Online-Spiele für Frauen Mehr als Pastellfarben und Weichzeichner

In den kreativen Abteilungen der Game-Firmen fehlen Expertinnen, die Computerspiele speziell für Frauen entwickeln.

(Foto: AFP)

Ein wachsender Markt: Immer mehr Frauen interessieren sich für Online-Spiele. Doch in den kreativen Abteilungen der Game-Firmen fehlen Expertinnen. Nun suchen die Unternehmen intensiv nach Entwicklerinnen, die verstehen, was Kundinnen wirklich wünschen.

Von Jürgen Hoffmann

Irina Galtsova muss sich konzentrieren. Macht sie einen Fehler, können die Bewohner der Insel Bonga keine Palmen mehr pflanzen, nicht mehr töpfern oder fischen. Zudem würde Hunderttausenden Frauen der Spaß am Spielen vergehen.

Die 29-Jährige ist Entwicklerin bei der Hamburger Computer-Spielefirma Intenium. Das Unternehmen bringt im Schnitt jeden zweiten Tag ein Spiel auf den Markt. Zudem ist Intenium mit 90 Mitarbeitern - davon 18 Frauen - einer der größten deutschen Spiele-Anbieter für weibliche Fans. In Studios an der Elbe und im russischen Kaliningrad werden speziell Games für Spielerinnen, eine stark wachsende Zielgruppe, erfunden. 25 Millionen Deutsche spielen regelmäßig Games, davon sind laut Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware (BIU) elf Millionen Frauen.

In Games für die weibliche Zielgruppe wie Alamandi, Lady Popular, Farmerama oder Bonga Online wird nicht gekämpft und geschossen, sondern geflirtet und gebastelt, miteinander und nicht gegeneinander gespielt. Es werden Rätsel oder Krimis gelöst, Dinge erschaffen und nicht zerstört. Entspannung und Ablenkung stehen im Vordergrund.

Von Bigpoint über Wooga bis Zynga - fast alle Anbieter lassen digitale Welten von Männern kreieren. Frauen sind in den Entwicklerteams die Ausnahme. Noch. Die Unternehmen suchen nach Programmiererinnen: "Wir brauchen den weiblichen Einfluss in den Entwicklungsteams", sagt Christina Barleben, freiberufliche Game-Designerin in Berlin. Sie will ein eigenes Studio aufmachen.

Auch Maximilian Schenk, Geschäftsführer des BIU, meint: "Frauen wissen eher, was andere Frauen wollen und welche Geschäftsmodelle bei ihnen funktionieren." Selbst unter männlichen Entwicklern weiß man um das begrenzte Einfühlungsvermögen. So bestätigt Arne Blumenberg von den Goodgame Studios in Hamburg, dass es nicht immer einfach sei, sich in "weibliche Universen" einzufühlen: "Das aber ist notwendig, wenn man ein Produkt für eine bestimmte Zielgruppe entwickelt". Der 27-Jährige spricht viel mit Kolleginnen. TV, Filme oder Zeitschriften sind weitere Inspirationsquellen: "Alles in Rosa zu gestalten reicht nicht."

Bisher beträgt der Anteil der Frauen in der Branche laut BIU weniger als 20 Prozent. An der Nachfrage liegt das nicht, vielmehr am Angebot auf dem Arbeitsmarkt. So holen viele Firmen Programmiererinnen aus dem Ausland. Auch Intenium.