Von Christine Burtscheidt

Das Staatsexamen wird zum Auslaufmodell: Bayern will bis 2010 an den Universitäten den "Master" als Abschluss für Lehramt-Studierende erproben.

Bayern will möglicherweise schon 2010 auf das Staatsexamen als Abschluss im Lehramtsstudium verzichten. Modellversuche an den Universitäten sollen bis dahin zeigen, ob nicht auch der neue internationale Titel "Master" als Abschluss taugt. Nach monatelangem Stillstand ist auf Druck der Universitätsrektoren jetzt wieder Bewegung in die Reform der Lehrerausbildung gekommen.

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Die Modellversuche sollen im kommenden Jahr für alle Schularten starten. Anfang Dezember wird sich eine Kommission bilden, um Modalitäten für eine Ausschreibung festzulegen. Alle Universitäten mit Lehramtsausbildung können sich für das neue Angebot bewerben. Lediglich Passau erhielt bereits den Zuschlag für die Realschulen. Das erfolgte in den vergangenen Wochen auf Betreiben örtlicher CSU-Abgeordneter, was für großen Ärger unter Bayerns Rektoren sorgte.

Abschluss für andere Jobs

Parallel zu den Modellversuchen sind die Hochschulen angehalten, vom Wintersemester 2006/07 an eine kombinierte Ausbildung aus Staatsexamen und den internationalen Abschlüssen Bachelor und Master zu starten. Dazu ist eine neue Lehramtsprüfungsordnung erforderlich. Das Studium qualifiziert dann parallel zum Lehramt auch für andere Berufe. Die Absolventen erhalten damit Alternativen auf dem Arbeitsmarkt. Ihre Chancen hängen nicht mehr allein von der Einstellungspolitik des Staates ab.

Nach Informationen der SZ einigten sich vergangene Woche Vertreter der Universitätsrektoren sowie des Wissenschafts- und Kultusministeriums auf dieses Prozedere. Die Zusammenkunft fand statt, nachdem die Universitäten Protestbriefe an das Kultusministerium geschickt hatten. Denn in der Reformdebatte herrscht seit eineinhalb Jahren Stillstand. Damals einigten sich bereits beide Ministerien auf Modellversuche. Auch kündigte die damalige Kultusministerin Monika Hohlmeier einen schrittweisen Rückzug des Staates aus der Lehrerbildung an. Der Staat sollte nur mehr bei 60 Prozent der Lehrinhalte des Studiums mitreden, insbesondere natürlich bei der Staatsprüfung. Zudem sollte jeder Student, der nach sechs Semestern nicht mehr Lehrer werden wollte, mit einem Bachelor abschließen können. Voraussetzung der Reform war, dass das Studium in einzelne Lernabschnitte, so genannte Module, eingeteilt wird.

Lange Übergangszeiten

Trotz der Vereinbarung geschah nichts. "Im Kultusministerium ging nichts voran", sagt der Regensburger Uni-Rektor Alf Zimmer, der die Reform der Lehrerausbildung bayernweit koordiniert. Dabei ist der Druck groß. Bereits 2010 soll europaweit die Umstellung auf die internationalen Abschlüsse Bachelor und Master erfolgen. Darauf einigten sich die europäischen Kultusminister Ende der 90er Jahre in Bologna.

Im Freistaat begegnete man der Studienreform anfangs zögerlich - bislang sind nur 4,2 Prozent aller Studienangebote umgestellt. Ein klares Signal für die flächendeckende Einführung von Bachelor und Master erfolgte erst mit dem Amtsantritt von Wissenschaftsminister Thomas Goppel 2003. An eine rechtzeitige Umstellung beim Staatsexamen ist dennoch nicht mehr zu denken. Goppel räumt deshalb den Staatsexamens-Fächern, auch Jura, Medizin oder Pharmazie, eine längere Übergangszeit ein.

Sollten im Lehramt die Modellversuche erfolgreich sein, dürfte wohl einer Abschaffung des Staatsexamens 2010 nichts mehr im Weg stehen. Länder wie Rheinland-Pfalz oder Niedersachsen gehen bereits den Weg. Zimmer jedenfalls sieht kein Problem, die Ausbildung ganz in die Verantwortung der Universitäten zu geben. In dem Fall würde jeder Student nach sechs Semestern einen Bachelor und weiteren vier Semestern einen Master erwerben und wäre dann tauglich für den Unterricht.

Sollten die Beamten im Kultusministerium und die Lehrerlobby dennoch Zweifel haben, könnte Bayern wie Frankreich ein Eignungsverfahren draufsatteln. "Das wäre zweifellos das sauberste Modell", sagt Zimmer.

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(SZ vom 29.11.2005)