Für den ersten Eindruck gibt es keine zweite Chance: Neue Kollegen katapultieren sich mit Besserwisserei und penetranten Fragen schnell ins Abseits. Dabei gilt gerade in der Probezeit ein strenger, ungeschriebener Kodex.
Der Bewerbungsparcours ist vorbei, und der neue Job beginnt. Dann gilt es für Neulinge im Betrieb, sich zu beweisen. Die ersten Monate in einer Firma sind nicht nur aus arbeitsrechtlicher Sicht etwas Besonderes. "In der Probezeit prüfen Arbeitgeber und Arbeitnehmer, ob sie zueinander passen", erläutert Rechtsanwalt Christian Birnbaum aus Köln.
Bild vergrößern
Probezeit: Personalfachleute bezeichnen sie als "zweiten Teil der Bewerbung". (© Foto: dpa)
Anzeige
Personalfachleute bezeichnen die Probezeit als "zweiten Teil der Bewerbung". "Beim Vorstellungsgespräch präsentieren sich beide Seiten in einem positiven Licht. In der Probezeit schauen sie der Wahrheit ins Gesicht", sagt Business-Coach Carolin Lüdemann aus Stuttgart. Die Juristin betreut seit sieben Jahren Berufseinsteiger und Führungskräfte.
Urteil binnen drei Sekunden
Für den ersten Eindruck gibt es bekanntlich keine zweite Chance. Das ist im Job nicht anders. "Innerhalb von drei Sekunden fällen wir ein Urteil von unserem Gegenüber", sagt Carolin Lüdemann. Um die Wirkung der ersten Sekunden zu korrigieren, sei im Schnitt eine halbe Stunde Gespräch nötig.
"Nonverbale Signale wie Auftreten, Körpersprache oder Kleidung spielen für das Ankommen im Job und den Weg nach oben eine erhebliche Rolle", erklärt Lüdemann. Mehr als die Hälfte aller Informationen werden nonverbal übermittelt. Die Stimme steuert rund 40 Prozent bei. Der Rest entfällt auf das, was gesagt wird. Es macht nichts, wenn man am ersten Tag ein bisschen "overdressed" erscheint. "Man kann durch die Kleidung sagen, ich bin für mehr gemacht", sagt die Coaching-Expertin.
Guter Draht zum Vorgesetzten
Jedes Unternehmen hat geschriebene und ungeschriebene Regeln. Geschriebene lassen sich nachlesen. "Die anderen sollten Sie durch Beobachtungsgabe finden", rät Lüdemann. "Die Kollegen teilen oft eine gemeinsame Geschichte und haben bestimmte Verhaltensmuster etabliert." Weil der Neue davon zunächst wenig weiß, tritt er schnell in Fettnäpfchen. Offenheit und Aufgeschlossenheit schützen dagegen.
"Gehen Sie mit immer anderen Kollegen Mittagessen", empfiehlt Lüdemann. Auch der gute Draht zum Vorgesetzten öffnet viele Türen. "Warten Sie nicht nur mit schlechten Nachrichten auf, wenn Sie das Gespräch suchen." Chefs seien gewohnt, nur bei Problemen angesprochen zu werden. Zurückhaltung hilft oft weiter: "Neue neigen dazu, mit ihrem Fachwissen vorzupreschen", beobachtet Caroline Lüdemann.
Auf der nächsten Seite: Zurückhaltung ist angebracht - trotzdem müssen sich neue Kollegen nicht alles gefallen lassen.
Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite
65. Filmfestspiele Cannes
"Besserwisserische Vorschläge katapultieren Berater aber zuverlässig ins Aus."
Leider kriegt man Berater nicht so schnell klein. Hesse/Schrader veröffentlichen schon seit Jahrzehnten Bewerbungsratgeber mit teils abstrusen Ideen - recht erfolgreich.
Was mich bei diesen Ratschlägen immer ärgert: Es wird so getan als ob immer nur der neue Mitarbeiter alles falsch machen kann und ständig eine Bringschuld hat. Für viele Betriebe sollte eher das Gegenteil gelten: Man sollte sich auch mal Neuem öffnen. Man merkt ja schließlich, ob der neue Mitarbeiter ennsthaft an Bertieb und Job interessiert ist oder sich nur als Durchreisender versteht. Und wenn ich als Neuling merke, dass die Belegschaft es darauf anlegt, mich in den ersten Tagen meines neuen Jobs klein zu kriegen, bleibt nur eine Konsequenz: In der Probezeit die Zelte abbrechen. Das klingt leichter als gesagt - vielleicht insbesondere, wenn man vorher längere Zeit auf Jobsuche war - aber alles andere hat keinen Nährwert. Ich kann nur allen Neulingen raten sich von solchen Ratschlägen nicht all zu sehr verwirren zu lassen und sich selbst zu sagen, dass man auch was zu bieten hat.
Natürlich nicht Herr Birnbaum aus Köln sondern Frau Lüdemann aus Stuttgart ist gemeint :)
"...Es macht nichts, wenn man am ersten Tag ein bisschen "overdressed" erscheint. "Man kann durch die Kleidung sagen, ich bin für mehr gemacht", sagt die Coaching-Expertin..."
Komisch, in meinem Ratgeber "A***Karte ziehen - leicht gemacht" steht so ähnlich im Kapitel "erster Arbeitstag" unter Regel Nr. 12:
"Machen Sie ihren neuen Arbeitskollegen durch Kleidung und Auftreten klar, dass Sie hier nur vorrübergehend auf ihren Weg nach oben arbeiten werden."
Schreibt Herr Birnbaum aus Köln manchmal auch unter Pseudonym?
Besserwisserische Vorschläge katapultieren Berater aber zuverlässig ins Aus.