OECD zum Internationalen Frauentag Was Frauen im Job hilft - und was sie hemmt

Anlässlich des Weltfrauentags hat die OECD zusammengetragen, wie es in verschiedenen Ländern um die Gleichberechtigung bestellt ist. Deutschland schneidet nicht besonders gut ab.

(Foto: imago/Westend61)

Teilzeitarbeit, Kinderbetreuung, Steuerpolitik: So schneidet Deutschland im internationalen Vergleich ab. Ein Überblick zum Internationalen Frauentag.

Von Annette Zoch

Wirtschaftlicher Erfolg ist weiblich, davon ist Monika Queisser überzeugt. Wollen die alternden westlichen Industrienationen wettbewerbsfähig bleiben, müssen sie ihre Frauen stärker in Arbeit bringen. "Diese Erkenntnis wird nirgends mehr in Zweifel gezogen", sagt die Leiterin der Abteilung Sozialpolitik bei der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Zum Internationalen Weltfrauentag an diesem Dienstag hat die OECD zusammengetragen, was Frauen im Job hilft und was sie hemmt. Ein Überblick.

Berufstätigkeit

Die absolute Beschäftigung von Frauen hat deutlich zugenommen, Frauen arbeiten allerdings viel häufiger in Teilzeit. Im Jahr 2014 waren elf Millionen Frauen Teilzeit beschäftigt, doppelt so viele wie 1991.

Unbezahlte Arbeit

Auch Haus- und Erziehungsarbeit wird in der OECD-Statistik als Arbeit definiert, allerdings als unbezahlte. Demnach sind Frauen in durchweg allen OECD-Staaten benachteiligt, weil sie deutlich mehr unbezahlte Arbeit leisten als Männer.

In Deutschland verbringen Frauen im Schnitt 181 Minuten am Tag mit bezahlter Erwerbsarbeit. Bei Männern sind es 282 Minuten. Frauen verrichten darüber hinaus 269 Minuten am Tag unbezahlte Tätigkeiten, Männer widmen sich diesen nur 164 Minuten lang.

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Vergleichsweise viel unbezahlte Arbeit übernehmen die norwegischen Männer (180 Minuten, 210 die Frauen), am unteren Ende der Statistik finden sich die Koreaner, die nur 45 Minuten am Tag zu Hause mithelfen, während ihre Frauen 227 Minuten erledigen.

Unbezahlte Arbeit ist dann gleichmäßiger verteilt, wenn die Erwerbsbeteiligung von Frauen höher ist. In Norwegen liegt der Erwerbsanteil von Frauen zum Beispiel bei fast 75 Prozent - in der Türkei hingegen liegt er nur bei unter 30 Prozent. Türkische Frauen verrichten 377 Minuten unbezahlte Arbeiten, ihre Männer nur 116 Minuten.

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Kinderbetreuung

Die Betreuungsquote von Kleinkindern hat sich in Deutschland seit Mitte des vergangenen Jahrzehnts verdoppelt. 2013 gingen mehr als 30 Prozent der Kinder zwischen null und zwei Jahren in Kitas oder Krippen, gegenüber nur etwa 15 Prozent im Jahr 2006. "Deutschland verzeichnet hier einen sehr beeindruckenden Fortschritt", sagt Monika Queisser. Kein anderes Land habe hier so ausgebaut. Inzwischen liege Deutschland nah am OECD-Schnitt mit etwa 34 Prozent.

In einem Drittel der OECD-Länder gibt es inzwischen zehn oder mehr Wochen bezahlten Vaterschaftsurlaub. Der Anteil der Väter, die in Deutschland Elternzeit nehmen, liegt bei etwa 27 Prozent. In Frankreich, kinderpolitisch so gerne als Vorbild erwähnt, liegt dieser Anteil nur bei rund vier Prozent.

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Arbeitende Mütter

Die Wahrnehmung hat sich verändert: Waren im Jahr 2002 noch fast 40 Prozent der Westdeutschen der Ansicht, Mütter von Kleinkindern sollten gar nicht arbeiten, waren dieser Ansicht im Jahr 2012 nur noch 22 Prozent. In der öffentlichen Wahrnehmung ist heute vor allem Teilzeit-Arbeit gesellschaftsfähig: 57 Prozent sehen das positiv, vor 14 Jahren waren es nur 40 Prozent.

In Vollzeit arbeitende Mütter haben jedoch heute wie früher einen schlechten Stand: Nur etwa vier Prozent der Befragten finden, eine Mutter sollte Vollzeit arbeiten (gegenüber einem Prozent im Jahr 2002). In Ostdeutschland, wo das traditionelle Hausfrauenmodell nie so verbreitet war wie im Westen, hatten sowohl Teil- als auch Vollzeitarbeit über die Jahre hinweg deutlich höhere Zustimmungsraten.

Steuerpolitik

Ob beide Elternteile arbeiten gehen, ist oft auch eine ökonomische Frage: Deutschland ist das einzige Land, in dem das Alleinverdienermodell steuerlich belohnt wird. In allen anderen OECD-Staaten zahlen Alleinverdiener-Haushalte dagegen mehr Steuern und Sozialabgaben als Doppelverdiener mit etwa gleichwertigem Einkommen. In den Niederlanden sind es zum Beispiel 44,2 Prozent des Haushaltseinkommens für Alleinverdiener gegenüber 31,4 Prozent für Doppelverdiener.

Frauen in Führung

Der Anteil von Frauen in Führungspositionen in Deutschland stagniert und bleibt unter dem EU-Schnitt. Im Jahr 2014 waren nach Angaben des Statistischen Bundesamts 29 Prozent der Führungsjobs von Frauen besetzt - das ist das untere Drittel aller EU-Staaten.

Die meisten Frauen sitzen in Lettland in den Chefsesseln (44 Prozent), gefolgt von Ungarn (40 Prozent), Polen und Litauen (je 39 Prozent). EU-Schlusslicht ist Zypern mit nur 17 Prozent. In Deutschland haben die Frauen vor allem im Bereich Erziehung und Unterricht Führungspositionen (62 Prozent). Besonders wenige Chefinnen arbeiten in der Baubranche (13 Prozent).

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