Frisch, fröhlich, frei - so präsentieren sich Internet-Communities für Studenten. Die Masche funktioniert. Die Mitgliederzahlen steigen rasant - und damit die Chance, dass der große Spaß einmal viel Geld abwirft.
Ehssan Dariani hat nichts zu verbergen. Der Wirtschaftsstudent der Uni Sankt Gallen gibt seine gesammelten persönlichen Daten im Internet preis: seinen Beziehungsstatus, seine politische Überzeugung, seinen Musikgeschmack.
Student und Gründer Ehssan Dariani. Laut Profil bei studiVZ ist er unter anderem "Projekt-Pusher" von Beruf. (© Foto: oh)
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Außerdem informiert er über die Lehrveranstaltungen, die er besucht, gibt seinen Geburtstag preis und liefert auf 13 Zeilen eine Selbstcharakteristik, die unter anderem die Bezeichnungen "Teufelskerl" und "Ewiggestriger" enthält. Das Ganze ist nachzulesen auf der Internetplattform "Studiverzeichnis", einem Online-Netzwerk für Studierende.
Ehssan Dariani ist der Gründer vom Studiverzeichnis, was beweist, dass mit seiner Selbstcharakteristik etwas nicht stimmen kann. "Ewiggestrig" ist die Webseite nicht.
Bin ich eigentlich Alpinenthusiast? Oder eher Katzenfreund?
Im Gegenteil: Man gibt sich visionär. StudiVZ, so der selbstgewählte Kosename des Auftritts, solle "die Netzwerkkultur an europäischen Hochschulen" etablieren und "universitäre Grenzen" überwinden, meldet das Unternehmen über sich selbst.
Um Mitglied zu werden, reicht eine E-Mail-Adresse. Doch wer wirklich dabei sein will, muss sein "Profil" ausfüllen. Das umfasst an die 50 Eingabefelder - vom Wohnheim-Namen und der Zimmernummer bis zum Platzhalter für ein persönliches Foto. Die Profile können von anderen Mitgliedern eingesehen werden.
Gleichgesinnte finden sich im Netzwerk über gemeinsame Interessen oder dem "Beitritt" zu festgelegten Gruppen wie den "Alpinenthusiasten" oder den "Katzenfreunden". Berührungsängste hat keiner.
Fürs schnelle Kennenlernen hat Dariani das "Gruscheln" erfunden. Ein Klick, und der Adressat erhält die Mitteilung "xxx hat dich gegruschelt". Mehr Text gibt es nicht.
Das Gruscheln dient allein der Kontaktaufnahme. Wer sich mag, befreundet sich virtuell und zeigt das auch. Ehssan Dariani hat 159 Freunde an der Uni Sankt Gallen und 545 Freunde an anderen Hochschulen. Auch das ist in seinem persönlichen Profil nachzulesen.
700.000 Mitglieder hat das studiVZ nach eigenen Angaben. Auch die 22jährige Politik-Studentin Ina ist dabei. Sie hat sich angemeldet, nachdem sich alle ihre Freunde schon bei dem Netzwerk registriert hatten.
Wer mit wem - das weiß jeder
Über die Webseite kann sie nun zwar mit allen Bekannten schnell und einfach in Kontakt bleiben, aber sie findet den virtuellen Treffpunkt auch "irgendwie beängstigend": "Plötzlich weiß man ganz genau, wer mit wem befreundet ist, und wer was macht. Manchmal habe ich das Bedürfnis meinen Account komplett zu löschen."
Andere Mitglieder zeigen sich dankbarer. "Du hast dafür gesorgt, dass Menschen, zu denen ich jahrelang keinen Kontakt hatte, plötzlich wieder aktuell sind", schreibt ein Berliner Student auf Darianis "Pinnwand", wo sich Mitglieder Nachrichten hinterlassen können. Und die Kölnerin Eli lobt "Ihr seid toll. Wollt' ich mal loswerden."
Ehssan Dariani verweist gerne auf die Macht seiner Mitglieder: "Wir stellen nur den Rahmen, die Möglichkeit, den Inhalt bestimmen die Nutzer." Was die Nutzer dem Netzwerk ermöglichen, wird eher diskret behandelt.
Locken rocken diskret
Schließlich müssten doch all die persönlichen Daten ein gefundendes Fressen für Werbekunden sein. "Ja, wir werden bald Werbung schalten, allerdings ganz dezent, so wie es unser Stil ist", sagt Ehssan Dariani.
Dürfen sich also die Mitglieder der Gruppe "Locken rocken" bald über Anzeigen für Haarpflegeprodukte freuen? "Wir sind weit davon entfernt in irgendeiner Form gegen das Datenschutzgesetz zu verstoßen", sagt Tilo Bonow, der Sprecher von Studiverzeichnis.
Und was, wenn die Webseite komplett verkauft wird? "Bis jetzt haben wir noch kein Angebot, aber wer weiß, ausgeschlossen ist es nicht." Zurzeit finanziert sich das Netzwerk, das inzwischen von einem Trio geführt wird, über verschiedene Investoren.
Unter anderem ist Lukasz Gadowski, der Gründer von Spreadshirt.net, dabei sowie die Samwer-Brüder, die sich nach dem Verkauf ihrer Klingeltonfirma Jamba eigentlich dem süßen Nichtstun widmen könnten.
