Schlechtbezahltes Sicherheitspersonal wird nachlässig, heißt es nach der Sicherheitspanne am Münchner Flughafen. Aber wer wenig verdient, arbeitet deshalb nicht automatisch schlecht.
Die Reaktion kam so schnell wie der Speichel bei den berühmten Pawlow'schen Hunden. Diese speicheln im Experiment auch ohne Futter, wenn man ihnen dieses zuvor oft genug hingehalten hat. Die Kritiker von Niedriglöhnen wussten schon Stunden nach der spektakulären Sicherheitspanne am Münchner Flughafen, dass die Nachlässigkeit des Personals auch auf dessen miese Bezahlung zurückzuführen sei.
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Geld allein genügt nicht, um Mitarbeiter zu motivieren. (© Foto: dpa)
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Mehr Sicherheit für mehr Geld
Wer unter Tarif verdiene, so geht die entsprechende Beweisführung, sei natürlich nicht motiviert und lasse dann eben auch mal einen verdächtigen Passagier leichtfertig entwischen. Der Umkehrschluss scheint dann so zwingend wie einfach umzusetzen: Wer mehr Sicherheit an den Flughäfen will, der muss mehr zahlen; am besten verzichtet der Staat ganz auf das Engagement ausbeuterischer Privatfirmen und schützt wieder in eigener Regie.
Wer aber so argumentiert, irrt in mehrfacher Hinsicht. So gibt es zahlreiche Untersuchungen zur Frage der Motivation am Arbeitsplatz, nach denen Geld viel ist, aber nicht alles. Als vorrangiger Motivationsfaktor wird häufig die Zufriedenheit mit dem Job und der eigenen Leistung genannt, das Verhältnis zum direkten Vorgesetzten, der Abwechslungsreichtum der Tätigkeit - während die finanzielle Vergütung erst auf einem späteren Platz kommt.
Keine Unterschiede
In Frankfurt übrigens ist der Flughafenbetreiber Fraport, der einen Teil des Sicherheitspersonals in eine deutlich schlechter vergütende Tochter ausgegliedert hat, den ewigen Klagen über die Diskrepanzen bei Servicequalität und Zuverlässigkeit nachgegangen. Die Prüfer kamen zu dem eindeutigen Ergebnis: Es gibt keine Unterschiede bei der Tätigkeit beider Gruppen. Auch im betrieblichen Alltag lässt sich beobachten, dass die Höhe von Gehältern bei vergleichbaren Jobs nicht notwendigerweise eine Aussage über Motivation und Pflichterfüllung ist. Manchmal erweisen sich sogar die Benachteiligten als leistungsbereiter als andere, die bei guter Bezahlung in Ehren erstarrt sind.
Das alles ist kein Plädoyer für Niedriglöhne, für deren Existenz es viele Gründe gibt, unter anderem wirtschaftliche Zwänge. Es zeigt aber immerhin, dass die einfache Gleichung "mehr Geld = bessere Arbeit" fragwürdig ist. Im Übrigen schadet, wer so denkt, den Inhabern der entsprechenden Billigjobs. Sie sind gleich doppelt gekniffen: Nicht nur werden sie schlechter bezahlt als andere, sondern ihnen wird auch schlechtere Leistung unterstellt. Das haben sie ganz sicher am allerwenigsten verdient.
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(SZ vom 23.01.2010/holz)
Single Awareness Day
Wie oft in der SZ schon die alte Gebetsmühle zum Thema "Motivation unter Ausschluß von gerechter Entlohnung" ins hurtige Rattern kam, ist nicht mehr zu zählen.
Immer wieder diese Mär von "Motivation durch mehr Verantwortung" - wie bestellt zu Beginn der Tarifverhandlungen, wenn sich die Arbeitgeber mal wieder reflexartig an der Klagemauer häuslich niederlassen.
Ich vermute mal, dass der Herr Beise seine Kommentare nicht für einen Praktikantenlohn verfasst und auch nicht in eine Tochtergesllschaft mit untertariflicher Bezahlung ausgegliedert ist.
Der Kommentar zeigt also ganz anschaulich, dass die einfache Gleichung "mehr Geld = bessere Arbeit" tatsächlich nicht stimmt.
Ein Praktikant hätte die gleiche hirnrissige Argumentation bestimmt viel billiger hinbekommen...
"Geld ist nicht alles" postuliert Marc Beise ausgerechnet
für die Niedrigverdiener.
Wenn es dagegen um die Millionen-Gehälter und Boni der
Bestverdienenden geht, dann hört man aus den marktwirtschaftlich-neoliberalen Kreisen um Beise und Piper immer wieder, dass solche Wahnsinnsbeträge zur Gewinnung
und Motivation dieser fabelhaften Leistungsträger notwendig
wären ( - und nebenbei bemerkt: natürlich auch gerechtfertigt).
Ob mir einer der Herren diese gegensätzliche Einschätzung
zum Thema Einkommen und Motivation mal etwas genauer erklären kann ??
Das Sicherheitspersonal an Flughaefen ist wie wir alle wissen,meisst schlecht bezahlt und irgentwann kommt der Punkt wo die Motivation nachlaesst. Das hat dann viele Gruende,die Chefs dieser Leute,sind meisst komplett inkompetent und von der Politk,oder andere Guenstlingen vorgeschlagen worden. Auch ist deren Bezahlung bestens geregelt,wie man im Falle von Muenchen ersehen konnte,war die Stadt und das Land mit im Boot,wichtig ist nur eines,es muessen immer die richtigen Leute damit und davon richtig verdienen. Das die Sicherheit auch ein allgemeingut ist will man dort nicht wahrhaben.
Marc Beise:"Die Reaktion kam so schnell wie der Speichel bei den berühmten Pawlow'schen Hunden."
Dieses Outing zeigt mir sofort, daß Herr Beise die Argumente anderer leider nicht ernst nimmt und gleich erst mal die Keule heraus holt. Daher sehe ich keinen Sinn mich weiter zum Thema zu äußern.
Äußerst schach, zumal Herr Beise den Rest der Redezeit benötigt, um seine Keule in einen Wattebausch zu verzaubern.
Äußerst billige Propaganda.
Paging