SZ: Es läuft also alles viel humaner ab?
Anzeige
Schmidt: Zumindest hat sich in den letzten Jahren einiges verbessert. Noch vor zehn Jahren wurde bei einem großen Automobilkonzern bei der Weihnachtsfeier ein Organigramm der gerade umstrukturierten Abteilungen präsentiert, und einige Manager entdeckten einen Kringel um ihren Namen. Auf Nachfrage hieß es, mit ihnen habe man etwas Besonderes vor, im neuen Jahr werde man Einzelgespräche zu Vorruhestandsregelungen und Abfindungen führen. Keiner war darauf vorbereitet gewesen. Bis heute spricht man in dieser Firma von "Kringel-Managern". Solche abschreckenden Beispiele sind seltener geworden.
SZ: Trotzdem wird eine Kündigung auch heute noch als Scheitern erlebt.
Schmidt: Ja, aber das ist falsch. Früher wurde in der Regel wegen Fehlverhaltens oder Minderleistung gekündigt. Heute gibt es meist eine Quote: Zum Beispiel müssen zehn Prozent der Belegschaft abgebaut werden. Da geht es oft um ganz andere Überlegungen als um die Leistung des Einzelnen. Sicher ist auch mal einer dabei, den man ohnehin loswerden wollte. Aber oft trifft es gerade die, von denen man sich eigentlich ungern trennt.
SZ: Das ist doch genauso schlimm.
Schmidt: Ja. Und ich habe auch noch nie einen Menschen getroffen, der händereibend so einen Job gemacht hat - selbst wenn es um einen ungeliebten "Low Performer" ging. Allerdings muss ich fairerweise sagen: Zu unseren Kunden gehören naturgemäß nur solche Firmen, die auch in dieser Phase achtsam mit Menschen umgehen. Die anderen lernen wir gar nicht kennen.
SZ: Wie geht es Vorgesetzten, die viele Kündigungen aussprechen müssen?
Schmidt: Nach dem Gespräch befinden sie sich meist in großer Aufregung. Sie müssen vor ihre Mitarbeiter treten und die richtige Umgehensweise mit dem Ausscheidenden vorgeben. Darüber machen sich die meisten vorher gar keine Gedanken. Viele Fragen müssen geklärt werden: Wie geht es jetzt in der Abteilung weiter? Gibt es eine Zwei-Klassen-Gesellschaft? Bleibt der Gekündigte vorerst an Bord und übernimmt administrative Aufgaben, während mit den anderen die Zukunft gestaltet wird? Oder sind wir weiterhin eine Mannschaft?
SZ: Wie viele Unternehmen, die Personal abbauen, nehmen überhaupt Outplacement-Beratung in Anspruch?
Schmidt: Das ist schwer zu sagen. Wir haben jedenfalls viel zu tun, und es wird immer mehr. Allerdings unterscheiden wir Outplacement und Newplacement. Der Begriff Outplacement ist unglücklich gewählt. Out heißt raus oder weg und klingt so, als gehöre jemand ab jetzt nicht mehr zur Arbeitswelt dazu.
Sie sind jetzt auf Seite 2 von 2
- Psychologie für Führungskräfte Gefühlstraining für Chefs 26.02.2010
- Motivation von Mitarbeitern Lob vom Chef - verzweifelt gesucht 26.02.2010
- Krise auf dem Arbeitsmarkt Kündigen ist am einfachsten 19.02.2010
- Bagatellkündigung Im Müll gewühlt, Job weg 19.02.2010
- Kündigung wegen Kritik Chef-Bashing im Internet 11.02.2010
- Urteil zu Bagatellkündigung Keine Kündigung wegen 80 Cent 11.05.2010
- Maultaschen-Klau "Es wurde höchstens die Abfallmenge reduziert" 30.03.2010
(SZ vom 27.02.2010/holz)
Gewalt in Syrien
@Nicknorris: "Nur politisch korrekt ein Land zu führen, daran haperts gewaltig. "
Die Erfinder, Verbreiter und bis heute Torwächter des "politisch Korrekten" haben eigens die Weichen für die deutsche Hire and Fire-Mentalität gestellt!
"Allerdings unterscheiden wir Outplacement und Newplacement. Der Begriff Outplacement ist unglücklich gewählt. Out heißt raus oder weg und klingt so, als gehöre jemand ab jetzt nicht mehr zur Arbeitswelt dazu. "
Ja genau. Wie machen wir eien Euphemismus noch ein Stück euphemistischer. So was widerliches! Nennt das Kind doch wenigstens beim Namen, anstatt sich feige hinter irgendwelchen Wortschöpfungen zu verstecken.
Und vorher schwurbelt sie noch davon das Vorgesetzte am besten keine Ausflüchte suchen sollten sondern dem betroffenen direkt sagen sollen was Sache ist. Solche Leute kann ich echt nur verachten!
Wenn man in seinem Job wirklich gut ist, gibt es übrigens keinen besseren Kündigungschutz, wenn man(n) von heute auf morgen zu einem anderen Arbeitgeber wechseln kann/darf!
.
.
Paging