Der niedersächsische Wissenschaftsminister Lutz Stratmann hat weitere Einschnitte für die Hochschulen auf Eis gelegt.

Nach den von scharfen Protesten begleiteten Sparbeschlüssen im Hochschulbereich hat Wissenschaftsminister Lutz Stratmann (CDU) weitere Einschnitte vorerst auf Eis gelegt. So kündigte er am Dienstag in Emden eine weitere Untersuchung zur Seefahrtschule Leer an, obwohl ein von ihm in Auftrag gegebenes Gutachten die sofortige Schließung empfiehlt. Auch den Rat, den Sitz der Fachhochschule Oldenburg/Ostfriesland/Wilhelmshaven von Emden nach Oldenburg zu verlagern, will Stratmann vorerst nicht befolgen.

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Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) verteidigte am Dienstag die geplanten Kürzungen bei den Hochschulen. Die Regierung habe eine finanzpolitische Vollbremsung hingelegt, müsse nun den Kurs wechseln und könne erst später wieder Gas geben. "Alles gleichzeitig geht nicht", betonte der Regierungschef nach einer auswärtigen Kabinettssitzung in Osnabrück. Er war in seiner Heimatstadt von pfeifenden Sportstudenten empfangen worden, die um den Fortbestand ihres Studienganges bangen.

An der Universität Göttingen haben Studenten aus Protest gegen den Sparkurs des Landes mit einem Boykott von Vorlesungen und Seminaren begonnen. Der unbefristete Ausstand sei von der überwältigenden Mehrheit der Studenten-Vollversammlung beschlossen worden, sagte eine Sprecherin des "Bündnisses gegen Bildungsklau", das den Ausstand organisiert. Für die kommende Woche sei eine Blockade der Universität im Gespräch.

Immer mehr engagiert sich unterdessen die Wirtschaft für den Erhalt wissenschaftlicher Einrichtungen. So hat jetzt die Technische Universität Clausthal vom deutschen Wirtschaftsverband Erdöl- und Erdgasgewinnung (WEG) 100.000 Euro erhalten, um den vakanten Lehrstuhl für Erdöl- und Erdgasgewinnung zu finanzieren. Nach den neuen Sparrichtlinien des Landes müsste die Stelle neun Monate unbesetzt bleiben, sagte ein Sprecher. "Die Industrie will auf eine derart lange Unterbrechung der Studenten-Ausbildung nicht verzichten."

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(sueddeutsche.de/dpa)