Komplexe Finanzwelt

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In der Bildungspolitik haben die Forderungen der Wirtschaftsverbände bisher wenig Anhänger. Zwar bekennen sich alle dazu, dass die ökonomische Bildung zum Auftrag der Schule gehöre. Darauf hat sich auch die Kultusministerkonferenz geeinigt. Aber mit der Umsetzung hält es jedes Bundesland im föderalen Bildungssystem anders.

Sieht man von Bayern und Niedersachsen ab, gibt es in kaum einem Bundesland ein eigenes Fach Wirtschaft an allgemeinbildenden Schulen. Stattdessen wird die Thematik in andere Fächer wie Geschichte, Erdkunde, Politik oder Wissenschaft integriert. Was damit im täglichen Unterricht geschieht, liegt bei den Fachlehrern, die oft wenig von Wirtschaft verstehen. Also scheuen sie sich erst recht, sich der komplexen Finanzwelt anzunehmen. Selbst in diesen Wochen, in denen die Krise allgegenwärtig ist, gibt es viele Schüler, die darüber auf dem Schulhof reden müssen - weil das Thema im Unterricht keine Rolle spielt.

Werbeveranstaltungen der Industrie

Weil sie das Wissen um die Ökonomie in die Schulen bringen wollen, bieten Wirtschaftsverbände auch Fortbildungen für Lehrer an. Diese sollen dann mit den Grundzügen der Marktwirtschaft vertraut gemacht werden, vielleicht zu vertraut, denn Lehrer, die an solchen Fortbildungen teilgenommen haben, klagen, es handele sich dabei auch um Werbeveranstaltungen der Industrie und des Handels. Und auch an den Lehrmaterialien von Firmen für den Wirtschaftsunterricht entzündet sich Kritik, weil sie Schüler subtil beeinflussen könnten.

Die Öffnung der Schulen für Unternehmen begrüßen dennoch fast alle Bildungspolitiker. Der Forscher Hans Kaminski, der das Institut für Ökonomische Bildung an der Universität Oldenburg leitet, hält die Projekte der Industrie aber allenfalls für eine Ergänzung: "Wir brauchen ein Pflichtfach Wirtschaft, weil alle Schüler ein Recht auf eine ökonomische Bildung haben", sagt er. Ein fundierter Unterricht erfordere kompetente Fachlehrer, und für diese brauche es Studiengänge an den Hochschulen. Für beides stellten Politiker allerdings nur Geld bereit, wenn es tatsächlich auch ein Unterrichtsfach "Wirtschaft" an allen Schulen gebe. Ohne Investitionen geht es also auch hier nicht.

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(SZ vom 16.10.2008/bön)