Von Cornelia Bolesch

Niemand soll länger als 48 Stunden pro Woche arbeiten, fordert das EU-Parlament. Der Arbeitgeberverband ist empört und beharrt auf der aktuellen Regelung.

Bei der künftigen Gesetzgebung zur Arbeitszeit in der Europäischen Union gehen die EU-Regierungen und das Europa-Parlament auf Kollisionskurs. Der Beschäftigungsausschuss des Europaparlaments hat sich am Mittwoch für deutlich strengere Regeln ausgesprochen als die EU-Staaten. Geht es nach dem Ausschuss, soll die maximale Wochenarbeitszeit auf 48 Stunden wöchentlich festgeschrieben werden. Sämtliche Ausnahmen sollen in drei Jahren auslaufen. Bereitschaftsdienste, etwa für Ärzte, sollen komplett als Arbeitszeit gewertet werden.

Stechuhr, dpa

Stechuhr: Das EU-Parlament fordert maximal 48 Stunden Arbeit pro Woche. (© Foto: dpa)

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Die EU-Staaten im Ministerrat hatten demgegenüber Ausnahmen von der wöchentlichen Höchstarbeitszeit von bis zu 65 Stunden erlaubt, wenn die betroffenen Arbeitnehmer und die Tarifpartner einverstanden sind. Was die Bereitschaftszeit angeht, so sollen "inaktive" Phasen darin nicht als Arbeitszeit gelten, es sei denn, die Mitgliedstaaten weichen davon ab. In Deutschland wird derzeit der gesamte Bereitschaftsdienst als Arbeitszeit gewertet.

Längere Arbeitszeit für flexible Planung

"Alarmiert" reagierte der europäische Arbeitgeberverband auf das Votum im Parlament. Die bisherigen Ausnahmen ("opt outs") bei der zulässigen Arbeitszeit müssten auf jeden Fall bestehen bleiben. Unternehmen müssten flexibel planen können. Auch für viele Arbeitnehmer sei es wichtig, durch zusätzliche Arbeit mehr Geld zu verdienen.

Der zuständige Berichterstatter im Parlament, der spanische Sozialist Alejandro Cercas, meinte dagegen, Vorrang müssten Gesundheit und Sicherheit der Beschäftigten haben. Das Plenum des Parlaments wird Anfang Dezember über die neue Arbeitszeit-Richtlinie abstimmen. Rat und Abgeordnete wollen versuchen, bis dahin einen Kompromiss zu finden.

Im Parlament gab es in dieser Woche weitere wichtige Weichenstellungen. Der Umweltausschuss stimmte über eine neue Pflanzenschutz-Verordnung ab. Ziel ist es, die Verwendung von Pestiziden europaweit einheitlich zu regeln. Viele heute gebräuchliche Pflanzenschutzmittel sollen verboten werden, etwa krebserregende und andere gefährliche Stoffe, ebenso Pestizide, die Bienen schädigen.

Wirtschafts-und Bauernverbände protestierten gegen die geplanten Beschränkungen und malten Schreckenszenarien an die Wand. Ernteerträge gingen zurück und Schädlinge könnten nicht mehr bekämpft werden, behaupteten sie. Die Berichterstatterin des Parlaments, Christa Klaß (CDU) wird jetzt mit den EU-Regierungen über einen Kompromiss verhandeln.

Blue-Card für Hochqualifizierte

Der Innenausschuss des Parlaments stimmte am Dienstagabend über zwei Gesetze zur Einwanderung ab. Die Abgeordneten stellten sich hinter die Blue-Card-Richtlinie zur leichteren Einreise von Hochqualifizierten und stimmten darüber hinaus über die Sanktions-Richtlinie ab, die Strafen für Arbeitgeber vorsieht, die illegale Zuwanderer beschäftigen.

Die überführten Unternehmen müssten Geldstrafen zahlen und würden öffentliche Aufträge verlieren. Außerdem müssten sie für die Kosten der Abschiebung der Illegalen aufkommen und den Betroffenen reguläre Gehälter und Sozialversicherungsbeiträge nachzahlen. Die Blue Card könnte zusammen mit dem Rat noch in diesem Jahr verabschiedet werden. Die Beratungen zum Sanktions-Gesetz dauern länger.

Zum Abschluss der Parlamentswoche wird der Binnenmarktausschuss an diesem Donnerstag über die Spielzeug-Richtlinie abstimmen. Die Abgeordneten streben ein "umfassendes Verbot gefährlicher Stoffe" an, so die SPD-Politikerin Evelyne Gebhardt. Ein Verbot der beliebten "Überraschungseiern" sei nicht geplant.

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(SZ vom 06.11.2008/heh)