PH.D statt Promotion Auswandern für den Doktortitel

Auf Augenhöhe mit dem Professor und ein international anerkannter Abschluss: Warum Deutsche immer öfter lieber den internationalen "Ph.D." als den deutschen Doktor wählen.

Von C. Schniedermann

Promovieren, ja oder nein? Wenn nach dem Studienabschluss diese Möglichkeit erwogen wird, geht es oft um diese Fragen: Sind die Noten gut genug, welcher Professor betreut die Arbeit, welches Thema wird es sein, reicht das Geld für die Zeit der Promotion. Oft genug klagen Doktoranden über schlechte Betreuung, zu viel Arbeit am Lehrstuhl, zu wenig Forschungsfreiheit - und mitunter kann es fünf bis sechs Jahre dauern, bis man den "Dr." vor seinen Namen schreiben darf. Derartige Gründe bringen immer mehr Studierende auf die Idee, ihren Ph.D. (philosophiae doctor), den häufigsten Doktorgrad in englischsprachigen Ländern, im Ausland zu machen.

So nimmt die 24-jährige Sarah Giest seit September an einem Ph.D.-Programm an der Simon Fraser University im kanadischen Vancouver teil. Sie findet, das deutsche Doktorandenstudium orientiere sich zu sehr an nur einem Professor. "Da bringt man sich schnell in Abhängigkeit", sagt Giest, die in Bonn Politische Wissenschaft studiert hat. Oft gehe auch wertvolle Zeit für die Dissertation verloren, wenn zu viele Aufgaben für den Professor oder am Lehrstuhl zu erledigen sind, meint sie.

"Man ist hier mit den Dozenten mehr auf Augenhöhe", sagt auch Maresa Edbauer, 24, über ihr Ph.D.-Studium an der Universität von Sydney. In Deutschland fühle man sich oft als "Untergebener" und könne froh sein, "wenn der Professor auf E-Mails antwortet". In Australien dagegen versuche der Dozent, gleichwertiges Arbeiten am Projekt zu gewährleisten. "Das macht das Studium gleich viel angenehmer." Im Ph.D.-Programm an der Universität Sydney konzentriere man sich als Ph.D.-Student vollkommen auf die Forschung und müsse nur wahlweise am Lehrstuhl mithelfen.

In der Regel dauert ein Ph.D.-Programm drei bis vier Jahre. Es heißt, die Diskussionskultur mit vielen Professoren, die eigenen Forschungsmittel und die gute Betreuung, die gleichzeitig eigenständiges Arbeiten ermöglicht, seien Pluspunkte der Ph.D.-Programme gegenüber der deutschen Promotion.

Auch die Frage nach dem Ziel - was will man mit einer Promotion erreichen -, sei entscheidend, sagt Hilke Plassmann. Die 34-Jährige ist seit zwei Jahren Professorin im Bereich Marketing im französischen Fontainebleau. "Wer in die Forschung gehen will, dem würde ich raten, einen Ph.D. und keinen Doktor zu machen", sagt die Betriebswirtin, die selbst in Münster promoviert wurde und anschließend nach Stanford/USA, ging. Denn, so Plassmann: "Als ich in den USA war, habe ich bemerkt, dass ich einiges während meiner Promotion nicht gelernt hatte, was aber für meinen weiteren Weg wichtig war." Aus heutiger Sicht, da sie als Professorin im Ausland tätig ist, wäre ein Ph.D. vielleicht die bessere Wahl gewesen, sagt Plassmann.

Ph.D. hinter den eigenen Namen schreiben zu dürfen, sei für Deutsche noch eine absolute Rarität, sagt Sarah Giest. Daher glaubt sie, dass der Ph.D. Absolventen vor allem attraktiver für den Arbeitsmarkt machen könne. Allmählich wächst jedoch die Zahl deutscher Universitäten, die in einzelnen Promotionsstudiengängen diesen Grad verleihen. Oftmals geschieht dies in Kooperationsprojekten mit Unis im Ausland. Tendenz steigend. Außerdem richten immer mehr deutsche Unis strukturierte Promotionsprogramme ein, in denen Wert auf gute Betreuung gelegt wird.

Der Ph.D., glaubt Maresa Edbauer, sei als international anerkannter Grad besser als ein klassischer deutscher Doktortitel ist. Edbauer und Giest schätzen außerdem den Aufenthalt in einem fremden Land - um die Mentalität der Menschen, andere Auffassungen und vor allem auch neue Perspektiven der Wissenschaft kennenzulernen.

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