Zu viel Bürokratie
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Angesichts der vielen hochschulplanerischen Maßnahmen der letzten Jahre, die auf schwankender Grundlage beschlossen wurden und am Ende ihr Ziel verfehlten, wäre wenigstens das zu erwarten gewesen. Es ist ein offenes Geheimnis, dass der Bologna-Prozess, der alle Mitgliedsländer auf ein vergleichbares Studiensystem verpflichtet, ganz gegen alle Absichtserklärungen die studentische Mobilität in Europa tatsächlich nicht fördert, sondern behindert. Zwar haben alle Länder das gleiche System von zu erwerbenden credit points, aber in der Anerkennung von Leistungsnachweisen gehen sie weit auseinander. Das B.A.-System ist also ein Beispiel dafür, dass bürokratische Angleichungsmaßnahmen die Dinge komplizierter statt einfacher machen können - ein Effekt, den Sozialwissenschaftler als "nichtintendierte Folgen institutionellen Handelns" beschreiben.
Genau diesen Effekt wird auch die Verschiebung der Semesterzeiten nach sich ziehen. Bisher kommt nämlich der Internationalisierung der deutschen Hochschulen zugute, dass der akademische Kalender in Deutschland gerade nicht wie in anderen Ländern getaktet ist. Deshalb können deutsche Wissenschaftler im März und September zu Gastprofessuren etwa in die USA reisen, ohne ihre Lehrverpflichtungen zu Hause zu beeinträchtigen. Umgekehrt kommen Professoren und Doktoranden aus Amerika vorzugsweise im Juni oder Juli nach Deutschland, wenn sie zu Hause Ferien haben, halten Gastseminare ab und nehmen am akademischen Leben teil. Ganze Austauschprogramme, mit großem Engagement in Gang gebracht und durch Steuergelder mit beträchtlichen Summen gefördert, beruhen auf diesem einfachen Prinzip. Sie werden mit einem Schlag hinfällig, wenn die Semester künftig synchron geschaltet sind.
Der Autor ist Professor für deutsche Literatur an der Universität Konstanz und dort Sprecher des Netzwerkes "Transatlantische Kooperation".
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(SZ vom 3.9.2008/bön)
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Alles ist gut, so wie es ist, könnte man nach dem Lesen des Beitrags meinen... ich erkenne jedoch eher eine typisch deutsche Beharrungsmentalität.
Die Vereinheitlichung der Anfangszeiten hat in meiner Einschätzung den Vorteil, dass wechselwillige Studenten weder an Ausgangs- als auch an der Zielhochschule etwas verpassen. Bisher bestand nämlich z.B. das Problem, dass während woanders schon wieder die Vorlesungszeit anfing, z.B. März, hier in Deutschland noch Prüfungszeit ist.
Lachhaft ist der Hinweis auf die Abiturienten: Wer sich wirklich erst nach den Abi-Prüfungen Gedanken zu seinem Studium macht, hatte auch bisher keine Zeit mehr für eine qualifizierte und wohldurchdachte Entscheidung.
Als männlicher Abiturient fängt man i.d.R. erst nach dem Zivil-/Wehrdienst mit dem Studium an; demnach bewirbt man sich während dieser Zeit um einen Studienplatz... Wo ist das Problem?
Ich habe auch bay. Abi und fand die Prüfungszeit nicht halb so stressig wie die an der Uni.
Man muss nicht im Vorfeld schon das Jammern anfangen.
Freundlicher Gruß an alle
Tja Lars74, da kann ich nur zustimmen. In den Äußerungen von Langerarch erkennt man das wieder, was einer gewissen Menge von Abiturienten zueigen ist ...Selbstüberhöhung.
Übrigens habe ich hier gelesen, dass Abiturienten (-Studenten, also zukünftige Akademiker) die Elite Deutschlands sind, ganz schön Ignorant dem Rest gegebüber und zudem für jeden, der seine Hochschulzeit (heutzutage) aufmerksam durchlebt hat wohl eher ein Witz.
Zitat: "Wer einen Hauptschul oder Realschulabschluß hat, der fängt zwar auch gleich danach eine Lehre an, wenn er überhaupt eine Stelle bekommt, dies ist aber in keinster Weise mit dem Stress von Abitur zusammen mit einer Unibewerbung zu vergleichen. Die Anforderungen sind einfach nicht die selben. Verständlich "
Haben Sie beide Varianten ausprobiert? Ich schon! Um eine Lehrstelle bewirbt man sich auch bereits während der 10. Klasse! Man wird zu Vorstellungsgesprächen und Leistungstests eingeladen. Im Unterschied zum fast Abiturienten ist man zu der Zeit gerade mal 15 oder 16 Jahre alt. Übrigens sind mir an der Uni Leute begegnet die zur Anmeldung noch Ihre Eltern mitgebracht haben, denen kaufe ich gerne ab, daß sie sich gestresst fühlen.... Ich habe mein Abi erst nach der Ausbildung gemacht und fand es im Vergleich zur Lehre eher lächerlich!
Folgender Satz bringt den Unsinn des Bologna-Prozesses auf den Punkt:
"Zwar haben alle Länder das gleiche System von zu erwerbenden credit points, aber in der Anerkennung von Leistungsnachweisen gehen sie weit auseinander."
Wie naiv musste man sein, um zu glauben, dass durch die Einführung eines Punktesystems Leistungen hunderter, europäischer Universitäten plötzlich vergleichbar werden?
Hergott, nicht mal innerhalb eines Landes sind Leistungen vergleichbar, und sie lassen sich auch nicht vergleichbar machen. Das gilt für Deutschland genauso wie für angelsächsische Länder wie Großbritannien und Australien.
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