Gegenüber den Wettbewerben gibt man sich siegessicher. Schließlich buhlen auch andere Netzwerke um die Gunst der Studenten. So hat lokalisten.de laut Webseite mittlerweile mehr als 300.000 User und unister.de zählt eigenen Angaben zufolge 100.000 Mitglieder.
Ehssan Dariani schrickt das nicht: "Momentan fragt man uns noch nach der Konkurrenz. In ein paar Monaten wird das nicht mehr der Fall sein, dann wird es nämlich keine mehr geben."
(sueddeutsche.de)
Venizelos kritisiert IWF-Chefin
Was habt ihr eigentlich gegen Kopien? Im Internet frisst nun mal der schnelle und innovative den langsamen und nicht der grosse den kleinen! Und lieber benutze ich die Seite einer gut gemachten Kopie als die eines schlecht ausgeführten Originals! Google war schließlich auch nicht die erste Suchmaschine, ist jedoch die beste weil sie als erstes das Page-Rank Prinzip eingefügt hat. Und wenn Studi VZ eben viele Nutzer anlockt, dann muss man ihnen dazu gratulieren, weil sie wohl besser sind als ihre Konkurrenten. Die Aufmerksamkeit von Internetnutzern ist nur schwer zu gewinnen, kann aber bei fehlender Innovationsfähigkeit wieder schnell verloren werden. Was ich aber bei Studi-VZ viel schlimmer finde, ist die Tatsache, wie offen Studenten mit ihren Angaben und Daten umgehen! Ich war mal kurzfristig auf bei Studi-VZ angemeldet, war aber erschrocken wie zugänglich mir Daten von Freunden und Bekannten von mir war! Deshalb habe ich mich wieder abgemeldet und bin jetzt noch stärker meinem Prinzip treu: Stelle von dir freiwillig keine privaten Angaben ins Netz! Sollte ich irgendwannmal so prominent sein, dass andere über
mich schreiben, kann ich dies nicht beeinflussen! Aber freiwillig geschieht das nicht! Und in Zukunft will ich in Foren nur noch anonym sein! Das Internet ermöglicht nämlich Voyeurismus und bedroht meine Privatsphäre! In einem Teil unseres Landes hatten wir schon einmal ein System mit dem NAmen Stasi, in denen Menschen überwacht worden, wenn auch unfreiwillig. Ich hoffe, dass nach dieser Web 2.0 Welle in denen sich Internetnutzer bedenkenlos in Form von Videos und Social Communities entblößt haben,wieder etwas die Vernunft einkehrt, und sich die User wieder dessen bewusst werden, dass der Big Brother Effekt eben nicht nur Kameras bedarf sondern sich auch über die bedenkenlose Offenlegung und Aktualisierung privater Angaben im Internet abspielt!
... ist mittlerweile auch für alle Menschen, egal welchen Hintergrundes offen - einzige Bedingung bleibt noch das Mindestalter von 18 Jahren. Lt. eines Artikels bei Spiegel Online ist sich Dariani des Plagiats durchaus bewußt, letztenendes wundert es mich trotzdem, dass da aus den USA nich erheblicher Protest ob des Datenklaus kommt. Was die Macher vom studiVZ jedenfalls schnellstens auf die Reihe bekommen müssen, sind die unerträglichen Perfomance-Probleme -- sonst bricht ihnen das eher den Nacken als die Konkurrenz (die gegenüber des studVZs wirklich in der Bedeutungslosigkeit versinkt).
Zum ersten kann ich dem ersten Kommentar nur zustimmen. Ich weiß aber selber aus eigener Erfahrung nur zu gut, wie es in der Geschäftswelt um die Kopien von Geschäftsmodellen aus den USA bestellt ist.
Sehr traurig finde ich aber die Einstellung von "Projekt-Pusher" Essan Dariani wenn er sagt: "Momentan fragt man uns noch nach der Konkurrenz. In ein paar Monaten wird das nicht mehr der Fall sein, dann wird es nämlich keine mehr geben." Hierfür gibt es ja wie sicherlich viele wissen ein schönes Sprichwort: "Der Hochmut ...".
Leider finde ich Ihren Artikel sehr schlecht recherchiert. Ich vermisse die Fakten, dass StudiVz das 100%ige Abbild von facebook.com aus den USA ist. Gruscheln hat nicht der Herr oben erfunden. Es kommt auch von facebook.com und heisst dort "poke".
facebook.com existiert seit ca. März 2005 und studivz hat bis auf die Farbe das komplette layout von facebook.com nachgemacht. Der wahre Gründer und erfinder ist der Harvard-Absolvent Marc Zuckerberg.
In den USA und dem Rest der Welt dürfte Facebook.com weitaus mehr als 700000 Mitglieder haben.
Ein Kritikpunkt an StudiVZ ist denke ich der Name, schließlich kann sich jeder xbeliebige Nicht-Student dort einloggen. Warum dann der Name? facebook.com ist nur mit einer gültigen Hochschul bzw. High-School email-Adresse zugänglich.
Dass Ehssan Dariani diese Fakten verschweigt verwundert mich. Diese Vorraussetzungen sollte er erfüllen, um in Zukunft erfolgreich zu sein.
Würde mich freuen, wenn die Süddeutsche Zeitung zur Vervollständigung der Fakten einen Bericht über das wahre Facebook.com ins Netz stellen könnte.