Bayern will jeden Schüler zum Besuch einer KZ-Gedenkstätte verpflichten. Der Vorstoß ist gutgemeint - doch heuchlerisch: Den Unterricht über das Dritte Reich hat das Kultusministerium gekürzt.
Heute kehrt der Passauer Polizeichef Alois Mannichl in den Dienst zurück. Nach dem Messerattentat auf den 52-Jährigen, das vermutlich von einem Neonazi begangen wurde, ist Bayern noch immer im Schockzustand - auch deshalb, weil am Wochenende in Passau 200 Rechtsextreme auf die Straße gingen, dort unverhohlen vom Bankrott der Demokratie sprachen und mit Gewalt drohten.
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KZ-Gedenkstätte Dachau: Jeder bayerische Schüler soll künftig eine solche Gedenkstätte besuchen. (© Foto: ddp)
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"Wir müssen der rechtsextremen Krake jetzt Paroli bieten", verkündete deshalb Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer am Wochenende - und forderte von allen Ministern Vorschläge, wie man dem Treiben der Rechten Einhalt gebieten könne.
Das bayerische Kultusministerium folgte dem Aufruf und präsentierte einen neuen Vorschlag zur Präventionsarbeit an Schulen: Jede Schulklasse soll demnach zumindest ein Mal ein früheres Konzentrationslager oder das NS-Dokumentationszentrum in München besuchen. So will Kultusminister Ludwig Spaenle verhindern, dass Schüler anfällig für rechtsextremistisches Gedankengut werden.
Nur noch sieben Stunden in der Oberstufe
Der Vorschlag ist gutgemeint - und verwundert dennoch etwas: Denn erst im Sommer wurde nach Recherchen der Süddeutschen Zeitung bekannt, dass den Stundenkürzungen im Zuge der G8-Reform auch ein Teil des Unterrichts über das Dritte Reich zum Opfer fallen.
Mit der Umstellung auf das verkürzte, achtjährige Gymnasium war das Kultusministerium gezwungen, die Lehrpläne zu entrümpeln und strich den Geschichtsunterricht über Nationalsozialismus von 27 auf 24 Stunden zusammen. In der Oberstufe gibt es nur noch sieben Stunden Unterricht zu dem Thema. Darin sollen nur Holocaust, Antisemitismus und Propaganda zur Sprache kommen. Der Zweite Weltkrieg und die Organisation des Führerstaates etwa werden aber nicht behandelt.
Im Lichte dieser Kürzungen betrachtet wirkt der Vorstoß zu verpflichtenden KZ-Gedenkstättenbesuchen hilflos und wie panischer Aktionismus. Doch das Kultusministerium verteidigt sich: Ein solcher Ausflug könne den Schrecken des Dritten Reiches viel intensiver erfahrbar machen als zwei Seiten aus einem Schulbuch.
Emotionalisierung des Unterrichts
Zudem sei die beschlossene Kürzung nicht elementar, so ein Sprecher. "Wir müssen uns fragen, wie viel Stunden wir den Kindern zumuten können." Eine Streichung sei deshalb unumgänglich geworden und würde überdies durch einen Besuch einer KZ-Gedenkstätte wieder wettgemacht.
Auch Haupt- und Realschüler sollen künftig solche Exkursionen unternehmen, die einen in Klasse 8, die anderen in Klasse 9. Sie sollen jedoch nicht zu Lasten des Geschichtsunterricht gehen, sondern zusätzlich stattfinden.
Doch Wissenschaftler bezweifeln generell, ob solche pädagogischen Zwangsmaßnahmen immer sinnvoll sind: So konstatierten die Autoren der Studie "Holocaust Education. Wie Schüler und Lehrer den Unterricht zum Thema Nationalsozialismus und Holocaust erleben" der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit im vergangenen Jahr, der Besuch von KZ-Gedenkstätten könne das Interesse der Schüler wecken und würde von den meisten regelrecht erwartet. Doch mit einer solchen Emotionalisierung werde der Unterricht nicht selten überfrachtet.
Auf der nächsten Seite: Welche unerwünschten Folgen der Besuch von KZ-Gedenkstätten haben könnte - und was Didaktiker empfehlen.
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Debatte über Urheberrecht
@Gerhardrolf: "Da ich unternehmerisch erfolgreich bin kann ich wohl einschätzen was dieses dumme Diktatur- Gerede überhaupt bezweckt."
