OECD-Studie zu beruflicher Bildung Gefährliche deutsche Defizite

Im internationalen Bildungsvergleich nicht überzeugend: In Deutschland gibt es noch immer zu wenige Studienanfänger, warnt eine internationale Studie. Das könnte verheerende Folgen haben.

Ein Hochschulstudium schützt in allen Industrienationen der Welt am besten vor Arbeitslosigkeit und sichert zugleich ein deutlich höheres Einkommen. Nach dem in Berlin vorgestellten neuen Bildungsbericht der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) liegen in Deutschland die Einkommen von Akademikern im Schnitt um 75 Prozent über denen von Beschäftigen mit betrieblicher Berufsausbildung. Im Jahr 2007 lag dieser Einkommensvorsprung der Studie nach bei 62 Prozent. Seit 1998 habe sich der Vorsprung sogar mehr als verdoppelt.

Auch für den Staat bringen nach der Analyse der internationalen Bildungsforscher Investitionen in Bildung hohe Erträge durch wirtschaftliches Wachstum und höhere Steuereinnahmen. Angesichts des Geburtenrückganges in fast allen Industrienationen sei eine weitere Steigerung des Qualifikationsniveaus unverzichtbar, um den Fachkräftebedarf auch in Zukunft zu sichern, folgern die Wissenschaftler in dem mehr als 500 Seiten umfassenden Bericht.

In Deutschland nehmen trotz erheblicher Verbesserungen in den vergangenen Jahren im internationalen Vergleich immer noch zu wenige junge Menschen ein Studium auf. Und nach wie vor ist auch die Studienabbruchquote hoch. Zwar konnte in der Bundesrepublik der Anteil junger Menschen, die ein Studium aufnehmen, auf 43 Prozent gesteigert werden. In vielen anderen OECD-Staaten - wirtschaftlichen Konkurrenten Deutschlands - sind dies jedoch bereits weit über 50 Prozent.

Auch sind in der 43-Prozent-Quote Gaststudenten aus Nicht-EU-Staaten enthalten, die nach Abschluss ihrer Ausbildung wegen der Bestimmungen des Ausländer- und Zuwanderungsrechts nicht für den deutschen Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. Betrachtet man nur die sogenannten Bildungsinländer - also die jungen Menschen, die in Deutschland auch ihr Abitur erworben haben - so kommt man auf eine Studienanfängerquote von 34 Prozent.

Trotz dieser Mängel bewertet die OECD in ihrer Studie das deutsche Berufsbildungssystem insgesamt positiv. Die berufliche Bildung leiste einen wesentlichen Beitrag zur Integration von Jugendlichen in den Arbeitsmarkt und sei ein "entscheidender Faktor für die im internationalen Vergleich geringe Jugendarbeitslosigkeit", erklärte OECD-Expertin Kathrin Höckel.

Als positiv wertete die OECD unter anderem die Verbindung von Lernen im Betrieb und in der Schule, das große Engagement der Sozialpartner und das hohe Ansehen des Systems in der Gesellschaft. Die Bildungsexperten mahnten allerdings, Risikoschüler noch besser zu fördern. Sie verwiesen dazu darauf, dass viele Jugendliche statt direkt in die Berufsbildung zu gehen in einem Übergangssystem aufgefangen werden müssen. Es sollten mehr Anstrengungen unternommen werden, um Jugendliche fit für die reguläre berufliche Ausbildung zu machen, erklärte die OECD.

Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) sagte angesichts der deutschen Verbesserungen in den vergangenen Jahren: "Wir haben unser Geld richtig ausgegeben. Dies gilt ganz besonders für den Hochschulpakt, in den Bund und Länder seit 2007 eine Milliarde Euro investiert haben, damit 90.000 junge Menschen zusätzlich ein Studium aufnehmen können." Bis 2015 stünden für weitere 270.000 Studienanfänger noch einmal 3,6 Milliarden Euro für den Hochschulpakt zur Verfügung.

Im internationalen Vergleich sind die Bildungsausgaben in Deutschland trotzdem weiter niedrig. Die gesamten öffentlichen und privaten Ausgaben für Bildungseinrichtungen lagen laut OECD in Deutschland im Jahr 2007 bei 4,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Unter den OECD-Ländern, für die entsprechende Zahlen vorlagen, gaben nur die Slowakei, Tschechien und Italien einen geringeren Anteil der Wirtschaftsleistung für Bildung aus. Bei den Spitzenreitern USA, Korea und Dänemark lag der Anteil bei mehr als sieben Prozent des BIP.

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