Sie wollen (fast) alles und kennen den Preis dafür: Eine Umfrage deckt die Nöte und Zwänge junger Führungstalente auf.
Sie haben die besten Voraussetzungen für einen gelungenen Start in ein erfolgreiches Berufsleben: Sie sind jung, sehr gut ausgebildet, hoch motiviert - und doch voller Sorgen. Junge Berufstätige, die Kurs auf Führungsjobs nehmen, fühlen sich unter einem enormen Erfolgsdruck, der sich nicht nur mit ihren eigenen Ambitionen erklären lässt.
"Meine Partnerin wollte Sicherheit und Standorttreue, ich wollte nach Mexiko. Nach drei Jahren war Schluss": Karriere, Kind und Kegel - für viele Führungskräfte unvereinbar. (© Foto: iStockphoto)
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"Die Angst vor Arbeitslosigkeit hat sich bis in die Führungsetagen hineingefressen", sagt die Marktforscherin Yvonne Fritzsche-Sterr. "Natürlich haben Nachwuchsmanager keine Angst davor, Hartz-IV-Empfänger zu werden. Aber sie befürchten, einmal keinen Job zu haben, der ihren Qualifikationen und Vorstellungen entspricht." Fritzsche-Sterr hat 300 junge deutsche Führungskräfte unter 40 Jahren über ihre Lebenspläne und Einstellungen befragt. Auftraggeber der Studie war die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers.
Aus Sicht der Jungmanager sind die drängendsten gesellschaftlichen Probleme Arbeitslosigkeit, die demographische Entwicklung, Staatsverschuldung und die Schwierigkeiten der Rentenversicherung. Doch ihre Haltung ist sehr distanziert. Im Rahmen der Befragung war in den persönlichen Interviews etwa folgende Aussage zu hören: "Da sollen sich die Leute darum kümmern, die etwas davon verstehen. Ich kann mich nicht um alles kümmern."
Handelt es sich bei dem Management-Nachwuchs also um junge Egoisten auf der Erfolgsspur? "Nein", sagt Fritzsche-Sterr. Vielmehr sei das eine pragmatische Haltung. Der Erfolgsdruck ließe den Führungskräften kaum Ressourcen, sich gesellschaftlich zu engagieren. Außerdem seien sie mit ihrer Einstellung nicht allein: "Die Besinnung auf sich selbst ist eine grundsätzliche Haltung, die sich in der Gesellschaft entwickelt hat, weil man immer weniger auf staatliche Institutionen zählen kann."
"Selber schauen, wo man bleibt" scheint also die Parole der jungen Manager-Generation zu sein - wobei die Studie aber auch zeigt, dass es ganz unterschiedliche Strategien gibt, mit den Anforderungen und Unsicherheiten umzugehen, die das heutige Berufsleben mit sich bringt. "Es gibt nicht den Manager von morgen", betont Fritzsche-Sterr. Während einige für ihre Karriere selbst Partnerschaften opfern würden, setzen andere bewusst auf Familie. Das Private wird sogar zur "Absicherung", weil man im Fall einer beruflichen Krise vom privaten Netzwerk aufgefangen wird.
Und doch gibt es offenbar eine gemeinsame Idealvorstellung: "Man will eine vielfältige Persönlichkeit sein, keine Arbeitsbiene." Der Ausgleich und das Nebeneinander von Beruf- und Privatleben sind daher ein großes Thema für den Führungsnachwuchs. "Sie wollen einen inhaltlich fordernden Job haben und wünschen sich die Verschmelzung von Beruf und Privatleben, zumindest: beides zu vereinen. Das geht aber nur unter der Bedingung, dass eben auch Leben sein darf neben der Arbeit." Dass sie so viel Zeit und Energie in ihre Arbeit stecken, sehen sie trotz allen Engagements auch kritisch. Sie müssen auf Dauer 14 Stunden und mehr täglich arbeiten, kennen Kollegen, die schon ausgebrannt sind und sehen in den oberen Etagen, wie schnell der Stress auf die Gesundheit schlagen kann.
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Venizelos kritisiert IWF-Chefin
Auch ich bin in der beschriebenen Altersklasse. Kenne den Druck und die Situation nur zu gut.
So lange man als Single durch die Welt geht, lässt sich vieles unter einen Hut bringen.
Letztendlich wirds dann schwierig, wenn andere unter dem Druck und der dauernden Abwesenheit leiden. Ein kleiner Tipp an alle zukünftigen Top-Manager: Weniger ist manchmal mehr. Holt euch lieber die Bestätigung in der Familie. Beides auf Top-Niveau ist nicht möglich.
