium, in Niedersachsen nur 29 Prozent. Die Leseleistungen der Berliner Gymnasiasten sind jedoch besser.
Breit gestreute Leistungen
Und in Mecklenburg-Vorpommern blieben die Leistungen der Gymnasiasten seit 2003 stabil, obwohl der Anteil der 15-Jährigen, die aufs Gymnasium gehen, in dieser Zeit um 6,2 Prozent gestiegen ist. Bei diesem Zustrom das Kompetenzniveau zu halten, "sei durchaus keine Selbstverständlichkeit", würdigten die Wissenschaftler dieses Ergebnis.
Viele Realschüler hätten offenbar auch wenig Mühe, mit den Anforderungen im Gymnasium mitzuhalten. In Baden-Württemberg beispielsweise erreichen etwa 15 Prozent der Realschüler Pisa-Werte, die über dem mittleren Niveau der Gymnasien liegen. Besonders breit gestreut sind die Leistungen an Gesamtschulen, dort gibt es etwa in Nordrhein-Westfalen sowohl extrem schwache als auch sehr starke Schüler. Groß sind bei Gesamtschulen zudem die Unterschiede zwischen einzelnen Schulen - an einigen Gesamtschulen sind die Leistungen recht ordentlich, an anderen miserabel.
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(SZ vom 19.11.2008/bön)