Klar, die DDR war keine Diktatur... jedenfalls konnte man sich das erfolgreich einreden, wenn man es sich in ihr behaglich gemacht hatte. Galt für die erste Diktatur auf deutschem Boden übrigens genauso! Augen zu und man kommt gut durch.
Wenn Sie dieser Vergangenheit so nachtrauern, dann ziehen Sie doch nach China oder Venezuela!
Diese Ostalgie-Propagandisten sollte man genauso strafrechtlich belangen wie ihre Pendants von der NPD.
hat das Bildungssystem gut hinbekommen. Stichwort: No-Go-Areas.
Denn wer in der ehemaligen DDR akademische Karriere machen wollte, musste dem System nicht nur angepasst sein, sondern sich auch darin engagieren. Und da sie scheinbar zu der Minderheit gehört haben, die auf der "Sonnenseite" standen und den Unrechtsstaat aktiv vertreten haben, wundern mich ihre Ansichten nicht.
Gestern erst habe ich im Fernsehen einen Bericht gesehen, der die Erinnerung an damals wieder aufgefrischt hat. Es war kein Bericht über die DDR, vielmehr über einen Menschen der in der DDR aufgewachsen ist und als Kind einen Traum hatte - mit einem selbstgebauten Schilfboot eine Atlantiküberquerung zu versuchen. Nur leider war dieser Traum nicht zu realisieren und zwar nicht weil ihm das Geld, Fachwissen oder der Mut gefehlt hätte. Das ganze ist einfach nur daran gescheitert, daß er die DDR nicht verlassen durfte.
Nur damit man sich daran erinnert - es gab damals nichtmal die Freiheit kurz ein Wochenende in Frankreich, Italien, England oder sonstwo zu verbringen. Man war eingesperrt in seine kleine Welt. Für mich schrecklich, auch wenn sie das als "etablierter" sicher anders sehen.
PS.: der Mann aus dem Film empfand es übrigens als Glück, daß im zarten Alter von 23 Jahren die DDR plötzlich verschwand. Er hat die Atlantiküberquerung zwar nicht (ganz) geschafft, aber hat's zumindest versuchen dürfen.
Damit ihr nicht glaubt, mein vorstehender Kommentar sei Satire, werde ich mir überlegen
womit man die nach meiner Forderung erübrigten 7 Stunden Geschichtsunterricht er=
setzen kann, denn sonst ist mein Vorschlag nicht konstruktiv!
Ich werde aber noch einige Zeit mit dem Vorschlag eines Ersatzunterrichtes warten,
damit das Wutgeheul bei einigen hier verraucht ist, es könnte sonst sein, daß deren
Stimmbänder mit einer erneuten Verbalempörung überfordert sind.
Also dann, bis in einigen Tagen, euer fröhlicher Freund!
Also da muß man schon den Kopf schütteln über den Schreiber des Artikels und einige Diskutanten hier! Ist euch eigentlich nicht aufgefallen, daß wir seit 20, 30 Jahren rund um die Uhr in allen Medien durchgehend auf mindestens einem Sender und in mind. 10 Druckerzeugnissen täglich eine solche Fülle von Artikeln, Bemerkungen oder ganzen Essays über das NS-Regime erhalten, daß sich jeglicher Schulunterricht darüber erübrigt! Nein, wirklich, jede Schulstunde darüber ist Verschwendung angesichts dieses in Hülle und Fülle dargebotenen Medien-Nachhilfe-Unterrichts in Sachen Nationalsozialismus! Dazu noch in völlig politisch-korrekter Form, was man bei schulunterrichten nicht immer gewährleisten kann, gibt es doch hin und wieder einen neo-nationalsozialistisch eingestellten Pauker oder gar Paukerin, die sich im Ton völlig vergreifen und den Schülern irgendeinen Pro-NS-Unsinn verzapfen, etwa derart, daß Hitler und seine Bewegung eigentlicvh linksradikal waren, Hitler den 1. Mai 1934 als Arbeiter-Feiertag eingeführt hat, immerhin statt wie bei der KPD von "Genossen" von "Volksgenossen" sprach. Das alles kann bei der Medien-Nachhilfe in den diversen Programmen oder Artikeln - wie auch die "SZ" immer wieder beweist - nicht passieren, deshalb, auch noch die 7 Std. Unterricht abschaffen, damit eine politisch-korrekte Unterweisung sichergestellt ist!
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