Von Nicola Holzapfel

Sie wollen (fast) alles und kennen den Preis dafür: Eine Umfrage deckt die Nöte und Zwänge junger Führungstalente auf.

Sie haben die besten Voraussetzungen für einen gelungenen Start in ein erfolgreiches Berufsleben: Sie sind jung, sehr gut ausgebildet, hoch motiviert - und doch voller Sorgen. Junge Berufstätige, die Kurs auf Führungsjobs nehmen, fühlen sich unter einem enormen Erfolgsdruck, der sich nicht nur mit ihren eigenen Ambitionen erklären lässt.

Die Kehrseite der Karriere: Sie wollen (fast) alles und kennen den Preis dafür: Eine Umfrage deckt die Nöte und Zwänge junger Führungstalente auf.

"Meine Partnerin wollte Sicherheit und Standorttreue, ich wollte nach Mexiko. Nach drei Jahren war Schluss": Karriere, Kind und Kegel - für viele Führungskräfte unvereinbar. (© Foto: iStockphoto)

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"Die Angst vor Arbeitslosigkeit hat sich bis in die Führungsetagen hineingefressen", sagt die Marktforscherin Yvonne Fritzsche-Sterr. "Natürlich haben Nachwuchsmanager keine Angst davor, Hartz-IV-Empfänger zu werden. Aber sie befürchten, einmal keinen Job zu haben, der ihren Qualifikationen und Vorstellungen entspricht." Fritzsche-Sterr hat 300 junge deutsche Führungskräfte unter 40 Jahren über ihre Lebenspläne und Einstellungen befragt. Auftraggeber der Studie war die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers.

Aus Sicht der Jungmanager sind die drängendsten gesellschaftlichen Probleme Arbeitslosigkeit, die demographische Entwicklung, Staatsverschuldung und die Schwierigkeiten der Rentenversicherung. Doch ihre Haltung ist sehr distanziert. Im Rahmen der Befragung war in den persönlichen Interviews etwa folgende Aussage zu hören: "Da sollen sich die Leute darum kümmern, die etwas davon verstehen. Ich kann mich nicht um alles kümmern."

Handelt es sich bei dem Management-Nachwuchs also um junge Egoisten auf der Erfolgsspur? "Nein", sagt Fritzsche-Sterr. Vielmehr sei das eine pragmatische Haltung. Der Erfolgsdruck ließe den Führungskräften kaum Ressourcen, sich gesellschaftlich zu engagieren. Außerdem seien sie mit ihrer Einstellung nicht allein: "Die Besinnung auf sich selbst ist eine grundsätzliche Haltung, die sich in der Gesellschaft entwickelt hat, weil man immer weniger auf staatliche Institutionen zählen kann."

"Selber schauen, wo man bleibt" scheint also die Parole der jungen Manager-Generation zu sein - wobei die Studie aber auch zeigt, dass es ganz unterschiedliche Strategien gibt, mit den Anforderungen und Unsicherheiten umzugehen, die das heutige Berufsleben mit sich bringt. "Es gibt nicht den Manager von morgen", betont Fritzsche-Sterr. Während einige für ihre Karriere selbst Partnerschaften opfern würden, setzen andere bewusst auf Familie. Das Private wird sogar zur "Absicherung", weil man im Fall einer beruflichen Krise vom privaten Netzwerk aufgefangen wird.

Und doch gibt es offenbar eine gemeinsame Idealvorstellung: "Man will eine vielfältige Persönlichkeit sein, keine Arbeitsbiene." Der Ausgleich und das Nebeneinander von Beruf- und Privatleben sind daher ein großes Thema für den Führungsnachwuchs. "Sie wollen einen inhaltlich fordernden Job haben und wünschen sich die Verschmelzung von Beruf und Privatleben, zumindest: beides zu vereinen. Das geht aber nur unter der Bedingung, dass eben auch Leben sein darf neben der Arbeit." Dass sie so viel Zeit und Energie in ihre Arbeit stecken, sehen sie trotz allen Engagements auch kritisch. Sie müssen auf Dauer 14 Stunden und mehr täglich arbeiten, kennen Kollegen, die schon ausgebrannt sind und sehen in den oberen Etagen, wie schnell der Stress auf die Gesundheit schlagen kann.

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