Wer die Finanzkrise verstehen will, braucht ein Grundwissen über Ökonomie. In Deutschland steht Wirtschaft aber nur selten auf dem Lehrplan. Was Inflation ist, können viele Schüler nicht erklären.
Das, was man gemeinhin Globalisierung nennt, erreicht die Schüler in Döffingen bei Stuttgart von der zehnten Klasse an. Dann beschäftigen sie sich mit Wirtschaft; und so lernen sie nun, warum eine Finanzkrise in den USA auch Ersparnisse, Renten und Arbeitsplätze der Döffinger Bürger gefährden könnte.
Schulklasse: Lehrer scheuen sich häufig, im Unterricht die komplexe Finanzwelt zu behandeln. (© Foto: dpa)
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Beigebracht wird ihnen das nicht nur von ihrem Lehrer und Schulleiter Bruno Metzger, auch Mitarbeiter der Sparkasse kommen in den Klassenraum. Sie wollen den 22Schülern der Klasse 10a beim "Planspiel Börse" Finanzwissen vermitteln, um sie, wie es heißt, zu "mündigen Bürgern" zu erziehen.
Prinzipien der sozialen Marktwirtschaft
Das ist nicht wirklich neu, Börsenspiele haben die deutschen Banken schon lange in Schulen angeboten. Neu ist jetzt, dass die Börsen nichts mehr sind, was man als Spiel sehen möchte; und deshalb haben auch die Schüler andere Fragen, wenn die Bankberater in ihre Klassen kommen. Und Schulleiter Metzger hat derzeit seine liebe Not, den Döffinger Schülern zu erklären, wieso der Staat für die Milliardenverluste von risikofreudigen Banken aufkommen soll.
Zu den Prinzipien der sozialen Marktwirtschaft gehören Selbständigkeit und Eigenverantwortung, hat Metzger ihnen stets gesagt. Und nun muss er ihnen eine Krise erklären, in denen die Spielregeln andere sind. Immerhin aber haben Metzgers Schüler schon vor der Krise etwas über die Marktwirtschaft erfahren, und das ist nicht die Regel. Obwohl wirtschaftliche Kenntnisse für das tägliche Leben immer wichtiger werden, steht es um die ökonomische Bildung an Deutschlands Schulen nicht sonderlich gut.
Wirtschaft als Unterrichtsfach
Wirtschaftsverbände drängen daher auf Reformen. Und der Bankenverband wirbt für ein Schulfach "Wirtschaft" vom ersten Schuljahr an. Argumente lieferte ihm im Sommer eine Schülerbefragung: Lediglich vier von zehn Jugendlichen konnten den Begriff Inflationsrate erklären, nur jeder Dritte war in der Lage, die Logik von Angebot und Nachfrage zu beschreiben. "Wir wollen nicht jeden Schüler zum Betriebswirt machen, aber Wirtschaft zu einem Teil der Allgemeinbildung", sagt Manfred Weber, Geschäftsführer des Bankenverbands.
Neue Untersuchungen lassen zwar erkennen, dass die ökonomische Bildung sich in den vergangenen Jahren in Deutschland schon etwas verbessert hat. Auch die Schulbücher haben sich verändert, wirtschafts- oder marktfeindliche Ideologien, die in den siebziger Jahren noch zu finden waren, sind aus den Lehrmaterialien verschwunden. Doch während Schülern zum Beispiel in Schweden unternehmerisches Denken und Selbstverantwortung vermittelt werden, kommen hierzulande Unternehmer vor allem in den Geschichtsbüchern beim Thema "Industrielle Revolution" vor.
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Ideologie ist immer das, was die anderen sagen.
Die 5 Wirtschaftsweisen fordern erhöhte Ausgaben für die Infrastruktur. Die Linkspartei fordert ein konjunkturprogramm mit Ausgaben für Schulen, Unis, Straßen. Ich bin mir nicht sicher ob beides, eigentlich das selbe, was nützt. Für Sie ist das "populistischen Versprechen à la Konjunkturprogramme der Linkspartei". Das wird unsere Profs von den Weisen aber freuen.
Genau sowas wie Ihre Replik meinte ich, als ich behauptete, dass gerade die, die sich selbst als unideologisch verstehen Ideologie am ungeniertesten, da ohne Selbsteinsicht, verbreiten.
Ich weiss nicht, ob Sie mit Ihrer Einschätzung zu z.B. den Vorschläge der Linken Recht oder Unrecht haben. Ihr Beitrag lässt mich aber vermuten, dass Sie nicht von dem Gedanken angekränkelt sind, dass Sie Unrecht haben könnten. Das macht ihre Haltung zur Ideologie. Und sowas will ich nicht an Schulen haben.
Mittlerweile kann man ohne sich all zu weit aus dem Fenster zu lehnen behaupten, ein durchschnittlicher Mensch hat eine vernünftigere Vorstellung von der Wirtschaft als die tausenden BWL-Studenten die unsere Hochschulen seit Jahren ausgespuckt haben.
Die Schule muss wieder weg von diesem Wahn alle Dinge die die Industrie/Wirtschaft für nützlich hält in den Lehrplan auf zu nehmen. Die Fähigkeit Probleme zu Abstrahieren muss vermittelt werden, und nicht ein Spezialfach nach dem anderem gepaukt werden.
...der vielen Kriege in der Welt wäre ein neues Fach wie "Militärgeschichte und -taktiken" nicht schlecht...
...oder bringt vielleicht alles nichts in der deutschen Schule, wenn die Erziehung zur Oberflächlickeit nicht langsam aufhört...?
Lieber Rallmans,
nach Ihrem Argument darf man außer vielleicht Mathe gar nichts mehr an der Schule unterrichten, denn wie sieht ideologiefreier Politikunterricht aus? Oder ideologiefreier Deutschunterricht? Worauf die Schule viel mehr Wert legen sollte (in allen Fächern), wäre die Darstellung konkurrierender Ideen und nicht eine einzige "seligmachende" Wahrheit. Konkurrierende Ideen gibt es nun mal in fast allen Fächern und deren Diskussion sollte Bestandteil jedes Unterrichtsfaches sein.
Auch die bösen Ökonomen sind sich nicht in allem einig -im Gegenteil, ein bekanntes Bonmot des Fachs geht ungefähr "vier Ökonomen = fünf Meinungen zu einem Thema!".
Also, erstmal den Beißreflex ausschalten und auch über die Vorteile einer ökonomisch gebildeteren Bevölkerung nachdenken, die sich nicht von populistischen Versprechen à la Konjunkturprogramme der Linkspartei an der Nase herumführen läßt - allein das wäre doch schon Grund genug, mehr ökonomische Bildung in der Schule zu befürworten, oder?
Ich habe in Wirtschaft und Recht Abitur gemacht und hatte nicht das Gefühl, dass eine Ideologie verbreitet wird, obwohl wir natürlich die Marktwirtschaft besonders betrachtet haben, aber z.B. die Planwirtschaft ebenso erörtert wurde (mit pro und kontra).
Es ist doch ein Unterschied ob etwas erklärt wird oder als das einzig Wahre beschrieben wird. Das hängt in erster Linie von den Lehrern ab, da es eine eindeutige Objektivität schlichtweg nicht gibt.
Für mich fängt Ideologie im Unterricht da an wo versäumt wird den Schülern kritisches Denken und eine vernünftige Diskussion nahezulegen. Dies war meines Empfindens nach nicht der Fall.
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