Gute Stellenangebote gehen an den Arbeitsämtern oft vorbei. Hochqualifizierte treiben ihre Karriere deshalb besser selbst voran: mit Hilfe von Netzwerken.
Wer trotz Hochschulstudiums keinen Job hat, der wendet sich nicht etwa an die Arbeitsagentur. Arbeitslose Akademiker finden vielmehr durch persönliche Kontakte, Zeitungsanzeigen, bei Personalberatungen oder im Internet eine neue Arbeitsstelle.
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Viele Hochqualifizierte vertrauen bei der Jobsuche lieber auf Netzwerke als zum Arbeitsamt zu gehen. (© Foto: iStock)
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"Je höher die Qualifikation, desto weniger läuft die Jobsuche über das Arbeitsamt", sagt Karl Brenke, Arbeitsmarktexperte beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Nur zwei Prozent der Hochschulabsolventen finden ihren Job mit Hilfe der Arbeitsagentur, hat Brenke in einer Studie vor zwei Jahren errechnet. "Bis heute hat sich das nicht geändert", fügt er an. "Wenn ich arbeitslos wäre, würde ich als Akademiker auch nicht über die Agentur auf Jobsuche gehen. Denn das ist immer mit einem Stigma behaftet."
Viele Hochschulabsolventen suchen auf eigene Faust nach einer neuen Stelle. "Bei manchen akademischen Berufen werden die Arbeitsagenturen deutlich weniger genutzt als in anderen Bereichen", sagt Hans Dietrich, Arbeitsmarktexperte beim Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB). Grund dafür ist, dass viele Unternehmen offene Stellen im akademischen Bereich nicht bei der Arbeitsagentur melden. Den Jobvermittlern der Agentur möchte Brenke vom DIW daher keinen Vorwurf wegen ihres geringen Beratungserfolgs machen. Die Stellenausschreibung für Hochqualifizierte ging einfach an ihnen vorbei. "Unternehmen suchen neue Mitarbeiter in diesem Bereich über Stellenanzeigen oder oft einfach über Kontakte von Kollegen", sagt Brenke.
Sie müssen die richtigen Fragen stellen
Für Jens Hohensee, Personalberater bei Kienbaum Executive Consultants, liegt auf der Hand, warum sich Akademiker nicht gerne an die Arbeitsagentur wenden. "Viele haben in ihrem Studium gelernt, sich zu organisieren und ihre Karriere selbst voranzutreiben. Sie sagen sich: Ich bin hochqualifiziert, ich versuche es auf eigene Faust", sagt er. Headhunter Hohensee hält es gar nicht für notwendig, die Arbeitsagentur stärker in die Vermittlung von Hochschulabsolventen einzubinden. "Solange Akademiker über die herkömmlichen Wege, also Netzwerke und Personalberatungen, wieder in Lohn in Brot kommen, brauchen sie sich nicht nach Nürnberg zu wenden."
Das sieht Juliane Brauer, Head of Recruiting bei der Personalvermittlung Alma Mater, etwas anders. Sie vermittelt ausschließlich Akademiker in Unternehmen, die ihre Stellenausschreibung direkt an Alma Mater schicken. Brauer weiß aus dem Gespräch mit jobsuchenden Hochschulabsolventen, dass sich der Gang zur Arbeitsagentur lohnen kann. "Wichtig ist jedoch immer, dass die Leute mit einem klaren Konzept zur Agentur gehen und die richtigen Fragen stellen", sagt Brauer. "Auch mein Job ist leichter, wenn der Arbeitssuchende weiß, was er will." Der Vorteil der Personalvermittlung zur Arbeitsagentur sei der direktere Kontakt zu den Unternehmen, sagt Brauer. Doch auch bei ihr melden sich derzeit mehr Arbeitssuchende, als Jobangebote da sind.
Das Netzwerk als Jobversicherung
Für Personalberater Hohensee ist ein starkes Netzwerk nicht nur die beste Jobbörse, sondern auch eine kleine Jobversicherung. "Akademiker sollten einen potentiellen Arbeitsplatzwechsel antizipieren und sich im Job so vernetzen, dass sie für den Arbeitgeber möglichst unverzichtbar werden", rät er. Ist das Kind bereits in den Brunnen gefallen und der Job weg, hilft laut Hohensee das Prizip Schneeball: "Wen kenne ich, und wen kennt derjenige, den ich kenne...Nach dieser Vorgehensweise kann man Kontakte für die Jobsuche nutzen", erklärt der Headhunter.
Am Ende, sagt Dietrich vom IAB, muss der Arbeitssuchende alle Möglichkeiten nutzen, die er hat: von der Arbeitsagentur bis zur Onlinevermittlung.
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(SZ vom 13.10.2009/holz)
Ich erfahre es gerade am eigenen Leib, was Vitamin-B bedeutet.
Mein Ex-Chef hat mich bei einem Projekt ins Gespräch gebracht, woraufhin ich gefragt wurde, ob ich dort nicht mitarbeiten wollte. Die Projektleiterin wiederrum empfahl mich einem Büro, wo ich wiederrum vorstellig wurde und dort einen festen Vertrag bekam. Und nun habe ich abermals ein Jobangebot aufgrund guter Empfehlungen auf dem Tisch liegen.
Für mich gibt es zwei Sorten "Vitamin-B". Die erste Sorte ist im Prinzip Vetternwirtschaft. Papa verschafft dem unfähigen Sohnemann einen Job. DAS habe ich immer abgelehnt und mich geweigert, das Netzwerk oder den Ruf meines Vaters dafür zu nutzen.
Die andere Sorte "Vitamin-B" sind die Referenzen, die man sich erarbeitet. Wer gute Arbeit geleistet hat, wird eben auch weiterempfohlen. Daran ist m.E. nichts auszusetzen - im Gegenteil, ich bin stolz darauf mir in weniger als einem Jahr einen derart guten Ruf erarbeitet zu haben, dass Arbeitgeber auf mich zugehen (anstatt ihnen immer hinterher zu rennen).
einfach ein anderes Wort fuer Vetternwirtschaft...
Ich halte diesen Trend für mehr als bedenklich. Letzendlich führt es dazu dass überall mehr oder weniger unfähige Freunde und Verwandte sitzen. Ich finde, eine Stellenvergabe sollte vor allem nachvollziehbaren, rationalen Kriterien folgen nicht dem Verwandschfts- und Bekanntschaftsgrad oder Üppigkeit des Busens. Wo das hinführt, kann man live in Afrika oder Afghanistan (Bayern?) verfolgen: Büros, Ministerien, Kapitalgesellschaften ect. kurz überall wo es ohne viel Mühe Geld zu "verdienen" gibt, sitzen die vernetzwerkten Freunde, Bekannten und Verwandten von irgendwelchen lokalen Grössen. Richtig schlimm und gemeingefährlich kann das im Gesundheitsektor werden.
Die Rolle der SZ erscheint mir auch sehr undursichtig und standpunktlos: Einerseit meckern sie mit Recht gegen Sarkozy Junior,- ein typischer Netzwerkfall,- andereits verkappte Jubeletüden, wie in diesem Artikel