Von Franziska Seng

"Mein Kind muss aufs Gymnasium": Ulrike gibt Nachhilfe - und würde gerne zaubern können.

Ulrike Auerbach aus München gibt Nachhilfe. Sie hat zwar nicht vor, Lehrerin zu werden, muss also keine Unterrichtserfahrungen sammeln, aber der Nebenjob bietet ihr ein willkommenes Zubrot für den studentischen Geldbeutel.

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Ein großer Vorteil beim Nachhilfegeben: Die Germanistik-Studentin arbeitet von zuhause aus, weil die Eltern das Kind vorbeibringen. Das spart Zeit und Geld. Außerdem, sagt Ulrike, hätte man so einen Grund, die Studentenbude halbwegs sauber und ordentlich zu halten.

Eigentlich müsste Nachhilfegeben doch ein Kinderspiel sein: Schließlich hat man als Student ein Abitur, und der Stoff, den man den Schülern beibringen sollte, müsste bekannt sein. Trotzdem hat Ulrike schon einige Überraschungen erlebt: So lernen die Grundschüler jetzt ein neues Addier- und Subtrahiersystem, und die Schreibschrift wurde auch vereinfacht.

Die kryptischen Mathe-Textaufgaben, an denen schon unzählige Grund-, Haupt-, Real-, und Gymnasialschüler verzweifelten, bringen unter Umständen auch überzeugte Mathematikstudenten zum Schwitzen. Schließlich deckt sich der Stoff, den man im Studium lernt, nicht mit den Anforderungen in der Schule - ein Problem, mit dem auch frischgebackene Referendarare zu kämpfen haben, wenn sie in den Beruf einsteigen.

Als größeres Problem empfindet Ulrike jedoch die Ansprüche der Eltern. Häufig ist es schwierig, mit der Mutter ihres Nachhilfeschülers Sergio einen Unterrichtstermin auszumachen: Denn der muss schließlich auch ins Eishockeytraining oder zum Computer-Treff und ist offenbar auch sonst so viel unterwegs, dass seine Mutter sich nicht auf einen festen Zeitpunkt festlegen möchte.

"Bitte, mein Kind soll im Gymnasium bleiben, er darf nicht durchfallen", hat Sergios Mutter schon öfters an Ulrike appelliert. Auf die tatsächlichen Probleme des Schülers - wie etwa Schulwahl oder Erziehung - kann die Studentin jedoch keinen Einfluss nehmen. Leider. "Ich kann mich nur bemühen, meinem Nachhilfeschüler bei akuten Verständnisproblemen zu helfen. Aber gute Noten herbei zaubern - das kann ich nicht."

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(sueddeutsche.de)