Ein Kommentar von Nicola Holzapfel

Frauen verdienen weniger? Nicht alle! Was passieren muss, damit das zur Regel wird.

15 Prozent! 20 Prozent! 30 Prozent! Alle paar Monate werden Statistiken veröffentlicht, die belegen: Frauen verdienen weniger als Männer. Was sagt das den weiblichen Beschäftigten? Die Welt ist ungerecht? Und die Arbeitgeber böse?

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Das Problem der Zahlenspielereien ist, dass Äpfel mit Birnen verglichen werden. Natürlich verdienen Frauen im Durchschnitt weniger. Sie arbeiten häufiger in schlechter bezahlten Berufen als Männer, sie haben häufiger Unterbrechungen im Berufsleben, sie arbeiten häufiger Teilzeit. Aber das heißt nicht, dass Frauen in der gleichen Tätigkeit weniger verdienen als Männer. Es gibt Frauen, die sogar mehr verdienen als ihre männlichen Kollegen. Womöglich leisten sie mehr, vielleicht haben sie aber auch nur besser verhandelt.

Die meisten Frauen jedoch verhandeln schlechter. Während die männlichen Kollegen auf Boni und Dienstwagen zielen, ist Frauen anderes wichtig. Flexible Arbeitszeiten etwa oder die Sinnhaftigkeit ihrer Arbeit. Gehaltsunterschiede sind damit wohl auch selbstverschuldet. Manche Frauen besuchen deswegen Gehalts-Coachings. Da lernen sie dann, mehr zu fordern und in der nächsten Verhandlung, nun ja: ihren Mann zu stehen.

Männer profitieren zudem noch von den unterschiedlichen Karriereverläufen. Frauen gehen Aufstiegsmöglichkeiten verloren, wenn sie für Kinder beruflich aussetzen. Auch ihr Gehalt können sie währenddessen wohl kaum steigern. Hier helfen bessere Möglichkeiten der Kinderbetreuung, damit Frauen dem Job nicht länger fern bleiben als sie es möchten. Aber hier helfen auch Väter, die einen Teil der familiären Auszeit mit übernehmen. So verteilen sich mögliche berufliche Nachteile durch die Familienpause auf beide. Alles andere wäre ja nun auch wirklich - ungerecht.

Was Frauen noch falsch machen: Sie wählen schlechter bezahlte Berufe. Jahr für Jahr stehen "Friseurin" und "Arzthelferin" auf der Top-Ten der beliebtesten Ausbildungen von Mädchen. Sie entscheiden sich damit bewusst für Berufe, in denen es nicht nur wenig Gehalt, sondern auch keine Aufstiegsmöglichkeiten gibt.

Die Studentinnen machen es nicht viel besser. Der Frauenanteil in ingenieurwissenschaftlichen und IT-Studiengängen, deren Absolventen auf dem Arbeitsmarkt mit die höchsten Einstiegsgehälter haben, ist viel zu niedrig. In Informatik machen die Studienanfängerinnen nur 17 Prozent aller Erstsemester aus. Stattdessen strömen Frauen in geistes- und sozialwissenschaftliche Fächer.

Hier tut ein Bewusstseinswandel not. Noch immer beschränken überkommene Rollenverständnisse die Berufswahl und damit die späteren Verdienstmöglichkeiten junger Frauen. Es gibt viel zu viele Berufsberater, die Mädchen ungläubig anstarren, wenn diese einen IT-Beruf wählen möchten. Und selbst viele wohlmeinende Eltern trauen ihren Töchtern nicht zu, dass diese einmal IT-Systeme verbessern.

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(sueddeutsche.de)