Online-Spiele für Frauen Die Frauen fehlen überall

Die gebürtige Russin Irina Galtsova, die schon zu Schulzeiten leidenschaftlich bastelte, steht seit sechs Jahren auf der Payrole der Hanseaten. Sie gestaltet Banner, produziert Grafiken, mischt elektronisch Farben, entwirft Charaktere, zeichnet am Bildschirm Spielwelten. Zusätzlich arbeitet sie an Produktideen mit. Vorher hatte sie zwei Jahre Grafikdesign für Werbung in Sankt Petersburg und Moskau studiert.

Einen Königsweg zum Erlernen des Berufs gibt es nicht. Manche haben Informatik oder Kommunikationswissenschaften studiert. Doch letztlich kommt es ohnehin auf Eigenschaften wie technisch-visuelle Begabung und Einfühlungsvermögen an: "Die meisten Spiele für Frauen sind emotional sehr aufgeladen, sollen den Nerv der Kundinnen treffen", erläutert Galtsova. "Wie man das erreicht, weiß eine Frau als Spieleentwickler möglicherweise besser." Daher werden die Frauen im Team oft um eine Einschätzung gebeten. Ansonsten gebe es kaum einen Unterschied zwischen männlichen und weiblichen Kollegen. Die Diplom-Designerin fühlt sich im Team akzeptiert: "Ich muss nicht um Anerkennung kämpfen, werde immer gehört. Wir treffen gemeinsam Entscheidungen."

Anton Denisov, Leiter der Entwicklungsabteilung, entdeckt bei Kolleginnen - neben Irina gibt es zehn weitere Entwicklerinnen in seinem Team - weitere Vorteile als Bereicherung: "Vieles in der Computerwelt, was für Programmierer selbstverständlich ist, wird von weiblichen Kollegen hinterfragt. Das ist gut, weil es verhindert, dass in Frauen-Games plötzlich Verständnishürden auftreten, an denen Frauen das Spiel abbrechen." Ein Spiel zu entwickeln sei ohnehin Teamwork: "Eine tolle Idee nützt gar nichts, man braucht eine Mannschaft, die sie in ein Spiel umsetzt."

Zu der Mannschaft gehört die 31 Jahre alte Alla Khramtsova. Auch sie kommt aus Russland, ist seit fünf Jahren bei Intenium und vermarktet die Spiele, die Irina entwickelt. Mit zwei Hochschulabschlüssen in Englisch und Ökonomie und einem Studienaufenthalt in den USA ist sie ein Glücksfall für die Firma. Frauen mit einer solchen Ausbildung sind in der Games-Branche schwer zu bekommen.

Dabei ist die Arbeit in der Branche spannend und vielfältig: Bis ein Spiel entsteht, sind etliche Schritte notwendig. Die Kreativen suchen für Frauen interessante Themen, etwa Reisen oder Garten, und entwickeln ein Szenario, einen Plot. Der wird mit Kollegen besprochen. An einer Art virtuellem Schwarzen Brett wächst die Idee. Dann zeichnen Grafiker erste Stimmungsbilder, bei Spielen für Frauen vorwiegend in weichen Farben.

Landschaften sind idyllisch, Kleider bunt, die Töne leiser und die Taktung langsamer als bei Games für Männer. Das Spiel muss schnell zu verstehen sein. "Frauen reagieren eher spontan", sagt Galtsova. "Deswegen muss schon das Äußere eines Spiels Frauen ansprechen. Man fesselt oder verliert eine Spielerin in der ersten Minute." Und danach? "Um eine Frau dauerhaft zu interessieren, muss man durch die Grafik und das Geschehen positive Emotionen hervorrufen. Das ist ein schmaler Grat, den man nicht berechnen kann. Das kann man nur erfühlen."