Merkel 2005: Lassen Sie uns mehr Freiheit wagen!
@münchnerkindl: Zu Ihren beschriebenen Beispiel sage ich nur: selbst schuld. Bin selber 30 (also in der beschrieben Altergruppe).
Ich persönlich finde das schöne an Flugreisen, dass man einfach mal ein paar Stunden nicht erreichbar ist. Selbst schuld, wer da bis die letzte Sekunde noch hastig Mails schreibt. Ich hatte heute früh auch in der Wartehalle einen neben mir setzen, der Panik schob, weil er dringend Herrn X erreichen musste. Und Herr X musste dann schnell mal ein Bürozimmer für einen Umzug in 3 (!!!) Wochen ausmessen, und es was doch so ein Glück, dass sich der Flug verspätet hatte. Denn dann wäre der Manager mal 70 Minuten nicht erreichbar gewesen, was er als riesen Problem bei diesem Thema angesehen hatte.
Letztendlich ist so eine "Pause" mehr wert, als tausend Mails zusammen. Sie gibt einem zumindest etwas Abstand und mit dem sieht man viele Dinge hinterher manchmal anders.
Gut, nun ist mein Unternehmen auch eher im Familienbesitz und vertritt die Meinung, dass man spätestens nach 45h die Woche mehr Schmarrn als sinnvolle Dinge produziert.
Letztendlich bleibt dann aber ein entspannteres Leben. Das tut es auch ein Urlaub in Italien, da muss ich nicht auf die Seychellen fliegen, weil es mir mal was verdient habe.
Bei den markenbewussten Jungführungskräften würde mich ohnehin mal interessieren, wieviel Geld für die neuesten Trendsachen in der Freizeit draufgeht, schließlich arbeitet man ja 350 Tage im Jahr rund um die Uhr und hat sich dann mal was richtiges verdient.
eines Flughafens einen jungen Mann mit Handy-Ohrstöpsel und LapTop auf dem Schoß
die letzten Verspätungspausen ausnutzen sieht, handelt es sich vermutlich um einen
solcher geforderter Nachwuchstalente. Die besseren von Ihnen werden im Stunden-
takt um den Erdball gehetzt. Es lebe die Flüchtigkeit. Und das in Zeiten von Internet-
Videokommunikationsmittel etc. Die Latte der Anforderungen wird bewußt immer höher
geschraubt, manchmal getestet ab welchem Punkt Leistungsverweigerung eintritt. Die
Jungen machen das über Jahre mit, weil sie sich von soviel Loyalität und Leistungs-
bereitschaft irgendwann auch die Früchte versprechen. Doch bei vielen bleibt das aus.
Spätestens Anfang 40 rutschen die reihenweise in die Krise. Meist bricht parallel zur
privaten Welt (Ehescheidungen etc) auch die Berufswelt ein. Trotz Fitness und kilometer-
langem Jogging pro Woche ist dann irgendwann Schluss, und man muss schmerzhaft
erkennen, daß das eigene Leben schwerer beherrschbar ist, als durch eiige Mausklicks
zur rechten Zeit erhofft. Man hatte zuwenig Zeit für das Leben. Dumm gelaufen.
Wenn es den Führungsnachwuchskräften wirklich in erster Linie um Selbstverwirklichung im Job ginge und meine lieben Altersgenossen (ich bin 30) bei der Arbeitgeberwahl nicht solche Markenfetischisten wären, würden sie nicht alle bei Großkonzernen, sondern bei Mittelständlern arbeiten. Dort kann man sich viel schneller selber verwirklichen, auch ohne obligatorische 14 Stunden Tage. (Allerdings gibt es deutlich weniger Geld- aber das wurde bei den wichtigen Aspekten ja auch nicht genannt...) Hier fehlt, glaube ich, einiges an Kreativität und unabhängiges Denken. Viele scheuen einfach Mühen, die nicht den sicheren Erfolg versprechen und wundern sich dann, wenn andere, Mutigere, die sich selbständig machen oder für kleinere Firmen arbeiten, an ihnen vorbeiziehen.
PS: Mir geht die kapitalismus-kritische Tendenz der Leserbeiträge(und die selbstgefällige gegenseitige Bestätigung darin) in diesem und anderen Foren auf sueddeutsche.de zusehends auf den Keks. Leute, was für ein System wollt IHR denn eigentlich? Bitte positiv formulieren!
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