Nachteile von Home-Office Allein, allein

Aus für das Großraumbüro? Viele Unternehmen versuchen, die Arbeitswelt für ihre Mitarbeiter neu zu erfinden.

Von zu Hause aus arbeiten - klingt toll? Microsoft wollte genau das umsetzen und seine Mitarbeiter im großen Stil ins Home-Office schicken. Doch die begehrten auf. Aus gutem Grund.

Von Varinia Bernau

Jeder soll arbeiten, wo er will. Das war der Plan, den Microsoft im Sommer verkündete, und er bedeutete für viele: in Zukunft von zu Hause aus. Doch der Plan hatte einen Haken. Er war nicht für den Alltag gemacht. Manche sagen sogar, er war ohne die Mitarbeiter entstanden. Er klang gut, aber er kam nicht gut an. Der Unmut unter den 500 Mitarbeitern, deren Büro geschlossen werden sollte, war so groß, dass Microsoft den Plan nun wieder aufgibt. Die drei Standorte in Böblingen, Bad Homburg und Hamburg bleiben erhalten, wenn auch in kleinerer Form.

Der Fall ist mehr als eine Provinzposse. Er zeigt, wie schwer sich Unternehmen tun, die Arbeitswelt für ihre Mitarbeiter neu zu erfinden. Wie sie sich im weltweiten Wettbewerb um die besten Talente mühen. Wie sie einerseits den Jungen, die selbst über ihren Terminkalender entscheiden wollen, Freiräume lassen, aber auch eine attraktive Arbeitsatmosphäre, eine Art Campus, bieten müssen - ohne die älteren zu verprellen.

Denn der Mensch ist eben nicht so flexibel, wie die Unternehmen ihn gern hätten. Und wenn das Misstrauen gegen die Manager erst einmal groß ist, dann wehren sich die Mitarbeiter. So wie bei Microsoft.

Wie muss ein Dienstwagen nun versteuert werden?

Bei dem Softwarekonzern, das geht aus Unterlagen hervor, die der Süddeutschen Zeitung vorliegen, fühlten sich viele ganz einfach ausgebootet. Denn die Betriebsräte wurden erst einen Tag vor Bekanntgabe der Standortschließung informiert. Sie fühlten sich nicht einbezogen - zumal viele Fragen über Wochen offen blieben: "Es kann nicht sein, dass der Arbeitgeber die Bürokosten auf seine Mitarbeiter abwälzt", empört sich einer. Dabei ging es um viel mehr als nur die Frage, wer das Home-Office wie ausstattet - und was jene machen, bei denen es zu Hause viel zu eng für ein Büro ist.

Wo liegt die Grenze zwischen einem Betriebs- und einem häuslichen Unfall? Wie muss ein Dienstwagen nun versteuert werden? Zu welcher Weihnachtsfeier reist der mobile Mitarbeiter - und welcher Betriebsrat ist bei Problemen sein Ansprechpartner?

Viele dieser Fragen führt nun auch Finanzchefin Anja Krusel in einer Mail an die Mitarbeiter an, verspricht, sie zu klären - und räumt ein: Die Absicht, drei Niederlassungen zu schließen, habe "viele Diskussionen und einige Unruhe ausgelöst, die wir bedauern."

"Wärst du so lieb?"

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Viele Mitarbeiter misstrauten Microsofts Plan. Sie wurden das Gefühl nicht los, dass das Versprechen von einer besseren Arbeitswelt letztlich nur den miesen Trick verbarg, sich unliebsamer Mitarbeiter zu entledigen - und jene von Anfang an ruhig zu stellen, die womöglich mal aufmucken würden. Wer allein zu Hause sitzt statt im Büro, der tauscht sich nicht mit den Kollegen aus. Und wer erst Hunderte Kilometer fahren muss, der holt sich auch nicht so schnell Unterstützung beim Betriebsrat. So dachten immer mehr Mitarbeiter bei Microsoft. Und manche glaubten auch, dass das, was das Unternehmen als selbstbestimmte Arbeit pries, viele überfordert.

"Dem Arbeitgeber ist es egal, wann und wo du arbeitest - so lange du lieferst", beschreibt es etwa Thomas Radermacher, Betriebsrat in Walldorf. Die Arbeitszeiten lägen schon jetzt jenseits dessen, was rechtlich in Ordnung sei. In den meisten Verträgen seien 40 Stunden in der Woche vereinbart, 50 bis 60 Stunden im Schnitt seien der Alltag.